Cinémathèque Leipzig - Archiv

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Das Archiv

zeigt alle Filme an, die seit 1998 im Programm der Cinémathèque Leipzig (vormals AG Kommunales Kino) zu sehen waren.

Möglich ist die Suche nach Film- oder Reihentitel.

Rechercheanfragen können uns gern auch per Email erreichen.

Wir bitten um Beachtung des Umstands, dass wir die gelisteten Filme nicht im Besitz haben und demzufolge auch nicht verleihen können.

 

 

  • 9.04.2003
    die naTo

MfS - Alltag einer Behörde

Leipzig-Premiere

BRD 2002, 90 min, Regie: Christian Klemke, Dok, Jan. N. Lorenzen

Vor Holzpaneelen und Ostblock-Schrankwandfolklore, jeweils eingesponnen in ihren (von außen nur mühsam erträglichen) Kokon aus Selbstgerechtigkeit, schwärmen sie von der Faszination ihres "operativen Lebens": Gerhard Neiber, Willi Opitz, Wolfgang Schmidt und weitere ehemalige "MfS-Führungskräfte", Männer, die ihre besten Jahre in mehrfacher Hinsicht hinter sich gelassen haben. Heute nur noch lebendig im Museum ihrer eigenen Erinnerung. Selbstkritische Reflexion über die Maschinerie, deren bestens funktionierendes Rädchen sie waren, findet nicht statt, im Gegenteil. Die Unbekümmertheit, mit der die Ex-Geheimpolizisten von ihren Methoden und Strukturen berichten, offenbart ungeschminkt die autoritäre Monstrosität und den Zynismus des DDR-Machtapparats - am Weltbild der einzelnen Täter-Psychologie, an ihren völlig unverarbeiteten Winkelzügen zwischen Repression und Opportunismus.
Die Filmemacher Klemke und Lorenzen verzichten bewußt auf simple Schuldzuweisung per Fragestellung oder Kommentar, auch die Gegenargumentation der Opferseite bleibt außenvor - teilweise wohl zu deren Erschrecken. Erhellend widerwärtige Stasi-Lehrfilm- und Überwachungs-Dokumente aus dem Archiv der Gauck-Behörde illustrieren, was viele beinahe vergessen hatten, weil es nicht zu "verdauen" oder gar zu "verzeihen" ist. Ein streitbarer und wichtiger Film.

Lief zuletzt im April 2003