Cinémathèque Leipzig - Archiv

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Das Archiv

zeigt alle Filme an, die seit 1998 im Programm der Cinémathèque Leipzig (vormals AG Kommunales Kino) zu sehen waren.

Möglich ist die Suche nach Film- oder Reihentitel.

Rechercheanfragen können uns gern auch per Email erreichen.

Wir bitten um Beachtung des Umstands, dass wir die gelisteten Filme nicht im Besitz haben und demzufolge auch nicht verleihen können.

 

 

FAKE 6! Life is stranger than Fiction FAKE 6! Life is stranger than Fiction
  • 5.11.2006
    die naTo

FAKE 6! Life is stranger than Fiction

49. Internationales Leipziger Festival für Dok- und Animationsfilm

D/USA/GB , 80 min, Regie: vier Filme

Finow
Susanne Quester, D 2002, 7min
Finow ist ein unabhängiger Waldstaat am Ufer eines reißenden Stroms. Seine Bewohner ernähren sich hauptsächlich von Bananen, sehen aus wie Kinder und bauen von früh bis spät Gerüste. Um die letzten Geheimnisse von Finow zu erfahren, macht sich ein Team aus Ethnographen und Filmemachern auf, um die Ureinwohner in ihrem Alltag zu begleiten und ihre Rituale und Handlungsweise sehr genau zu beobachten. Doch die Anwesenheit der Wissenschaftler bleibt nicht unbemerkt, so dass diese schließlich vor der Frage stehen, wie ihre Dreharbeiten den weiteren Fortgang der Dinge beeinflussen und welche Verantwortung sie für das Überleben dieser bedrohten Kultur haben. Mit ihrem amüsanten und originellen Film gelang Susanne Quester noch in der Filmhochschule ein ironischer und sehr pointierter Seitenhieb auf den ethnographischen Dokumentarfilm.


The Girl Chewing Gum
John Smith, GB 1976, 12min
"The Girl Chewing Gum" ist ein aus nur zwei Einstellungen bestehender Kurzfilm, der eine wuselige Straßenszene im London East End der 70er Jahre zeigt. Der Regisseur dirigiert in einem autoritären Ton Passanten und Autos, die aus allen Richtungen über eine belebte Kreuzung strömen. Wie ein überengagierter Big Brother scheint der unsichtbare Sprecher nicht nur alles zu sehen, sondern auch jede kleinste Bewegung seiner Protagonisten zu bestimmen. Nach und nach wird die Beziehung zwischen Bild und Kommentar jedoch immer unklarer, die Regieanweisungen gleiten zunehmend ins Absurde ab und ein leiser Zweifel an der Allmacht des Regisseurs beginnt sich seinen Weg zu bahnen ...

Living a Beautiful Life
Corinna Schnitt, D/USA 2003, 13min
Corinna Schnitt hat "Living a Beautiful Life" einen Ausschnitt aus dem DEFA-Film "Der Katzenprinz" (1978) vorangestellt, in dem nackte Kinder gemeinsam mit zahmen Tieren in einem Paradies ohne Gewalt und Mangel leben. Nach dieser Exposition einer naiven Vorstellung der perfekten Gesellschaft stellt der Film ein gut aussehendes kalifornisches Ehepaar vor, dessen Leben in einer stilvollen Villa dieser Perfektion ziemlich nahe zu kommen scheint. Wirklich alles, vom Haus über den Job, die Kinder, die Beziehung und die Autos passt erbarmungslos gut zusammen und genügt den höchsten Ansprüchen. Sie berichten abwechselnd in die Kamera, dass sie all das haben und all das sind, was sich andere nur ersehnen und präsentieren ihr Leben als so perfekt, dass sprichwörtlich nichts mehr zu wünschen übrig bleibt. Diese erschöpfende Litanei des totalen Glücks ist kaum zu ertragen, schon bald beginnt man sich nach einem Bruch in diesem traumhaften aber hermetischen System zu sehnen. Als Quelle für den Text des Films dienten die gesammelten Antworten amerikanischer Schüler auf die Frage nach der Essenz eines schönen Lebens, die Corinna Schnitt ihren Darstellern in den Mund legte.

Karma Cowboy
Sonja Heiss, Vanessa van Houten, D 2001, 43min
"Die meisten von uns haben nur zwei oder drei wirklich interessante Momente im Leben, der Rest ist Füllmenge. Und am Ende des Lebens hätten die meisten von uns Glück, wenn einige dieser Momente zusammenpassten und zu einer Geschichte würden ..." (Douglas Coupland)
Sonja Heiss und Vanessa van Houten erzählen in ihrem halbfiktionalen Dokumentarfilm von solchen Biographien. Sie machten sich ohne Script, mit einem kleinen Team und einer handlichen DV-Kamera auf die Suche nach Geschichten aus der amerikanischen Provinz und begegneten allein erziehenden Taxifahrerinnen, Stripperinnen und Musikern - allesamt Randexistenzen und Underdogs der amerikanischen Gesellschaft. Die Regisseurinnen ließen ihnen den Raum, von sich zu erzählen, fragten nach Träumen, Ideen und Ängsten. Verbunden wurden die disparaten Lebenslinien schließlich mit einer fiktiven erzählerischen Klammer: der Suche nach dem verschwundenen Jerry Davis. Nur dieser gesichtslos bleibende Fremde verbindet die einsamen Nomaden im Film. In Wirklichkeit hat es Jerry nie gegeben, trotzdem oder gerade deshalb ist er die abwesende Hauptfigur in einem Fake, der auf faszinierend leichtfüßige Weise einen Blick auf die andere Seite des amerikanischen Traums wirft.

Lief zuletzt im November 2006