Cinema Morocco in der Cinémathèque Leipzig

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Liebe Freund*innen der Cinémathèque,

offiziell dürfen die Kinos in Sachsen wieder öffnen. Doch bevor es losgehen kann, braucht es ein gutes Konzept, damit sich der Kinobesuch für euch und unser Team so sicher wie möglich gestaltet. Auch ein Programm braucht ein paar Tage Vorlauf. Und dass es wirtschaftlich für viele kleine Kinos alles andere als optimal ist, wenn wegen (natürlich wichtiger) Abstandsregelungen nur mehr eine Handvoll Gäste in den Saal passt, ist auch klar. Wir geben unser Bestes, um Lösungen zu finden und so schnell wie möglich wieder für euch da zu sein. Habt bitte noch etwas Geduld mit uns.

Wenn ihr uns unterstützen möchtet, könnt ihr Kinogutscheine (6,50€ pro Stück + einmalig Porto) bei uns bestellen. Schreibt dazu eine Mail an info@cinematheque-leipzig.de.

Wir danken euch von Herzen für all eure Unterstützung und freuen uns, euch so bald wie möglich wiederzusehen!

Bleibt gesund, munter, solidarisch und cinephil!

Eure Cinémathèque Embarassed


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Cinema Morocco Cinema Morocco
  • 3.11.2018
    die naTo

Cinema Morocco

DOK Leipzig 2018

2018, 80 min

Cinema Morocco
Dir: Ricardo Calil, Brazil 2018, Documentary Film, 80 min, English, French, Portuguese with English subtitles

A strange newsreel report is all that recalls the glamorous past of the Cine Marrocos in São Paulo today. We see Irene Dunne, Erich von Stroheim and Abel Gance at the International Film Festival of Brazil 1954, walking up the red carpet to the opulent cinema palace, and Fubuki Koshiji stumbling and “revealing her delicate eastern foot” (original voiceover). Forty years later the twelve-floor building was suddenly empty, for two decades. When the announced renovation didn’t happen, a community of homeless people squatted there in 2013. At times more than 2,000 people from 17 countries lived in the gutted and graffiti covered ruin. At the initiative of the eponymous film project, films from the first festival year were screened in the re-opened cinema and a theatre workshop was founded where the actor-squatters worked on iconic film scenes, for example from “Sunset Boulevard”, “La Grande Illusion”, “Julius Caesar” and “Sawdust and Tinsel.” On the backdrop of imminent eviction, the film documents the theatre work, “co-written” by broken biographies and resulting in cinematographic re-enactments. Norma Desmond, Marc Anthony, the circus rider Anne and the fighter pilot Maréchal literally become projection surfaces – for experiences as varied as war trauma, depression, disgust of affluence and post-colonial alienation.

An die glanzvolle Vergangenheit des Cine Marrocos’ in São Paulo erinnert heute nur noch ein kurioser Nachrichtenfilm. Er zeigt, wie Irene Dunne, Erich von Stroheim und Abel Gance 1954 zum ersten Internationalen Filmfestival von Brasilien in den luxuriösen Kinopalast schaulaufen und dass Fubuki Koshiji beim Stolpern ihren „zarten östlichen Fuß enthüllt“ (Originalton). Vierzig Jahre später stand das zwölfstöckige Gebäude plötzlich leer – zwei Dekaden lang. Als die angekündigte Renovierung auf sich warten ließ, wurde es 2013 von einer Gemeinschaft von Obdachlosen besetzt. Zeitweilig lebten 2.000 Menschen aus 17 Ländern in der ausgeweideten und mit Graffitis gesäumten Bauruine. Auf Initiative des gleichnamigen Filmprojekts wurden im wiedereröffneten Kino Filme aus dem ersten Festivaljahr vorgeführt und ein Theaterworkshop ins Leben gerufen. Dabei erarbeiteten die schauspielenden Besetzer ikonische Filmszenen, etwa aus „Boulevard der Dämmerung“, „Die große Illusion“, „Julius Caesar“ und „Abend der Gaukler“. Vor dem Hintergrund der drohenden Zwangsräumung dokumentiert der Film die von den zerrütteten Biografien „mitgeschriebene“ Theaterarbeit, an deren Ende kinematografische Reenactments stehen. Norma Desmond, Marcus Antonius, die Kunstreiterin Anne und der Jagdflieger Maréchal werden buchstäblich zu Projektionsflächen – für so unterschiedliche Erfahrungen wie Kriegstraumata, Depression, Wohlstandsekel und postkoloniale Entfremdung.
---Esther Buss


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