Cinémathèque Leipzig - Archiv

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Das Archiv

zeigt alle Filme an, die seit 1998 im Programm der Cinémathèque Leipzig (vormals AG Kommunales Kino) zu sehen waren.

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Çürük - The Pink Report Çürük - The Pink Report
  • 9.07.2016
    die naTo

Çürük - The Pink Report

CSD Leipzig

BRD 2011, OmU, Dok, 75 min, Regie: Ulrike Böhnisch

ÇÜRÜK - THE PINK REPORT lässt vier junge homosexuelle Männer von ihren Erfahrungen mit dem türkischen Militär und ihrer Ausmusterung erzählen; eine intime Begegnung und bewegende Geschichten zwischen institutionalisierter Gewalt, panischer Angst und dem Wunsch nach Anerkennung in einer Gesellschaft, die sie als krank, faul, verdorben – çürük – bezeichnet. Dabei wird deutlich, dass der Ausmusterungsprozess trotz seines menschenverachtenden Regelwerks zum "Beweis" der Homosexualität als "psychosexuelle Störung" für viele Betroffene das kleinere Übel darstellt – Horrorgeschichten von grausamen Massenvergewaltigungen beim Militär kursieren aktiv in der türkischen Schwulenszene.

In der Türkei, wo noch immer die Wehrpflicht für alle volljährigen Männer gilt, sieht das Militär Homosexualität wird als »psychosexuelle Störung« an. Homosexuelle Männer können daher bei der Musterung einen Antrag stellen, sich im Militärkrankenhaus untersuchen zu lassen. Wenn der Psychiater einen Betroffenen auf Grund seiner Homosexualität als "psychosexuell gestört" diagnostiziert und die Kommission die Diagnose anerkennt, wird die Person ausgemustert. Die Militärärzte sind verpflichtet, Antragssteller auf ihre Homosexualität hin zu untersuchen. Dazu benutzen sie nicht nur den bei psychischen Störungen weltweit eingesetzten MMPI-Persönlichkeitstest, sondern bedienen sich auch weiterer Diagnosemethoden. Zweifelt der Psychiater an der Homosexualität der Antragssteller, werden Analuntersuchungen und pornografische Fotos als Beweismittel hinzugezogen. Auch für die Beweisfotos gelten klar formulierte Regeln, nach denen der Auszumusternde beim passiven Analverkehr abgelichtet wird und neben dem Akt auch sein Gesichtsausdruck zu erkennen sein muss. Schließlich gilt nur als "gey", wer passiv ist, der aktive Partner hingegen gilt nach wie vor als heterosexuell.

So behandelt der Film nicht nur Homophobie, Menschenrechtsverletzungen in der Türkei, die Rolle des Militärs dabei und die Grenzen der Meinungsfreiheit, sondern thematisiert außerdem den schwierigen Begriff von "Männlichkeit" und die damit verbundenen Vorstellungen.

Eintritt: 6,50 EUR / 4,50 EUR ermäßigt


Weitere Informationen zu Çürük - The Pink Report

Lief zuletzt im Juli 2016