Cinémathèque Leipzig - Archiv

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Das Archiv

zeigt alle Filme an, die seit 1998 im Programm der Cinémathèque Leipzig (vormals AG Kommunales Kino) zu sehen waren.

Möglich ist die Suche nach Film- oder Reihentitel.

Rechercheanfragen können uns gern auch per Email erreichen.

Wir bitten um Beachtung des Umstands, dass wir die gelisteten Filme nicht im Besitz haben und demzufolge auch nicht verleihen können.

 

 

  • Di 19.03. 20:00
    die naTo
  • Mi 20.03. 20:00
    die naTo

Wo liegt der Mond?Tsuki wa docchi ni deteiru

Nippon Independent Cinema

Japan 1993, OmU, 109 min, Regie: Yoichi SAI
mit Goro Kishitani, Moeko Ezawa, Rubi Moreno

Dialogausschnitt: "Ich hasse Koreaner, sie sind schmutzig, sie stinken und sind geizig, aber du scheinst in Ordnung zu sein, ich mag dich... also leih mir Geld."
Der Tokioter Taxifahrer Kang Chung Nam, ein liebeshungriger junger Koreaner, hat wenig Ambitionen - es sei denn, der philippinischen Barhostess Connie nachzustellen. Mit Nonchalance, amüsiert, zuweilen gelangweilt betrachtet er die Dramen, die sich um ihn herum abspielen: Sein (koreanischer) Chef will einen Golfplatz kaufen, verliert jedoch all sein Geld an die Yakuzas. Seine Mutter, Barbesitzerin, diskriminiert ihre ostasiatischen Hostessen und schickt aus Patriotismus Pakete nach Nordkorea. Ein Iraner wird von der Polizei verprügelt und abgeschoben, ein Kollege, den seine Frau verlassen hat, muß allein für den Säugling sorgen... Eine bunt zusammengewürfelte, etwas verrückte Gesellschaft von Ausländern, die einerseits durch Japaner schikaniert werden, sich andererseits gegenseitig übers Ohr hauen, solange es um die eigenen Interessen geht.
Regisseur Sai (Jahrgang 1949) verfilmte die Novelle "Taxi-Rhapsodie" des in Osaka geborenen Koreaners Yang So Gil, als das Thema endlich im japanischen Kino "möglich" wurde. Voller Sympathie für seine Figuren - die alles andere als Helden sind - balanciert sein Streifen zwischen Traurigkeit, Tragik und (oft schwarzem) Humor, frei von Moralin, aus authentisch-multikultureller Perspektive, ein wenig andeutend, daß Japaner sich zu sehr mit Identität oder Nationalität herumquälen. Die japanische Presse meinte: "Politisch wach, völlig unsentimental... Mitte der 90er auf jeden Fall brisant genug, um den Blutdruck von Regierungsmitgliedern zu erhöhen." Am Ende bleibt freilich keine Lösung des Rassismus-Problems, sondern einfach die herzzerreißende Love story zwischen Chung Nam und Connie Moreno, umrahmt von den Neonröhren der Tokioter Unterwelt, ewig bedecktem Himmel, psychodelischen Pachinko-Spielhöllen und verdreckten, wunderschönen Straßen. (Beinahe alle Schauspieler waren übrigens Japaner.)

Lief zuletzt im Mrz 2002