Remake, Remix, Rip-Off in der Cinémathèque Leipzig

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Programm April

Programm Mai

Vision Filmkunsthaus

Die Cinémathèque Leipzig präsentiert alle Filme (soweit möglich) im Original mit Untertiteln


All films are shown in Original Version with subtitles (if possible)

Kurzfilme im April

01.04.-16.04.
UNSATISFYING
Parallel Studio

F 2016
1:17 min

 

17.04.-30.04.
IT'S ABOUT SPENDING TIME TOGETHER
Ainslie Henderson

GB 2012
3:33 min


vor jedem Hauptfilm (ausgenommen Sonderveranstaltungen)

Kurzfilme im Mai

01.05.-13.05.
WO IST JUSTIN?
Jens Rosemann, Peter Bauer

BRD 2012
4:10 min

 

14.05.-31.05.
UNICORN
Grace Nayoon Rhee

USA 2012
1:26 min


vor jedem Hauptfilm (ausgenommen Sonderveranstaltungen)

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Remake, Remix, Rip-Off Remake, Remix, Rip-Off
  • 27.04.2017
    die naTo

Remake, Remix, Rip-Off

Türkei: Zensur und Widerstand

Türkei/BRD 2016, OmU, Dok, 96 min, Regie: Cem Kaya

Format:DCP

Sprache: Türkisch mit deutschen Untertiteln
Language: Turkish with german subtitles

Im Anschluss Gespräch mit dem Regisseur Cem Kaya über die ambivalente Geschichte der türkischen Filmindustrie und ihre Akteur*innen.

Am 16. April 2017 haben der amtierende Präsident und die AKP mit knapper Mehrheit das Referendum über die Verfassungsänderung in der Türkei für sich entschieden. Zu befürchten ist, dass dies die Machtbasis des Präsidenten so sehr vergrößert, dass er ohne jede demokratische Legitimation autoritär und ohne Rücksicht auf abweichende Meinungen regieren kann. Bereits der unfaire Wahlkampf, die Einschüchterungen und Verhaftungswellen haben gezeigt, welche Folgen diese aktuellen Entwicklungen noch haben können. Das Ergebnis ist dennoch denkbar knapp ausgefallen und zeigt einmal mehr, welches Widerstandspotential vor allem in den großen Städten und unter der großen ethnischen Minderheit, den Kurd*innen, trotz aller Schikanen, Manipulationen und Menschenrechtsverletzungen immer noch vorhanden ist.

Die Reihe Türkei: Zensur und Widerstand widmet sich in unregelmäßigen Abständen der Geschichte und Gegenwart der Türkei und den historischen Kontinuitäten politischer Einflussnahme auf unterschiedliche Lebensbereiche.

Den Auftakt bildet der Dokumentarfilm REMAKE, REMIX, RIP-OFF von Cem Kaya: Die türkische Filmindustrie „Yeşilçam“ gehörte in den 60er und 70er Jahren mit bis zu 350 „Neu“-Erscheinungen pro Jahr zu den produktivsten der Welt und das, obwohl es weder Filmschulen noch angemessene Ausrüstung gab und die gesamte Branche einer strengen Zensur-Behörde unterstand. Mit der amerikanischen und europäischen Konkurrenz konnte man eigentlich nicht mithalten und deswegen gingen die wenigen Regisseure und Drehbuchautoren auf eigene Weise kreativ-imitierend mit den großen Hollywood- Vorbildern um: Ob „Der Exorzist“, „Star Wars“ oder „Rambo“, es wurde kaum ein Hit ausgelassen, der nicht einem Remake unterzogen, kopiert und auf den Geschmack des Publikums angepasst wurde. Neben einer Handvoll Autorenfilme entstanden so türkische Superheldenfilme, pseudo-historische Sandalenschmonzetten, türkische Thriller, anatolische Western, Komödien und schließlich Hardcore-Pornos. In einer Zeit, die global und lokal durch den Kalten Krieg, Studierendenproteste, politische Unruhen und Zensur definiert wurde, versuchten die (ausschließlich männlichen) Regisseure von Yeşilçam, die Kluft zwischen kommerziellen Produktionen und ihren eigenen künstlerischen zu schließen. Mit dem Aufkommen des Fernsehens Mitte der 70er Jahre und dem Militärputsch 1980 begann der Niedergang Yeşilçams. Viele sozialkritische Filme wurden beschlagnahmt und zerstört. Bis heute werden Filme von Regisseuren wie Yılmaz Güney nicht öffentlich gezeigt. Trauriger Höhepunkt dieser Entwicklung war der Abriss des ältesten Kinos in Istanbul im Jahr 2013, nur wenige Wochen vor Beginn der Gezi-Proteste.
Der Film gibt einen Einblick in die historischen Kontinuitäten politischer Einflussnahme auf die Filmproduktion der Türkei. Die politische Kontrolle über die Filminhalte und der ökonomische Druck haben die Arbeit der Filmschaffenden in der Türkei über die Zeit hinweg maßgeblich beeinflusst.

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen e.V.

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