Cinémathèque Leipzig - Archiv

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Das Archiv

zeigt alle Filme an, die seit 1998 im Programm der Cinémathèque Leipzig (vormals AG Kommunales Kino) zu sehen waren.

Möglich ist die Suche nach Film- oder Reihentitel.

Rechercheanfragen können uns gern auch per Email erreichen.

Wir bitten um Beachtung des Umstands, dass wir die gelisteten Filme nicht im Besitz haben und demzufolge auch nicht verleihen können.

 

 

117 + Weddings and Diapers 117 + Weddings and Diapers
  • Do 30.10. 11:00
    die naTo

117 + Weddings and Diapers

DOK Leipzig 2014

Yugoslavia + Kosovo 1976 + 2007, OmeU, Dok, 70 min, Regie: Besim Sahatçiu + Antoneta Kastrati, Casey Cooper Johnson

117

Der Gewinner des Grand Prix auf dem Dokumentar- und Kurzfilmfestival Belgrad von 1978 ist eines der schönsten Beispiele des ethnografischen Films aus dieser Region und sicher der für lange Zeit beste ethnografische Dokumentarfilm aus dem Kosovo. Im kosovarischen Dorf Nevokaze gedreht, zeigt er die traditionelle Lebensweise einer albanischen Familie, die 117 Mitglieder zählt, alle unter einem Dach und in großer Harmonie lebend. Von Kritikern als das „spirituelle Porträt einer Nation“ gepriesen, markierte er einen Wendepunkt im dokumentarischen Kino des Kosovo, indem er ästhetische Standards setzte, die es in der Filmgeschichte des Kosovo vorher nicht gab.
Veton Nurkollari


Weddings and Diapers

Die Ehe, einst von strengen und einheitlichen Regeln bestimmt, nimmt heute, in einer Zeit des rapiden gesellschaftlichen Wandels, viele Formen an. „Dasmatdhepampersat“ zeigt, wie vier Paare aus verschiedenen Regionen und Generationen mit häuslichen Pflichten, Kindererziehung, Freiheiten und Seitensprüngen umgehen. Indem sie die Kamera in ihr Zuhause einladen, enthüllen sie die Feinheiten ihrer Beziehungen voller Ehrlichkeit und Humor. Wie haben sich die Rollen verändert und was sind die Grenzen der Modernität in der heiligen Verbindung der Ehe? Vom Melken der Kuh bis zu einer Lektion im Windeln-Wechseln, von privaten Hochzeitsvideos bis zur Geburt eines neuen Babys ist alles Teil einer intimen Reise, die wir Liebe nennen (und allem, was daran hängt).
Veton Nurkollari

Beide Filme laufen im Programm Länderfokus Ex-Jugoslawien.

Kartenreservierung können ausschließlich über die Ticketkassen in allen DOK-Kinos und im Museum der bildenden Künste vorgenommen werden. Telefonische Reservierungen oder Reservierungen über unsere Homepage sind nicht möglich. Reservierte Tickets verfallen 1,5 Stunden vor Vorstellungsbeginn automatisch.


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A Goat for a Vote + Jikoo, a Wish A Goat for a Vote + Jikoo, a Wish
  • Mi 29.10. 22:15
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A Goat for a Vote + Jikoo, a Wish

DOK Leipzig 2014

Niederlande/Kenia + Frankreich/Senegal 2013 + 2014, OmeU, Dok, 106 min, Regie: Jeroen van Velzen + Christophe Leroy, Adrien Camus

A Goat for a Vote

Richten wir den Blick auf das Einüben demokratischer Prozesse am Beispiel einer Schülerwahl im ländlichen Kenia: Was eigentlich ist die Aufgabe eines Schulsprechers? Egal! Geht es doch um das Amt. Um das Prestige. Um die Weichenstellung individueller Karrieren. Die Kandidaten: Magdalena, die es als einzige weibliche Bewerberin traditionell schwer hat. Harry, der bitterarm ist. Um seine Kampagne zu finanzieren, verkauft er Fische und Kokosnüsse auf dem Markt. Said, der Charmeur. Berufsziel: Armeegeneral. Stratege ist er schon jetzt: Fototermin mit dem Vize, der einen Schritt hinter ihm stehen muss, Plakate kleben, Geld bei Verwandten auftreiben. Und dazu dieses verführerische Lächeln! Allen ist klar, dass sie nur durch Wahlkampfgeschenke siegen können. Oder nennen wir es, wie Magdalenas Großmutter, beim Namen: durch Bestechung. Also verteilen sie Süßigkeiten und „little somethings“. Harry gelingt es sogar, seinen Verwandten eine Ziege abzuschwatzen. Fleisch für Alle! Einzig bei Magdalena geht es um Inhalte – weshalb sie verlieren wird …
Was lehrt uns das? Die Schule als gesellschaftlicher Mikrokosmos übt ein, was Erfolg verspricht. Wenn der Weg dorthin über Korruption führt, ist das eine Alltagserfahrung in vielen Ländern. Wie heißt es zu Beginn des Films so schön: „Am besten verstehen wir unsere Gesellschaft, wenn wir auf unsere Kinder blicken.“ In diesem Sinne: A vote for a goat!
Matthias Heeder

Jikoo, a Wish

Nichts beruhigt das bürgerliche Weltgewissen mehr als die Einrichtung von Naturschutzgebieten, vorzugsweise in Ländern, die man ansonsten getrost schikanieren darf. Beispielsweise den Senegal, dessen Fischgründe von der EU leer gefischt werden. Den Nationalpark „Delta du Saloum“ an der senegalesischen Atlantikküste zum Weltkulturerbe zu erklären, ist wohlfeil, bringt gute Presse und Ökotourismus. Unpraktisch nur, wenn in dem Gelände Menschen leben, oft seit Generationen, die ihr ganz eigenes Auskommen mit der Natur gefunden haben und die Nachhaltigkeit des Tourismus aus guten Gründen bezweifeln.
Von diesem Konflikt zwischen internationalen Agenturen, vertreten durch die Parkverwaltung und deren Ranger, und den Bewohnern des Dorfes Bakadadji erzählt “Jikoo, a Wish“. Ein sehr einfacher Wunsch, den die Menschen haben: Einen Zaun bitte, damit sie ihre Felder vor den marodierenden Warzenschweinen schützen können, die unter Androhung von Strafe nicht gejagt werden dürfen. Wegen der Ökologie – jedenfalls, soweit die Beteiligten das verstehen. Doch verschwinden die zig Millionen Euro und US-Dollar des Weltgewissens in den Sickerfiltern der nationalen Administration, weshalb es leider leider kein Geld für einen Zaun gibt. Sollen die Bauern doch für die Ökotouristen tanzen. Dann brauchen sie auch keine Felder mehr. Was also ist zu tun? Der Film beantwortet die Frage nicht. Er hält uns nur einen Spiegel vor.
Matthias Heeder

Kartenreservierung können ausschließlich über die Ticketkassen in allen DOK-Kinos und im Museum der bildenden Künste vorgenommen werden. Telefonische Reservierungen oder Reservierungen über unsere Homepage sind nicht möglich. Reservierte Tickets verfallen 1,5 Stunden vor Vorstellungsbeginn automatisch.

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BrückenJahre BrückenJahre
  • 1.11.2014
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BrückenJahre

DOK Leipzig 2014

BRD 2014, OmeU, Dok, 98 min, Regie: Peter Benedix

Einmal im Jahr treffen sich die Kerkwitzer Männer zum Maibaum-Stellen. Seit 2008 war Peter Benedix dabei, der ihrem und dem Kampf der Lausitzer Dörfer Atterwasch und Grabko gegen die drohende Abbaggerung durch den schwedischen Energie-Riesen Vattenfall folgte. Vier Jahre nach dem aufsehenerregenden „Heimat auf Zeit“ und hauptsächlich durch Crowdfunding finanziert lotet er jetzt noch tiefer aus, was die viel beschworene „Brückentechnologie“ wirklich bedeutet – in einer Region, deren Wohl und Wehe seit mehr als einem Jahrhundert untrennbar mit der Braunkohle verbunden ist und die ihr gleichzeitig zum Opfer fällt. Was wiegt schwerer: Heimat oder Arbeit?
Neben der Frage, was das mit den Menschen macht, die versuchen, in einem jahrelang andauernden, zermürbenden Protest eine Art normales Leben hinzubekommen, begibt Benedix sich stärker als im ersten Film auf die politische Ebene, die der Argumente. Ihm gelingt das Kunststück, beiden Seiten – den Bergleuten und den Protestlern – Raum zu geben, ohne seine Autorenhaltung zu opfern. Während es zu jedem Argument ein (keinesfalls dummes) Gegenargument gibt, Volksbegehren und Verfassungsklagen scheitern und neue Protestmärsche (von beiden Seiten) organisiert werden, eröffnet in Kerkwitz – scheinbar gegen alle Vernunft – ein Dorfladen, und ein Kind wird geboren. Und die Männer stellen den Maibaum. Aber sie sind schon weniger geworden.
Grit Lemke

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Der Zorn junger Männer Der Zorn junger Männer
  • Mi 29.10. 17:30
    die naTo

Der Zorn junger Männer

DOK Leipzig 2014

BRD 2014, OmeU, Dok, 90 min, Regie: Uli Kick

„Du bist eigentlich ein Schmarotzer und eine faule Sau.“ Im Antiaggressionstraining gibt es keine Kuschelpädagogik, sondern Klartext. Acht Jungs zwischen 17 und 22 müssen sich acht Monate lang wöchentlich zur Gruppensitzung einfinden und anderenfalls eine Haftstrafe antreten. Sie haben geschlagen („Auf den Kopf. Wohin sonst?“), auf ihre Opfer eingetreten, sie krankenhausreif geprügelt. Wenn „der Film losgeht“ und die Wut hochzukochen beginnt („Am Hals. Mir wird’s richtig schlecht.“), werden sie zu den „tickenden Zeitbomben“, von denen Presse und Politik sprechen, seit die Gewalt eine „neue Qualität“ erreicht hat und Todesopfer forderte.
Nun müssen sie etwas machen, das ihnen schwer fällt: über sich reden. Zu vertrauen lernen und nachzudenken, bevor man handelt. In Gesprächen und Rollenspielen werden sie mit ihren Taten, mit der Perspektive des Opfers und vor allem mit sich selbst konfrontiert. An Schmerzgrenzen geraten dabei auch die Pädagogen. Dennoch versuchen sie jede Woche neu, so etwas wie Ziele und Perspektiven zu vermitteln, wo keine sind.
Geschickt entwickelt Uli Kick die filmischen Elemente der Therapie: das Dialogische in Interviews und Gesprächssituationen, das Kammerspielartige in der Konzentration auf wenige Personen und Orte, das Psychodrama. Und vielleicht geht es für die Jungs bei der Therapie um das Gleiche wie beim Film: einmal wirklich gesehen zu werden.
Grit Lemke

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Dominguinhos Dominguinhos
  • Fr 31.10. 22:15
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Dominguinhos

DOK Leipzig 2014

Brasilien 2014, OmeU, Dok, 86 min, Regie: Joaquim Castro, Mariana Aydar, Eduardo Nazarian

Lieder, die von der Liebe erzählen wie von der letzten Dürre oder dem Geld, dem fehlenden. Keine Frage, die Musik von José Domingos de Morais, einem der großen Akkordeonspieler Brasiliens, ist Volksmusik im besten Sinne. Voller Respekt verneigen sich die drei Regisseure mit ihrem Film vor dem 2013 verstorbenen Künstler. Dieser blieb der Kultur seiner Heimat, des Sertão im Nordosten Brasiliens, Zeit seines Lebens tief verbunden. Im Sertão beginnt auch der Film. Kein Musikerporträt, sondern eher eine träumerische Zeitreise durch ein unbekanntes Brasilien, aus dessen Vielfalt etwas so Wunderbares wie die Musik Dominguinhos‘ entstehen konnte. Dazu nutzen die Filmemacher unterschiedlichste Bildquellen: Archivmaterial der 1940er Jahre über den Sertão der Landarbeiter und Habenichtse, TV-Shows aus den 1950er und 60er Jahren, Interviews mit dem Musiker aus den verschiedenen Lebensabschnitten, große Konzerte in den 2000ern. Tatsächlich arbeiten sie im Steinbruch visueller Erinnerungen – nicht nur denen ihres Protagonisten, sondern ebenso ihrer eigenen und denen des Landes. Diese Erinnerungsarbeit, assoziativ und sprunghaft, bestimmt den Tonfall des Films. Eine Bildsequenz zu einer Melodie, ein Rhythmus zu einer Geschichte, ein Liedtext zu einer kurzen biografischen Notiz. Das ist erzählerisch ein mutiger Entwurf, und die Musik ist einfach hinreißend.
Matthias Heeder

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Engelbecken Engelbecken
  • Do 30.10. 17:30
    die naTo

Engelbecken

DOK Leipzig 2014

BRD 2014, OmeU, Dok, 80 min, Regie: Gamma Bak, Steffen Reck

Durch die Scharte eines ehemaligen DDR-Wachturmes blickend, zeigt sich nur ein schmaler Ausschnitt des Kreuzberger Engelbeckens. Mit dieser visuellen Erfahrung brechen die Filmemacher Gamma Bak und Steffen Reck zu einer persönlichen Zeitreise auf: 1987, gut zehn Jahre nachdem David Bowie an der innerdeutschen Grenze „Heroes“ textete, versuchen sie, eine ganz reale Ost-West-Liebe zu leben. Doch wie Helden fühlen sie sich dabei nicht. Sie leben von den 25 Mark, die sie täglich eintauschen muss, wenn sie in den Prenzlauer Berg will, wo er sich wie ein in die Enge getriebenes Tier in seiner Wohnung verschanzt. Als kompromissloser Individualist und Mitglied der subversiven Theatergruppe „Zinnober“ fühlt er sich permanent bedroht, die Grenze zur Psychose ist längst überschritten. Die Flucht nach vorn, die das Paar schließlich wagt, wirkt aus heutiger Sicht vielleicht naiv. Aber auch das bleibt eine Frage der Perspektive.
In ungewohnter Du-Form entwickelt sich die gemeinsame essayistische Reflexion der scheinbar ausweglosen Situation, die sich zur Gewissensentscheidung über Bleiben oder Gehen zuspitzt – nicht chronologisch, sondern nach der Ordnung eines assoziativen Gedichtes. Beide können auf vielfältiges künstlerisches Archivmaterial zurückgreifen: Super-8-Filme, Fotos, Zeichnungen, Performances, aber auch auf penibel gesammelte Beweisstücke von Grenzübergängen und das Zerrbild der Liebesgeschichte in den Stasi-Unterlagen.
Lars Meyer

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Escort + Death of the Serpent God Escort + Death of the Serpent God
  • 2.11.2014
    die naTo

Escort + Death of the Serpent God

DOK Leipzig 2014

Niederlande + Frankreich 2013 + 2014, OmeU, Dok, 110 min, Regie: Guido Hendrikx + Damien Froidevaux

Escort Wie hebt man jemanden an, der gefesselt am Boden liegt? Wie trage ich ihn, wenn er sich wehrt? Wie fixiert man einen Körper? Wie bugsiert man ihn eine Gangway hoch? Was macht man, wenn er schreit? Und wie kriegt man es fertig, einen verzweifelten Menschen, der vielleicht eine Familie zurücklässt, abzuschieben in ein Land, wo ihn nichts als Unsicherheit, Armut oder Verfolgung erwartet? Mit diesen Fragen sehen sich junge Rekrutinnen und Rekruten der niederländischen Bundespolizei konfrontiert. Sie absolvieren eine Spezialausbildung darin, abgewiesene Asylbewerber auf ihren Abschiebeflügen zu begleiten.
Dicht und im Stil des Direct Cinema erzählt, gibt Guido Hendrikx komprimiert in wenigen Szenen Einblick in eine gängige, allerdings für die Öffentlichkeit meist unsichtbare Praxis. Ohne dezidiert zu emotionalisieren, gelingt es ihm dennoch, Erschütterung auszulösen. Denn auch wir können uns der Frage nicht entziehen: Was ist human? (Und uns bange weiterfragen, was wir tun würden, wenn im Flugzeug hinter uns ein „Escort“ mit seinem Passagier säße.)
Grit Lemke

Death of the Serpent God Die Vorgeschichte klingt wie ein bitterböses Märchen und ist doch gängige Praxis in Europa. Im Alter von zwei Jahren kam Koumba mit ihren Eltern aus einem senegalesischen Dorf nach Paris. 18 Jahre lang kannte sie nur die französische Hauptstadt, bis sie nach einem nächtlichen Streit auf der Polizeistation landete und innerhalb von 48 Stunden abgeschoben wurde.
Sie findet sich in jenem von der Welt abgeschnittenen Dorf ihrer Vorfahren wieder, unter Verwandten, die sie nicht kennt. Hier leben noch alte Legenden, in denen Schlangenkönige über das Schicksal der Menschen bestimmen. Der Umbruch ist ein brutaler Schock. Die „weiße Koumba“, wie sie hier – durchaus verächtlich – genannt wird, inzwischen Mutter eines unehelichen Sohnes, sitzt in der Falle. Sie reagiert, wie sie es gewohnt ist: Furchtlos und rebellisch schlägt sie um sich, stellt Forderungen und beschimpft ihre Umgebung – auch den Filmemacher, den sie egoistisch nennt.
So entsteht der Film zunächst eher gegen den verzweifelten Widerstand der Protagonistin. Doch Damien Froidevaux lässt nicht locker, gibt die Widerspenstige nicht auf. Über fünf Jahre kehrt er immer wieder aus Paris nach Senegal zurück und wird damit selbst Teil eines Bewältigungsprozesses. Koumba durchläuft eine faszinierende Persönlichkeitsveränderung und wird schließlich zur Heldin ihrer eigenen Odyssee, während zugleich die Rolle der Kamera immer bewusst bleibt.
Lars Meyer


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Hommage Jon Bang Carlsen - Wirklichkeit? Welche Wirklichkeit? 4 Hommage Jon Bang Carlsen - Wirklichkeit? Welche Wirklichkeit? 4
  • 2.11.2014
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Hommage Jon Bang Carlsen - Wirklichkeit? Welche Wirklichkeit? 4

DOK Leipzig 2014

Dänemark 1986 + 2002, OmeU, Dok, 75 min, Regie: Jon Bang Carlsen

Before the Guests Arrive
Die letzten Saisonvorbereitungen in einem kleinen Hotel an der Nordsee. Geführt von einer betagten Dame und in Schuss gehalten von deren einziger Angestellten, auch sie nicht mehr die Jüngste, ist dieses Haus stilistisch irgendwie in den frühen 1960er Jahren hängengeblieben. Vielleicht war es diese Randständigkeit im touristischen Raum, die Bang Carlsen an dem Projekt reizte. Nichts ist hier situativ, zufällig oder ungeplant. An jeder Einstellung wurde sorgfältig gebaut, die Bewegungen der beiden Frauen orchestriert, die Dialoge und Texte so überzeugend entwickelt, dass hinter dem einfachen Bild eines in die Jahre gekommenen Familienhotels eine universelle Wahrheit über die Vergänglichkeit der Dinge aufscheint. Ein wehmütiger Blick des Regisseurs auf ein wenn auch etwas verstaubtes Kleinod, das der Film bewahrt und der Nachwelt wie in einer Zeitkapsel überliefert.
Matthias Heeder

Portrait of God
Keine Geschichte, keine Entwicklung, kein Film ohne Zweifel. Das gesamte Werk Jon Bang Carlsens beruht auf diesem Gedanken. Zweifel an der Wirklichkeit, an sich selbst, Zweifel an der Objektivität der Kamera. „Ich kämpfe um eine filmische Struktur, die den Zweifel als eine der Hauptfiguren in meinen Filmen etabliert, und die doch gleichzeitig auch das feste Gerüst bilden muss, das meine filmischen Fragmente trägt“. In „Portræt af Gud“ – Abschluss seiner „Südafrikanischen Trilogie“ – schlüpft Bang Carlsen als Erzähler in die Rolle eines Detektivs, der sich auf die Suche nach einem (womöglichen) Gerücht begibt: dem Bild Gottes. Professionell (das Misstrauen des Detektivs) und persönlich voller Skepsis folgt der Regisseur in diesem Roadmovie den Vorstellungen, die sich die Menschen von Gott machen. Schließlich findet er in einem gigantischen Gefängnis von Kapstadt überraschende Antworten und eine universelle Einsicht: dass es eine Sünde ist, in den Himmel zu schauen, wenn man Gott sucht.
Matthias Heeder

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Hommage Shelly Silver - Belebte Kreuzungen 3 Hommage Shelly Silver - Belebte Kreuzungen 3
  • Fr 31.10. 12:00
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Hommage Shelly Silver - Belebte Kreuzungen 3

DOK Leipzig 2014

USA 2004 + 1996, engl. OF, Dok, 70 min, Regie: Shelly Silver

What I'm Looking For

Sehnsucht, Zeit und Kontrolle sind die drei Themenbereiche, die Shelly Silver als Hintergrund für diese Arbeit anführt. Für die Künstlerin kristallisieren sie sich im Akt des Fotografierens: So beschäftigt sich die Arbeit mit dem Begehren des Fotografierenden und dem des Fotografierten. Auf einer Kontaktseite im Internet annoncierte Silver: „Ich suche Menschen, die in der Öffentlichkeit fotografiert werden wollen und dabei etwas von sich offenbaren.“
Ralph Eue

37 Stories About Leaving Home

Intimes Porträt einer Gruppe japanischer Frauen zwischen 15 und 82. Sie sprechen über ihr Leben, das Trennende und Verbindende zwischen Töchtern, Müttern und Großmüttern und wie es zu jeder Zeit und für jede von ihnen eine ganz eigene Erfahrung war, hinaus in die Welt und in die Gesellschaft zu treten. Komplex untereinander verwoben sind Kindheitserinnerungen, Alltäglichkeiten und ein magisch-grausames japanisches Volksmärchen über die Suche einer Mutter nach ihrer Tochter, die am Vorabend ihrer Hochzeit von einem Monster entführt wurde.
Ralph Eue


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Hop Jan + The Long Vacation Hop Jan + The Long Vacation
  • 1.11.2014
    die naTo

Hop Jan + The Long Vacation

DOK Leipzig 2014

Jugoslawien + Slowenien 1967 + 2012, OmeU, Dok, 94 min, Regie: Vlatko Filipović + Damjan Kozole

Hop Jan
Eine dieser cinematografischen Perlen, die nicht altern. Der Film feiert die Arbeit des Menschen, seine Kraft und Fähigkeiten. Gleichzeitig gibt er einen indirekten Kommentar auf die Gesellschaft und die Stellung der Arbeiterklasse in ihr. Eine beeindruckende Kameraarbeit mit sorgfältig ausgewählten Details sowie ein spezifischer Rhythmus und Sound machen diesen Film unvergesslich.
Rada Šešić

The Long Vacation
Was passiert, wenn Regierungen ausgetauscht werden und Länder auseinanderfallen? Verlieren Menschen unter diesen Umständen ihre Heimat? In diesem berührenden investigativen Dokumentarfilm folgen wir den Geschichten von Menschen, die durch den Systemwechsel ihre Staatsbürgerschaft eingebüßt haben und nun für etwas kämpfen, das doch offensichtlich und normal sein sollte. Wie können in einem neu formierten Staat fast über Nacht tausende Bürger administrativ ausradiert werden? Dem slowenischen Regisseur Damjan Kozole, der sowohl Spiel- als auch Dokumentarfilme macht und besonders durch seine subtile zeitgenössische Geschichte „Slovenka“ bekannt wurde, gelingt es trotz des Einsatzes von „Talking heads“, mit einfachen filmischen Mitteln die innere Spannung zu halten.
Rada Šešić

Beide Filme laufen im Programm Länderfokus Ex-Jugoslawien.

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Jean-Gabriel Périot - History, Director's Cut 1 Jean-Gabriel Périot - History, Director's Cut 1
  • 1.11.2014
    die naTo

Jean-Gabriel Périot - History, Director's Cut 1

DOK Leipzig 2014

Frankreich div., OmeU, Dok, 78 min, Regie: Jean-Gabriel Périot

We Are Winning Don't Forget (2004)
Unzählige Bilder von Menschen bei der Arbeit: Handwerker, Mechaniker, Schneiderinnen, Büroangestellte, sogar Soldaten. Sie werden an ihren Arbeitsplätzen gezeigt, an der Werkbank, unter Tage im Schacht und vor der Fabrik, lächelnd oder konzentriert. Und mit jedem Bild wird deutlicher, wie grundlegend das Arbeitsleben weltweit vom ambivalenten Verhältnis zwischen Macht und Ohnmacht beherrscht ist.
Annegret Richter

The Barbarians (2010)
Gruppenaufnahmen von Politikern, Familien- und Urlaubsfotos, bis sich durch die Isolierung von einzelnen Personen in Standbildern die Ordnung aufzulösen beginnt und die Individuen sich zu einem neuen, archaischen Organismus vereinen.
„(…) das Substrat der Geächteten und Außenseiter: die Ausgebeuteten und Verfolgten anderer Rassen und anderer Farben, die Arbeitslosen und die Arbeitsunfähigen. (…) Die Tatsache, daß sie anfangen sich zu weigern, das Spiel mitzumachen, kann die Tatsache sein, die den Beginn des Endes einer Periode markiert.“ (Herbert Marcuse)
Grit Lemke

Our Days, Absolutely, Have to Be Enlightened (2012)
Aus dem Projekt eines Konzerts mit Inhaftierten entsteht die Idee, die Audioübertragung außerhalb der Gefängnismauern zu dokumentieren. Périot weist die Kameraleute an, länger als für die Dauer eines Liedes auf Gesichtern zu verharren. Als er die Aufnahmen sieht, entdeckt er einen Film …
Grit Lemke

The Devil (2012) Das Aufbegehren der Afroamerikaner in den 1950er und 1960er Jahren und die Anfänge der Black Panther Party waren wichtige historische Wendepunkte, lösten jedoch sowohl in der weißen als auch in der schwarzen US-Bevölkerung tiefe Irritation aus. Plötzlich änderte sich die gesellschaftliche Wahrnehmung für alle Beteiligten. Nicht ohne Grund heißt der Untertitel des Films: „You don't know what we are“.
Annegret Richter

21.04.02 (2002)
Was hat Périot mit Le Pen zu tun? Mehr als ein Datum, Geburtstag des einen, Wahlerfolg des anderen? Das Ich in der Weltgeschichte als Bilderflut von Michelangelo bis zu den Teletubbies, zu Hitler und David Bowie, zu Gemälden, Bibelszenen, Postkarten, Archivbildern, Pornos und Werbung. Mittendrin: Périot.
Grit Lemke

Before I Was Sad (2002)
Périot präsentiert in diesem Film nicht ohne ein Augenzwinkern die ultimative Lösung für alle Homosexuellen: Eingliederung in die Welt der Heterosexuellen, am besten selbst einer werden. Das erklärt er mittels Porträtfotos aus seiner Jugend, die er auf Cut-outs von Modeaufnahmen und Zeitungsbildern legt und wie Wackeldackel langsam hin und her wandern lässt.
Annegret Richter

Intimate Diary (2000)
Ein Mann vor dem (Kamera-)Spiegel. Der nackte, junge Oberkörper impliziert Bilder und Vorstellungen aus Werbung und Medien … die sich aufzulösen beginnen, als der Körper als beschädigter sichtbar wird und aus dem (voyeuristischen) Blick ein peinlich berührter und schließlich ein berührter wird.
Grit Lemke

Médicalement (2005) Der medizinische Fortschritt ist für die Menschheit ein Segen, bringt er doch Heilungsmöglichkeiten und die Chance auf ein langes Leben mit sich. Doch wollen wir wirklich wissen, welche Opfer dafür gebracht werden müssen? Dieser Film zwingt zumindest zum Nachdenken.
Annegret Richter

Gay? (2000) Schwule sind die mit dem guten Geschmack, die in Kunstgalerien rumstehen und gut riechen, das weiß jedes Kind. Coming-outs sind so alltäglich wie Zähneputzen. Und Political Correctness geht weg wie geschnitten Brot. In dieser Parodie aber wird sie genüsslich zerlegt. Wurde auch mal Zeit.
Grit Lemke

Loving Flirts (2000) Frosch, Pferd und Ente sind die Protagonisten dieses kurzen Films, der kein Animationsfilm ist, denn die Spielzeuge werden in ihrer Bewegung gefilmt. Das irritiert? Und genau so soll es sein.
Annegret Richter
#67 (2012)
Seit zehn Jahren gibt es in Frankreich keine normalen Tomaten mehr. Périot offenbart die Wahrheit hinter dem großflächigen Anbau, der Genmanipulation, dem Preisdruck und den falschen Biodeklarationen und kommt zu dem Schluss: Es kümmert keinen. Und er zeigt die Parallelen zu anderen Phänomenen, etwa den Wahlen in Frankreich auf, bei denen die Bevölkerung auch nicht mehr hinterfragt, sondern sich vom schönen Schein blenden lässt.
Annegret Richter

Devil Inside (2004) Frauen marschieren, Frauen turnen, Frauen sind Teil der Revolution. Sexy sind ihre Auftritte – und dennoch Demonstrationen männlicher Stärke. Der teilanimierte Film spielt mit den Rollenklischees, indem das Archivmaterial mit den darauf gezeichneten Charakteren in Verbindung gebracht wird, unterstützt durch die Musik von „The Flaming Pussy“.
Annegret Richter

Dies Irae (2005)
9.000 aus Google generierte, bearbeitete und aneinander montierte Fotos als Illusion einer Reise: durch Straßen, Flure, Keller und Gewölbe, über Autobahnen, Boulevards, Bahnhöfe – und Schienen, die zu einem Tor führen … Was anmutet wie ein meditativer Flow, endet als Metapher auf die Zivilisation, in Asche und Zorn.
Grit Lemke

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Weitere Informationen zu Jean-Gabriel Périot - History, Director's Cut 1

Jean-Gabriel Périot - History, Director's Cut 2 Jean-Gabriel Périot - History, Director's Cut 2
  • 1.11.2014
    die naTo

Jean-Gabriel Périot - History, Director's Cut 2

DOK Leipzig 2014

Frankreich div., OmeU, Dok, 86 min, Regie: Jean-Gabriel Périot

We Are Become Death (2014) Aufnahmen von Atombombenexplosionen reihen sich fast unbemerkt ein in Fluten von idyllischen Landschafts- und imposanten Tierbildern. Erst das Archivmaterial von Robert Oppenheimer lässt Herzen und Augen stocken. „Wir wussten, die Welt würde nicht mehr dieselbe sein. Ein paar Leute lachten, ein paar Leute weinten, die meisten waren still.“
Annegret Richter

The Delicate Art of the Bludgeon (2009)
Polizisten bei der Ausübung von Macht. Oder ist es Machtmissbrauch? Périot nutzt für seine Montage verstörendes Archivmaterial von Demonstrationen und verbindet es mit der kraftvollen Aussage der Musik des Films: „This is not a love song!“
Annegret Richter

The Day Has Conquered the Night (2013)
Teil zwei des Knastprojekts. Ausgangspunkt ist die Überlegung, was alle Menschen (drinnen und draußen) verbindet: Träume. Mit den Inhaftierten werden Texte erarbeitet, Lieder und Performances einstudiert. Den Subtext liefern die unsichtbaren, aber präsenten Mauern und die Frage, ob unsere Träume sie überwinden können.
Grit Lemke

Undo (2005)
Rückwärtslaufende Bilder als Spiel mit der These, dass früher alles besser war. Ein großer Entwurf über die Möglichkeit der Umkehr. Was wäre, wenn? „Die Pilze sollen wieder in den Boden kriechen / Und die Bomben wieder in den Flugzeugbauch / Das Loch im Himmel soll sich wieder schließen / und die Löcher in der Erde / die auch.“ (Gundermann)
Grit Lemke
Even if She Had Been a Criminal … (2006)
Die Marseillaise zu Bildern von Soldaten, Schlachten, Aufmärschen und jubelnden Massen: der Sieg von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit über die Hitler-Barbaren. Doch der Lauf der Bilder stockt und macht eine andere Wahrheit über Sieger und Verlierer sichtbar, während das Lied als flotter Schlager weiterschnarrt …
Grit Lemke

Nijuman no borei – 200000 Phantoms (2007)
Dies ist wahrscheinlich einer der poetischsten und bewegendsten Filme über den Atombombenabwurf auf Hiroshima. Périot montiert sorgfältig Archivfotografien von 1914 bis 2006, die zwar immer dasselbe Gebäude im Fokus haben, aber noch viel deutlicher das Leben der Menschen in der Stadt widerspiegeln.
Annegret Richter

Under Twilight (2006) Mit schnell aufeinanderfolgenden Bildsequenzen und deren Wiederholung dekonstruiert Périot Archivaufnahmen von Kriegsflugzeugen, Bombenabwürfen und die daraus resultierende Zerstörung. Durch diese Inszenierung erscheinen die allerdings verstörenden Bilder beunruhigend schön.
Annegret Richter

If We Ever Have to Disappear, It Will Be Without Disquiet, but We Will Fight Until the End (2014)
Musik und Körperarbeit spielen im Schaffen Jean-Gabriel Périots eine zentrale Rolle. Hier gab er dem Michel Cloup Duo einen Rhythmus vor und adaptierte eine Choreografie von Cindy van Acker für die Tänzerin Tamara Bacci für die Kamera. Eine expressive Variation des Themas: Kämpfen bis zum Ende.
Grit Lemke

Kartenreservierung können ausschließlich über die Ticketkassen in allen DOK-Kinos und im Museum der bildenden Künste vorgenommen werden. Telefonische Reservierungen oder Reservierungen über unsere Homepage sind nicht möglich. Reservierte Tickets verfallen 1,5 Stunden vor Vorstellungsbeginn automatisch.

Weitere Informationen zu Jean-Gabriel Périot - History, Director's Cut 2

Mar de Fons + The Stranger Mar de Fons + The Stranger
  • Do 30.10. 20:00
    die naTo

Mar de Fons + The Stranger

DOK Leipzig 2014

Spanien + Irland 2014, OmeU, Dok, 120 min, Regie: Bruno López, Florencia Luna + Neasa Ní Chianáin

Mar de Fons

„Wieder ein schlechter Tag!“ So klingt es, wenn sich katalanische Fischer treffen. Das Fischsterben und die Umweltverschmutzung im Großraum Barcelona machen ihnen zu schaffen. Ramón Costa hat in seiner langen Laufbahn dramatische Veränderungen erlebt. Damit ist nicht gemeint, dass er es vom Ruder- zum Motorbootbesitzer geschafft hat – nein: Von 100 Fischerboten sind in seinem Heimatort Badalona gerade einmal sechs geblieben. Eines davon gehört Ramón. Doch auch er denkt daran, das kleine Familienunternehmen aufzugeben, zumal sein älterer Sohn ihm Sorgen bereitet. Eine Strandbar zu eröffnen, wäre lukrativer. Der jüngere, endlich aus der Adoleszenz erwacht, macht ihm zwar neuen Mut. Doch ist der Junior störrisch und besserwisserisch.
All die Probleme ballen sich auf dem engen Raum des Fischerbootes zusammen, wenn Vater und Sohn aufs Meer hinausfahren. Der Film hat alles, was eine kleine Novelle ausmacht. Er erzählt von rastlosen Männern, vom Sterben der Tradition und von der Krankheit der Zivilisation. Im Zentrum steht eine charismatische Hauptfigur. Ramón ist nicht nur ein passionierter Geschichtenerzähler, sondern bemüht sich als Vater rührend um eine Verbindung zu seinen Söhnen, auch wenn sie in einem vollkommen anderen Zeitalter groß geworden sind als er selbst.
Lars Meyer


The Stranger

„Keiner wusste, wo Neal McGregor herkam und warum er sich entschieden hatte, auf dieser einsamen irischen Insel zu leben. Aber es gab viele Gerüchte darüber, wer er war (…).“ Was so beginnt, hat alle Ingredienzien für großes Gefühlskino: die Geschichte eines englischen Ex-Lehrers, Künstlers, Esoterikers, Genius und Aussteigers, der als Eremit in einer Hütte auf einem felsigen Eiland inmitten der wilden irischen See lebte und mit 43 Jahren den Tod fand. Die zarte, unerfüllte Liebe zur geheimnisvollen Mary, die es verstand, die Sterne zu lesen. Wettergegerbte Inselbewohner, die den zugereisten Außenseiter in Zeiten, da die IRA überall vermutet wurde, misstrauisch beäugten und doch nach ihm sahen, wenn er mit dem Boot zu weit raus fuhr. Aus Tagebuchaufzeichnungen voller philosophischer Tiefe, Tuschezeichnungen, Archivaufnahmen, Interviews und sehr dezentem Reenactment komponiert Neasa Ní Chianáin die enigmatische Ballade eines Mannes, der sich und der Welt ein „Fremder“ blieb. Den Rhythmus des Films bestimmen die raue Landschaft und die Menschen in ihr. In den Bildern dieses einsamen Fremden auf den Klippen über dem schäumenden Meer schwingt Melancholie und die Frage, welchen Preis man zahlt, wenn man ganz seine Überzeugungen lebt. Ein Übriges tun die Geister der Toten, der Himmel und die ewig tosende Brandung. Play it again!
Grit Lemke

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Metaphor or Sadness Inside Out + From my Syrian Room Metaphor or Sadness Inside Out + From my Syrian Room
  • Do 30.10. 14:00
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Metaphor or Sadness Inside Out + From my Syrian Room

DOK Leipzig 2014

Großbritannien/Portugal + Syrien/Frankreich/Libanon/BRD 2013 + 2014, OmeU, Dok, 105 min, Regie: Catarina Vasconcelos + Hazem Alhamwi

Metaphor or Sadness Inside Out

Ein junger Mann schreibt seiner Schwester, der Filmemacherin, aus Lissabon nach London. Er gesteht ihr, dass er, neun Jahre nach dem Tod der Mutter, eine Leere in seinem Leben fühlt. Sie antwortet ihm mit einem Film, um jene Leerstelle zu füllen. Der Bruder beschreibt seine Sehnsucht nach einer Zeit, in der er noch gar nicht lebte, eine Vergangenheit, die verloren scheint. Es ist die Zeit der Mutter, die Zeit der Revolution in Portugal, die ein innerlich gebrochenes Land wieder mit sich vereinte. Das Gefühl der Freiheit ist heute für die Nachrevolutionsgeneration, mitten in der Eurokrise, schwer greifbar. Kann man sich in der Zeit rückwärts filmen?
Das körnige Super-8-Material schlägt eine Brücke ins Gestern. Die Kamera sucht Orte von drei Familiengenerationen auf, die sich nur noch halb anfühlen. Auch das Meer gehört dazu, von dem der Großvater einst sagte, es sei eine Metapher für die Welt. Immer wieder kommt der lyrische Wortwechsel zwischen Bruder und Schwester auf das Gefühl der Halbheit zurück. Auf der Bildebene wird nach der anderen Hälfte gesucht, durchaus mit einer feinen Ironie, die den melancholischen Grundton aufhebt. Eine Metapher bleibt schließlich eine Metapher. So entsteht ein selbstreflexives, poetisches Suchbild, in dem das Persönliche stets über sich hinausweist.
Lars Meyer

From my Syrian Room
Beklemmung überfällt einen. Die Feder von Hazem Alhamwi kratzt über eine Schwarz-Weiß-Skizze, die eines Hieronymus Bosch würdig wäre. Apokalyptische Motive und zugespitzte Satire sind seine Spezialität und waren die Rettung. In einem Land wie Syrien, wo alles, selbst das Atmen – wie einer bitter kommentiert – kontrolliert wurde, brauchte es Fluchträume. Kunst, die auf Öffentlichkeit verzichtet, kann einer sein. Der Film entstand, als die Proteste im Windschatten des Arabischen Frühlings hoffen ließen, dass sich etwas ändern könnte: endlich aussprechen, was jahrzehntelang unterdrückt war und zu hohen Gefängnisstrafen geführt hätte. In Gesprächen mit Freunden und Verwandten betreibt der Regisseur Ursachenforschung, beginnend mit Kindheitserfahrungen von Propaganda und Personenkult, Anpassung und Angst. Heute, da sich die Ereignisse überschlagen, ist die hohe Zeit der schnellen Medien. Alhamwis differenzierte Töne, assoziative Motive und Ausflüge in die Bilderwelt der Kindheit haben es schwer mitzuhalten in einer Gegenwart, in der Syrien zwischen religiösen und ethnischen Interessen sowie denen des Auslands zerrieben wird. Die Stimmen aus Alhamwis Zimmer hallen nach aus einer Zeit, als Demokratisierung und Freiheit gefordert wurden. Diesen kurzen Moment, als die Opposition sich zu formieren und zu formulieren suchte, hält der Film fest. Die Zeit der Idealisten war kurz bemessen.
Cornelia Klauß

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Räschen + Ruhr Record Räschen + Ruhr Record
  • 1.11.2014
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Räschen + Ruhr Record

DOK Leipzig 2014

BRD 2014, OmeU, Dok, 68 min, Regie: Peter Hecker + Rainer Komers

Räschen

In der Realität ist Räschen ein kleiner Ort in der Lausitz, der vom Bergbau lebte und ihm große Teile opfern musste. In dem sich der Wald die menschenleeren Siedlungen zurückholt, Straßen buchstäblich im Nichts verlaufen und man eigentlich nichts verloren hat. Zumindest, wenn man so jung ist wie Marcel, Enrico und Svenja. „Bissl langweilig“ finden die es denn auch zwischen dem Wummern von Autoboxen und dem Singsang des Skateboards auf dem Asphalt – scheinbar die einzigen Bewegungen inmitten des Stillstands. Aber ansonsten: „Geht schonn“ – wie der Lausitzer sagt und dies mit einem metaphysischen „und alles“ bekräftigt.
Wie es einer der Jungs aber ganz richtig beschreibt, entstehen gute Filme nicht in der Realität, sondern in der Fantasie. Und so bedient sich Peter Hecker des genialen Kunstgriffs, seine Protagonisten nach dem angeblich vermissten Christian zu befragen: der schon irgendwie klar kommt, ein „bissl“ Rebell war und „immer so traurig“. Er wird zum Spiegelbild der Sprechenden, die in genau gesetzten Momentaufnahmen kurze, aber abgrundtiefe Einblicke in ihr Innerstes gewähren. Während die Kamera voller Wärme und Poesie einen Ort abbildet, der keiner ist, findet sich die Wahrheit des Dokumentarischen erst in der Fiktion – und alles.
Grit Lemke


Ruhr Record
Das Ruhrgebiet trug einst, als es noch „Revier“ oder „Pott“ genannt wurde, die Kohle und die dampfenden Schlote schon im Namen. Mit dem Ende der Industrie und der Arbeit, wie wir sie kannten, muss es sich neu definieren. Wo früher Bergmänner in den Schacht fuhren, Erz verladen und Stahl gekocht wurde, breitet sich heute ein riesiger Freizeitpark aus – Fun ist die neue Maloche. Eine Region im Wandel.
Zum Glück hat das Ruhrgebiet Rainer Komers, den Meister der Übergänge, auf die es nicht nur in der Strukturkrise, sondern auch im nonverbalen dokumentarischen Erzählen ankommt. Aus ruhig beobachteten Bildern und mit Bedacht gesetzten Tönen komponiert er einen Reigen, der Elemente, Bewegungen oder Texturen aufnimmt und in etwas Neuem weiterführt. Aus dem Gleiten der Gondel eines Fahrgeschäfts wird das der Kohle auf dem Förderband, vom Abstich am Hochofen geht es zur Herdplatte, auf der türkische Frauen Pita backen, und die ornamentale Struktur einer Produktionsanlage findet sich in den Holzscheiten eines Lagerfeuers wieder. Überhaupt – das Feuer, das Wasser und die stetig aus allen Bildern wallenden Dampfschwaden! So wie die Urgewalten noch da sind und eine ewige Bewegung, bleiben die Menschen. Singen ein finales „Glück auf!“ und verwetten den letzten Lohn beim Pferderennen. Eindrücklicher als mit „Ruhr Record“ kann man Liebe nicht erklären.
Grit Lemke

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Rocks in my Pockets Rocks in my Pockets
  • Do 30.10. 22:15
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Rocks in my Pockets

DOK Leipzig 2014

USA/Litauen 2014, engl. OF, Dok, 88 min, Regie: Signe Baumane

Signe Baumane ist bekannt für den offenen Umgang mit Tabus. Ihre Filme sind explizit und besitzen gleichzeitig eine amüsante und ironische Komponente. Bisher erzählte sie ihre Geschichten nur im Kurzformat. „Rocks in My Pockets“ ist ihr erster abendfüllender Film und wahrscheinlich ihr persönlichster. Denn die Filmemacherin begibt sich auf eine Reise in die Vergangenheit ihrer Familie. Sie selbst beschreibt ihre neueste Arbeit als „a funny film about depression”, doch es ist wohl vielmehr eine Geschichte von starken unabhängigen Frauen, dominanten Männern, restriktiven Systemen und psychischen Krankheiten, die von allen Beteiligten nicht ernst genommen werden. Ihre Großmutter starb auf mysteriöse Weise und die Familie hüllte sich in Schweigen. Signe nimmt an, dass sie sich umgebracht hat, denn auch sie leidet unter Depressionen und drei ihrer Cousinen sind psychisch krank.
Die Filmemacherin animiert für den Film äußere Einflüsse und innere Zustände, versucht ihre eigenen und die Gefühle ihrer Leidensgenossinnen für andere nachvollziehbar darzustellen und erklärt, wie ihre persönliche und künstlerische Emanzipation und die Aufarbeitung der Familiengeheimnisse zusammenhängen.
Annegret Richter


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Sansui, Landschaft + Jedes Bild ist ein leeres Bild Sansui, Landschaft + Jedes Bild ist ein leeres Bild
  • Fr 31.10. 17:30
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Sansui, Landschaft + Jedes Bild ist ein leeres Bild

DOK Leipzig 2014

BRD/Japan + BRD 2014, OmdU + dt.OF, Dok, 100 min, Regie: Nina Wiesnagrotzki + Christoph Faulhabe

Sansui, Landschaft

Die Japaner pflegen eine besondere Beziehung zu den Bergen. Das ist nicht erst seit der kitschigen Verfilmung von „Heidi“ so. Der schneebedeckte Fujisan (wie der Fujiyama korrekt heißt) ist sicher das beliebteste Postkartenmotiv. Die Farbholzschnitte von Katsushika Hokusai visualisieren hoch meisterlich die Ehrfurcht vor den Naturgewalten. Kein Wunder: Der Archipel besteht zu zwei Dritteln aus Bergen und befindet sich zudem auf einer Bruchzone von tektonischen Platten. Dieser fragile Untergrund, der regelmäßig Erdbeben und Tsunamis mit verheerenden Folgen auslöst, hat das Leben der Bewohner tief geprägt. Aber sie haben auch gelernt, sich damit zu arrangieren. Die auch als Installationskünstlerin arbeitende Filmemacherin Nina Wiesnagrotzki betreibt in ihrem Film „Sansui, Landschaft“ eine Art Bild-Untersuchung, um sich der japanischen Mentalitätsgeschichte zu nähern. Dabei bewegt sie sich in immer weiter ausholenden Denk-Kreisen, die auch das Bilderarsenal des populären Kinos, der Comics und Legenden einschließen. Spätestens seit der Katastrophe von Fukushima weiß man, dass Godzilla als Gestalt gewordener Albtraum keine Übertreibung darstellt.
Cornelia Klauß

Jedes Bild ist ein leeres Bild
Es gibt die Ansicht, dass der öffentliche Raum eine voraussetzungslose Gegebenheit sei, die sich alternativlos (um das Unwort des Jahres 2010 zu zitieren) um uns herum aufgebaut hat. Solchen Vorstellungen tritt Christoph Faulhaber seit geraumer Zeit mit vorgeblich naiven Infragestellungen entgegen. Er widmet Einschüchterungen und Verbote einfach um und nimmt sie als Material für ebenso subversive wie sinnstiftende Einlassungen.
Faulhaber hat klar umrissene Vorstellungen vom „Schauplatz“ der Kunst. Weder nehmen seine Performances im sicheren Atelier Gestalt an, noch kann man sie ausschließlich hinter gut geputzten Scheiben von Galerien begutachten. Vielmehr experimentiert er im Mittendrin der Gesellschaft gegen die Ordnung herrschender Systeme. Nachdem ihm zum Beispiel verboten wurde, eine US-amerikanische Botschaft abzulichten, drehte er den Spieß einfach um und bewachte die Botschaft, damit sie nicht von der Öffentlichkeit fotografiert würde. Diese Aktion dokumentierte er wiederum mit Fotos, die er anschließend auf der documenta 12 ausstellte – natürlich ohne offizielle Einladung –, was auch prompt beendet wurde. Als er danach als deutscher Stipendiat mit legalem Visum in die USA einreisen wollte, wurde er verhört und zur Ausreise gedrängt.
Was in diesem Film aufs Anregendste zu erfahren ist: die Verhandlung von Macht und die Rolle von Bildern in diesem Prozess.
Ralph Eue

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Starting Point + Toto and His Sisters Starting Point + Toto and His Sisters
  • Fr 31.10. 20:00
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Starting Point + Toto and His Sisters

DOK Leipzig 2014

Polen + Rumänien 2014, OmeU, Dok, 120 min, Regie: Michał Szcześniak + Alexander Nanau

Starting Point

Man wächst an seinen Aufgaben, heißt es. Anetas Aufgabe ist enorm groß und schmerzhaft. Täglich muss sie sich mit ihrer Vergangenheit konfrontieren, um wieder eine Zukunft zu haben. Mit 19 rebellierte sie gegen ihr gesamtes Umfeld und endete als Mörderin. Neun Jahre später darf sie hin und wieder das Gefängnis verlassen, um Sozialdienst im Pflegeheim zu leisten. Dort trifft sie auf eine alte Dame, Helena – und mit ihr auf eine komplett gegenläufige Lebensgeschichte. Während Aneta ihre Chancen und ihre Freiheit aufs Spiel gesetzt hat, ist Helena bereits mit Rheuma aufgewachsen und kennt die Welt, wie sie sagt, nur durch das Fenster. Und trotzdem nennt sie sich eine Realistin.
Das Anerkennen der Umstände, der Realitätssinn sozusagen, wird hier zum Schlüssel für Anetas banges Hoffen auf Vergebung und einen Neuanfang außerhalb des monotonen Gefängnisalltags. Fein dosiert legt der Film nach und nach die Stationen ihres Weges und ihren inneren Kampf offen, gespiegelt in Helenas aufrichtigem Interesse. Im Zwiegespräch zwischen der gefassten kleinen Frau im Rollstuhl, die unter ihrer Mütze fast verschwindet, und der emotional pendelnden Pflegerin offenbart sich mehr als bloße Sympathie, vielleicht sogar eine gegenseitige Faszination.
Lars Meyer

Toto and His Sisters

Ernst sehen sie aus, die Gesichter der drei Geschwister, die in einem abgeschrammten Apartment im Roma-Getto von Bukarest leben. Die Mutter sitzt wegen Drogenhandels im Knast. Der Vater ist verschwunden. Der Onkel, der sich um die Kinder kümmern soll, verwandelt die Wohnung in einen Treffpunkt für die Junkies der Nachbarschaft und fixt ganz nebenbei seine Nichte an. Wer jetzt ein Roma-, Armuts-, Schrecklich-Porträt erwartet – gemach. Alexander Nanau, Emmy-Gewinner 2010, geht einer viel tiefer liegenden Frage nach: Wie durchbreche ich einen durch gesellschaftliche Marginalisierung vorgezeichneten Lebensweg?
Toto, der 10-jährige Benjamin dieser zerrissenen Familie, findet in einem Jugendhaus Zuflucht. Immer mehr Zeit verbringt er hier, wo sich ihm eine völlig neue Welt öffnet. Eine, die ihn willkommen heißt, fördert und durch Ausbildung einen Weg aus dem Albtraum weist. Für einen kurzen Moment scheint sich für die Kinder alles zum Besseren zu wenden. Doch dann schlagen die Verhältnisse zurück.
Nanau hat mit Toto einen stillen, aufgeweckten Helden gefunden und mit dessen 14-jähriger Schwester Andrea eine zunehmend selbstbewusste junge Frau, die Verantwortlichkeit fordert. Beide verkörpern eine Möglichkeit, dem vorgezeichneten Schicksal ein Schnippchen zu schlagen. Das macht aus „Toto şi surorile lui“, so düster er manchmal auch sein mag, einen überraschend hoffnungsvollen Film.
Matthias Heeder

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Storming Paradise + One Man Show Storming Paradise + One Man Show
  • Di 28.10. 20:00
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Storming Paradise + One Man Show

DOK Leipzig 2014

Niederlande + Polen 2014, OmeU, Dok, 99 min, Regie: Floor van der Meulen + Jakub Piątek

Storming Paradise
Es scheint, ihre Zahl wächst: die jener Männer, die ihre Heimat verlassen, um sich in einem der diversen Krisengebiete, in einem fremden Krieg zu bewähren. In einem fremden? Floor van der Meulen schaut genauer hin, nachdem sie vom Tod eines Niederländers in Syrien hört. Auch einige Jungs aus ihrer ehemaligen Nachbarschaft sind als Dschihadisten ausgezogen. Was treibt sie dazu, Familie und Freunde hinter sich zu lassen, um als Gotteskrieger gegen Assad zu kämpfen? Es sind „gute Jungs“, die ihren Weg gewählt haben, sagen die Freunde aus den niederländischen Hochhaussiedlungen entgegen der öffentlichen Meinung. An der türkisch-syrischen Grenze trifft die Regisseurin einen „Abu Gharib“ – „der Ausländer“ – genannten Kämpfer und lässt sich seine Geschichte aus erster Hand erzählen, in der George W. Bushs Krieg gegen den Terror ebenso vorkommt wie die Suche nach einem sinnvollen Lebensentwurf: „Das Tor zum Paradies steht weit offen.“
Der Film unternimmt einen Perspektivwechsel, wie er in den westlichen Medien selten zugelassen wird. Auf der Bildebene setzt er immer wieder die mit verwackelter Kamera eingefangenen Bombenhagel auf syrische Städte gegen die Klarheit erleuchteter Fenster im nächtlichen Delft. Doch wie in einem Vexierspiel bricht Floor van der Meulen die Perspektive erneut, wenn sie den Alltag zweier syrischer Kämpfer begleitet, die den fremden Dschihadisten nicht unbedingt vertrauen.
Lars Meyer

One Man Show

Marcin Sitek ist 33, Schauspieler, gut ausgebildet, talentiert, hoch motiviert, eloquent und gut aussehend. Es könnte losgehen, das Leben. Oder wenigstens die Karriere, wenigstens eine kleine Rolle, wenigstens dieser eine Auftritt. Stattdessen telefoniert er sich die Finger wund, lacht auf Bestellung bei Fernseh-Castings, spielt Winzigrollen in drittklassigen Filmen, reißt schlechte Witze als Stand-up-Comedian auf Hinterhofbühnen, strippt in zweifelhaften Etablissements und verdient sein Geld als Erntehelfer im Ausland.
Ein Jahr lang begleitet Jakub Piątek seinen Protagonisten. Ein Jahr voller großer Pläne und Erwartungen, das schließlich doch wieder auf einem norwegischen Feld endet. Und weil Marcin sich und sein Leben unablässig inszeniert, wird auch seine Geschichte eingebettet in eine Studiohandlung. Der große Solo-Auftritt, die One-Man-Show des strahlenden Helden – dessen Fassade im Licht der Scheinwerfer und unter den gnadenlosen Fragen und Anweisungen einer Stimme aus dem Off immer mehr bröckelt, bis er am Ende buchstäblich nackt und jenseits jeder coolen Attitüde vor uns steht.
So gelingt Piątek mittels einer wirklich innovativen Dramaturgie das so eindrucksvolle wie bittersüße Porträt jener Generation „Y“, „Praktikum“ oder „was mit Medien“ – die alles in den Händen hat und doch scheitert.
Grit Lemke

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Strip Life Strip Life
  • Mi 29.10. 16:00
    die naTo

Strip Life

DOK Leipzig 2014

Italien 2013, OmeU, Dok, 64 min, Regie: Valeria Testagrossa, Andrea Zambelli, Nicola Grignani, Alberto Mussolini, Luca Scaffidi

Ein junger Mann weckt seinen Bruder. Jemand arbeitet in seinem Garten. Ein paar Jungs machen gemeinsam Sport. Ein Fotograf macht Aufnahmen von einer Demonstration. Und wäre der junge Mann nicht für seinen Bruder verantwortlich, weil die Eltern verstorben sind, würden während der Gartenarbeit keine Schüsse ertönen, sähe man hinter den Sportlern keine Explosionen und säße der Fotograf nicht im Rollstuhl, weil ihm beide Beine amputiert wurden, könnte man es beinahe mit dem verwechseln, was wir Normalität nennen. Alles spielt sich ab im Gazastreifen, der wirkt wie eine Zwischenwelt. Eine Welt, in der es Supermärkte gibt, die bis oben hin vollgestopft sind, aber eben auch zuhauf Geschosssplitter am Strand. Der Film zeigt die Menschen von Gaza, die Anpassung an unmögliche Zustände, die Widersprüchlichkeit dieser Region und die Ruhe mitten im Sturm.

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The Agreement + Superior Orders The Agreement + Superior Orders
  • Mi 29.10. 20:00
    die naTo

The Agreement + Superior Orders

DOK Leipzig 2014

Dänemark + Ungarn/Serbien 2014 + 2013, OmeU, Dok, 105 min, Regie: Karen Stokkendal Poulsen + Viktor Oszkár Nagy, András Petrik

The Agreement

Wie sieht es aus und wie fühlt es sich an, wenn am Status Quo von Geschichte gerüttelt wird? Wie eine finstere Pokerrunde oder doch wie ein helles Meeting? Wird da informell freundlich getan oder fliegen die Fetzen? Und was ist mit Taktik? Sitzt man mit dem Rücken zur Wand oder besser zum Fenster? Und wie vorsichtig muss man bei der Wahl der Krawatte sein? Die dänische Filmemacherin Karen Stokkendal Poulsen wollte es genau wissen: Mit immenser Neugier und ebensolcher Zurückhaltung beobachtete sie den mehrwöchigen Endspurt der langen Verhandlungen zwischen Serbien und Kosovo im Jahr 2012.
Es geht um die sensible Befriedung eines schwelenden Konflikts oder besser: die langfristige Ebnung eines für beide Seiten gangbaren Wegs der friedlichen Nachbarschaft. Der komplizierte Dialog wird moderiert und geleitet von EU-Vermittler Robert Cooper. Die Kontrahenten sind Edita Tahiri, stellvertretende Ministerpräsidentin des Kosovo, und Borko Stefanović, Chefunterhändler Serbiens. Jeder der drei Hauptdarsteller agiert zugleich als Vertreter einer Sache wie auch als individueller Charakter. Nicht immer fügt sich beides restlos ineinander. Genaugenommen sind diese Akteure Schlüsselfiguren eines Dramas, das zwar nur sehr selten die Hauptbühne, also den Konferenzraum verlässt – und doch aufregender anzuschauen ist als manch weltumspannender Thriller. Instruktiv und bewegend. Direct Cinema at its best!
Ralph Eue


Superior Orders

Ein schwarzer Vogelschwarm wirkt wie mit Kohlestrichen in den grauen Himmel gesetzt. Kahle Äste strecken ihre Finger zu ihm herauf. In den Wiesen hängt Raureif. Die Natur ist Schauplatz eines menschlichen Dramas, das durchaus vermeidbar wäre. Denn sie markiert eine künstliche Grenze: die zwischen Ungarn und Serbien, Außengrenze der EU. Täglich versuchen Flüchtlinge aus Afrika und Asien, sie zu überwinden. Wie vielen von ihnen es gelingt, weiß niemand. Jetzt ist es Winter und die Natur ein feindliches Terrain. Ein serbischer Priester bemüht sich, die Flüchtlinge aufzuspüren. Er hilft mit Kleidung und Essen und macht sich damit strafbar. Auf der anderen Seite patrouillieren freiwillige Grenzwächter, die mit der Polizei zusammenarbeiten. Auch sie versuchen, jemanden aufzuspüren, während sie sich darüber austauschen, dass die Grenzen einmal sicherer waren.
Der Priester und die Zivilpatrouillen haben nur eins gemeinsam: Sie handeln aus Überzeugung, nicht, weil sie es müssen. Aus zwei Perspektiven blickt der Film auf die Grenzaktivitäten und offenbart den Bruch in der Wahrnehmung. Mit dem Priester blicken wir durch Sträucher in unwirtliche Verstecke, mit den Grenzern durch Fernrohre und Thermokameras auf kleine rennende Punkte. „Diese Leute kennen keine Hindernisse“, sagt einer der Wächter. Die, von denen die Rede ist, kämpfen derweil gegen das Erfrieren. Staatsgrenzen sind auch Kommunikationsgrenzen.
Lars Meyer

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The Dogwalker + The Auction House: A Tale of Two Brothers The Dogwalker + The Auction House: A Tale of Two Brothers
  • Fr 31.10. 14:00
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The Dogwalker + The Auction House: A Tale of Two Brothers

DOK Leipzig 2014

Schweden + Großbritannien 2014, OmeU, Dok, 100 min, Regie: Caroline Ingvarsson +

The Dogwalker
Einsamkeit kennt viele Namen, zum Beispiel den des ehemaligen schwedischen Schauspielers Lars-Gunnar, der hier gerade leger im Morgenmantel in einem bühnenreifen Monolog sein Leben Revue passieren lässt. An den Wänden seiner bescheidenen Neubauwohnung künden Plakate vom ehemaligen Ruhm in der Theaterwelt. Nun ist sein einziger Zuhörer ein Hund und sein größtes Vergnügen das genussvolle Rauchen. Es kristallisiert sich die Skizze eines Lebens heraus, in dem einer zwar in der Liebe gescheitert ist und keinen augenscheinlichen Erfolg verzeichnen konnte, sich aber immer konsequent den Konventionen verweigert hat. Ist das der Preis, den man im Alter zu zahlen hat? Lars-Gunnar hat Charisma und ist definitiv kein Langweiler. Seine Homosexualität erwähnt er ganz selbstverständlich und nur am Rande. Regisseurin Caroline Ingvarsson begleitet ihren Protagonisten einen Tag lang – und man ahnt, dass die Tage einander gleichen. Sie gibt ihm den Raum, den der Selbstdarsteller braucht. Geradeheraus schildert dieser Kurzfilm die Begegnung mit einem Tausendsassa, der stets auf Risiko spielte und einem Jim-Jarmusch-Film entsprungen sein könnte – kurzum: einer, der beeindruckt.
Cornelia Klauß

The Auction House: A Tale of Two Brothers

Das ist schon hart. Vierzig Jahre den Betrieb in Kalkutta am Laufen gehalten, während der Bruder in London ein hübsches Leben hatte – und dann das: der Ältere kehrt zurück und übernimmt die Geschäfte! Vom Großvater gegründet, ist das Auktionshaus „Russell Exchange“ schwer in die Jahre gekommen. Profit hat „Little Boss“ Arshad schon lange nicht mehr gemacht. Das soll sich nach dem Willen von Anwar ändern. Mission: den Laden ins 21. Jahrhundert führen. Damit ist der Rahmen gesteckt für eine Geschichte, in der Geschäftskonzepte und Lebensentwürfe heftig aufeinanderprallen. Nach den Erfahrungen von „Little Boss“ kann jedes Ding verkauft werden. „Falsch! Sage das niemals wieder! Von der Reißzwecke bis zum Auto – Ja! Socken und Schuhe – Nein!“ Und dann, vernichtend: „Wir in Europa …“. Was unter anderen Vorzeichen zu einer veritablen Krise führen könnte, löst der indisch-islamische Händlerclan nach den Regeln familiärer Hierarchien. Der Jüngere fügt sich, so wie damals, als der Vater den Bruder nach London schickte und für ihn, ungefragt und ungewollt, nur der Familienbetrieb blieb. „Wenn ich könnte, wie ich wollte!“ Diesen Stoßseufzer hören wir öfter – und doch: Die Geschäfte laufen besser als je zuvor. So finden die beiden ihren Frieden miteinander, dessen Grundlage, wie kann es anders sein, ein florierendes „Russell Exchange“ ist, das ihre Kinder einmal übernehmen werden. Hoffentlich.
Matthias Heeder

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The Lost Highway The Lost Highway
  • 2.11.2014
    die naTo

The Lost Highway

DOK Leipzig 2014

Kanada 2013, engl. OF, Dok, 74 min, Regie: Derreck Roemer, Neil Graham

Dieser „Lost Highway“ ist ein 40 Kilometer langes Stück des Trans-Kanada-Highways im östlichen Ontario. Er ist auch Teil des Highway 7, der Toronto mit Ottawa verbindet. Die Straße wurde während der Großen Depression in den 1930er Jahren gebaut – vielleicht war das ja schon ein Omen. Zuerst war sie eine Job-Maschine. Die erste große Ost-West-Schneise durch die Wälder und Moore zog Motel- und Restaurantbetreiber hierher, und jeder Tankstellenbesitzer konnte auf bescheidenem, aber halbwegs sicherem Niveau seine Familie ernähren. Doch die Blütezeit dauerte nur zwei Jahrzehnte. Heute gibt es eine mehrspurige Autobahn, die wie ein Bypass wirkt und die ehemals belebte Landstraße dazu verdammt, nur noch Krampfader zu sein. Wenn heute jemand über das Asphaltband rollt, sieht er an den Straßenrändern verlassene Häuser, Geschäfte und Tankstellen – langsam verfallende, gerade noch sichtbare Spuren früheren Lebens, gescheiterter Pläne und enttäuschter Hoffnungen.
Derreck Roemer und Neil Graham erzählen von den Lebensgeschichten eines versprengten Haufens übriggebliebener Bewohner dieses Landstrichs, aber auch von den Mutationen und Kollateralschäden, die von Kultur und Ideologie der Automobilität gern unter den Tisch gekehrt werden.
Ralph Eue

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The Term The Term
  • Di 28.10. 22:15
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The Term

DOK Leipzig 2014

Russland/Estland 2014, OmeU, Dok, 87 min, Regie: Pavel Kostomarov, Aleksandr Rastorguev, Aleksej Pivovarov

Dies ist DER Film über die Opposition gegen Putins Russland. Einer der Regisseure, Pavel Kostomarov, wurde während seiner Entstehung durchsucht, etliche der Protagonisten saßen in Untersuchungshaft, einige sind verurteilt. Die dutzenden Kameras, die zu dem Mitte Mai 2012 gestarteten Online-Clip-Projekt beitrugen, auf dem der Film basiert, sind vor Ort, wenn fast sämtliche Anführer der Proteste gegen die Regierung festgenommen werden. Nur Herr Belov‚ der Weiße, bleibt ungeschoren, wenn er den Nazi-Mob zu „Lang lebe Anders Breivik“-Schlachtgesängen treibt. Da ist einmal Ksenija Sobčak, Politiker-Tochter, Ex-Putin-Patenkind, Talkshow-Masterin und vieles mehr, die trotz Glamour zur Repräsentantin der gemäßigten liberalen Intelligenzija taugt. Da ist Aleksej Naval’nyj, der trotz massiver Neigung nach weit rechts unzählige Anhänger um sich schart. Da ist Sergej Udal’cov, linksextremer Frontmann. Oder Petr Verzilov, Gatte von Pussy-Riot-Nadja und nunmehr „best friend“ von Madonna und Yoko Ono.
Sie alle nehmen mit ihrem Auftreten eine „Frist“ in Kauf. Eine „Frist“ ist es aber auch, die mit dem wiederholten Amtsantritt Putins als Präsident eingesetzt hat – die entscheidende sogar, wie sich zeigt, was den Aufstieg und Niedergang des bürgerlichen Widerstands gegen die Autokratie betrifft. Während der Zar, von „maîtres“ wie Depardieu beklatscht, seinen „thrill on Blueberry Hill“ besingt …
Barbara Wurm

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Walls + Penthouse North Walls + Penthouse North
  • 2.11.2014
    die naTo

Walls + Penthouse North

DOK Leipzig 2014

Spanien + Schweden 2014, OmeU, Dok, 95 min, Regie: Miguel López Beraza + Johanna St Michaels

Walls Eine angenehme männliche Stimme ersucht auf dunkler Leinwand um Nachsicht. Der Sprecher sei nicht das, was man sich vielleicht vorstellt: Ein Haus in Budapest, das schon, aber leider nicht eines dieser prächtigen Bürgerhäuser aus der Zeit der vorletzten Jahrhundertwende. Stattdessen: ein unspektakulärer dreigeschossiger Flachdachbau, der über sich selbst erzählt und doch gleich zurücktritt, denn das, was ihn ausmache, seien doch die Leute, die ihn bewohnen. Besondere Sympathie hegt er für zwei von ihnen, nämlich den 92-jährigen Herrn István, der immer noch rüstig ist und ohne Brille liest, sowie die auch nicht mehr ganz junge Frau Magdi, eine vortreffliche Köchin alter Kronländer Hausmannskost.
Eine Stimmung von Abschied durchweht diese melancholisch in sich selbst ruhende Reminiszenz an den Gott der kleinen Dinge. „Der Gott der kleinen Dinge“, schrieb Arundhati Roy in ihrem gleichnamigen Roman von 1997, „hinterlässt keine Spuren im Sand, keine Wellen im Wasser, kein Abbild im Spiegel. Er ist der Gott dessen, was verloren geht, der persönlichen und alltäglichen Dinge, nicht der Gott der Geschichte, der die kleinen Dinge grausam in ihren Lauf zwingt.“
Ralph Eue

Penthouse North
Mit 62 sollte frau/man die Schäfchen ins Trockene gebracht haben. Allein schon, um den Anfeindungen des Alters finanziell gewachsen zu sein. Aber wenn sich das Leben so verführerisch anbietet wie im New York der 1970er Jahre – wer mag da schon an alt und schwach denken? Agneta Eckemyr war 20, als sie in die Stadt kam: ein blonder schwedischer Männertraum, entschlossen zur Karriere als Model und Schauspielerin. Mit Erfolg. Doch dann zerbröselte der Glückschip irgendwie in der Realität dieser harten Stadt. Was blieb, ist ein Penthouse am Central Park. Und hier liegt ihr Problem. Das Apartment ist reine Illusion. Die Adresse signalisiert Erfolg, wo keiner ist. Es existiert auch kein Einkommen, um die Miete zu bezahlen. Umso hartnäckiger kämpft der Ex-Star um diesen Rest des alten Lebens. Allerdings lassen ihre Kräfte allmählich nach. Agneta wird immer stärker abhängig von Freunden, die ihr finanziell unter die Arme greifen, im Haushalt helfen und sie vergeblich davon zu überzeugen suchen, das Apartment aufzugeben. Ihr Widerstand allein gegen den Gedanken daran erklärt sich erst später als Beginn einer Alzheimer-Erkrankung.
Ursprünglich plante die Regisseurin die Verfilmung eines autobiografischen Drehbuchs, das Agneta geschrieben hatte. Entstanden ist ein berührender Film über die Vergänglichkeit der Schönheit, das Älterwerden in Armut, über Freundschaft und Solidarität.
Matthias Heeder

Kartenreservierung können ausschließlich über die Ticketkassen in allen DOK-Kinos und im Museum der bildenden Künste vorgenommen werden. Telefonische Reservierungen oder Reservierungen über unsere Homepage sind nicht möglich. Reservierte Tickets verfallen 1,5 Stunden vor Vorstellungsbeginn automatisch.


Weitere Informationen zu Walls + Penthouse North

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