Cinémathèque Leipzig - Archiv

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Das Archiv

zeigt alle Filme an, die seit 1998 im Programm der Cinémathèque Leipzig (vormals AG Kommunales Kino) zu sehen waren.

Möglich ist die Suche nach Film- oder Reihentitel.

Rechercheanfragen können uns gern auch per Email erreichen.

Wir bitten um Beachtung des Umstands, dass wir die gelisteten Filme nicht im Besitz haben und demzufolge auch nicht verleihen können.

 

 

frontier / split-screen #7 "Zeit (Teil 2)" frontier / split-screen #7 "Zeit (Teil 2)"
  • 2.03.2009
    Skala

frontier / split-screen #7 "Zeit (Teil 2)"Eye Blink + Shoah

diverse , OmU, 566 min, Regie: Yoko Ono, Claude Lanzmann

FRONTIER - eine Veranstaltungsreihe in Zusammenarbeit mit der Skala Leipzig
Konzeption: Sven Wörner

SPLIT-SCREEN ist ein ungefähr 14-tägiger, thematischer Filmabend als Teil der Reihe FRONTIER in der Skala, das versucht, in mehrfacher Hinsicht die Grenzen zwischen Film und Theater, Zuschauer und Akteur, Konsument und Produzent zu überschreiten. Wir rühren in der Ursuppe von Theater und Kino und haben hierzu als zentrale Koordinaten und Programmpunkte Sprache, Position, Zeit, Bühne, Fiktion, Schnitt sowie Objektiv gewählt.

FRONTIER, das ist die gemeinsame Grenze von Film und Theater, die durch die Bühnenkante, die Leinwand und die Position des Betrachters definiert wird. FRONTIER ist, als Veranstaltungsreihe, ein angebotenes Experimentierfeld für Besucher und Veranstalter, um die wechselseitigen Durchdringungen dieser Grenze zu erkunden.

ZEIT (Teil 2)

Das schmerzhaft langsame Verstreichen der Zeit, das Verfliegen einer Generation im Augenblick, warten, wirkliches warten und konfektionierte Leinwandlebenszeit mit technisch bedingter Wiederholungsgarantie eines möglichen identischen Ablaufs. Abgeschnittene (historische) Zeit durch Genozid, millionenfaches Lebensende, eine kulturelle Supernova. Die Bedeutung eines Augenblicks - 35 Sekunden. Entscheidungszeit.
Wenn Bühne und Leinwand eine gemeinsame Bürde haben, dann wohl diese: das Versprechen abverlangt zu bekommen, das, wie lang auch immer die Vorstellung dauern möge, die darauf folgende an die mit Vorstellungsbeginn unterbrochene Zeit verschiebungsfrei anknüpfen möge.
Zeit wird als relevanter Teil der Wahrnehmung in der Regel mißachtet. Dabei ist doch jedes Spiel Bildzeit in Echtzeit: somit spiegelbildliche Lebenszeit.

Eye Blink
USA 1966, Yoko Ono, 35 sec, ohne Dialog
Zumeist geschieht in den Filmen von Yoko Ono "nichts weiter" außer dem Vergehen eines Stückchen Zeit gesehen duch ein "objektives" (Kamera) und ein "subjektives" (Zuschauer) Auge. Aktivität geschieht — wenn überhaupt — in der Dauer eines "ordinären" Moments, wie in EYE BLINK. Wir sehen ein sich öffnendes Auge, das uns schlußendlich ansieht, von Peter Morore mit einer highspeed-Kamera gefilmt und uns entsprechend in slow-motion entgegentretend. Nicht nur das das Film-Auge durch das Kamera-Auge gefilmt dem Zuschauer-Auge mit dem Abbild der momentanen eigenen Aktivität begegnet, nein, im Augenblick des verlangsamten "Augenblicks" wird uns auch die Zeitlichkeit unserer Wahrnehmung und unseres Handelns bewußt.

Im Zusammenspiel mit SHOAH wird die Parallele zum — in historischen Dimensionen gemessen — Augenblick der Auslöschung millionenfachen Lebens in wenigen Jahren, zum Verschwinden eines essentiellen kulturellen Bestandteils unserer Welt und zum unwiderrufbaren Durchtrennen des Zeitflusses unter dem Zeichen unermesslichem Leids aufgerufen.

Shoah
Claude Lanzmann, USA 1985, 566 min OmU
"SHOAH basiert ganz und gar auf der Abwesenheit von Spuren. Die Nazis haben nicht nur die Juden vernichten wollen, sondern die Vernichtung selbst, i.e. die Spuren des Verbrechens beseitigen, und zwar bereits bei seiner Ausführung. Es ist der verrückteste Versuch einer Vernichtung von Geschichte. ... Ich habe einen Film gemacht, der buchstäblich von Nichts ausgeht, von Orten, die sich ganz und gar verändert haben und zugleich andauern ... SHOAH ist ein Film über den Tod, nicht über das Überleben. Es gibt darin keinen einzigen Überlebenden, es gibt allenfalls Wiedergänge, die fast schon im Jenseits über dem Boden des Krematoriums schwebten und zurückgekommen sind. Diese Menschen sagen niemals 'ich', sie erzählen nicht ihre eigene Geschichte. Sie sagen 'wir', weil sie für die Toten mitsprechen. ... Der Film setzt sich nicht aus erinnerungen zusammen. Erinnerungen ... sind schwach. Der Film hebt jegliche Distanz zwischen Vergangenheit und Gegenwart auf ..." (Claude Lanzmann)

Lief zuletzt im Mrz 2009