Cinémathèque Leipzig - Archiv

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Das Archiv

zeigt alle Filme an, die seit 1998 im Programm der Cinémathèque Leipzig (vormals AG Kommunales Kino) zu sehen waren.

Möglich ist die Suche nach Film- oder Reihentitel.

Rechercheanfragen können uns gern auch per Email erreichen.

Wir bitten um Beachtung des Umstands, dass wir die gelisteten Filme nicht im Besitz haben und demzufolge auch nicht verleihen können.

 

 

Rang de Basanti Rang de Basanti
  • 9.11.2006
    die naTo
  • 10.11.2006
    die naTo
  • 12.11.2006
    die naTo

Rang de BasantiDie Farbe der Rebellion

Bollywood Corner

Indien 2006, OmU, 155 min, Regie: Rakeysh Omprakash Mehra
mit Aamir Khan, Alice Patten, Soha Ali Khan, Siddarth

Sozusagen im Neo-Bollywood-Format und unübersehbar auch für ein junges, westliches Publikum gestrickt, erzählt RANG DE BASANTI vom Wandel gutsituierter, partyfixierter Burschen aus dem heutigen Delhi zu patriotischen Revolutionären im Geist der frühen indischen Unabhängigkeitsbewegung. Sue, eine junge Londoner Journalistin, startet vor Ort Dreharbeiten über die damaligen Ereignisse. Sie spricht perfekt Hindi - zum Erstaunen der jungen Inder, und für sie ist Indien einfach "Liebe auf den ersten Blick". Sue begegnet vier Freunden, darunter dem charismatischen Langzeitstudenten DJ (Aamir Khan aus LAGAAN), die die Rollen der legendären Rebellenführer übernehmen sollen.
Doch die Jungs unterstützen ihr "altmodisches" Projekt nur zögernd. Als Vertreter einer Generation, die mehr von Konsum als von ideellen Werten bestimmt wird, kennen sie die Vorstellung, das eigene Leben für seine Ideale zu geben, nur aus Lehrbüchern. (erste Hälfte des Films: Tanzen am Strand, Motorradjagden, Kampftrinken usw.) Doch Sue will eigentlich das Tagebuch ihres Großvaters verfilmen - und stellt in ihrem Dokudrama "The Young Guns of India" die überdrehten Studenten ("Unser Heimatland ist ein Scheißhaus") gegen die feierliche Revolution der Großväter: "Meine Gebete hören nicht auf, bis mein Land frei ist..."
Ein tragischer Zwischenfall mit vermutlich politischem Hintergrund lässt dann alle aus ihrer Gleichgültigkeit erwachen, führt zur entscheidenden, sprunghaften Wendung -nicht nur der Party-Studenten, auch der Filmdramaturgie. Die Freunde wittern Korruption und Verrat, wollen gegen das "System" rebellieren, rechtfertigen den blutigen Gegenschlag als patriotisches Erwachen - ja woraus, aus spätpubertärem Hedonismus? Zwei kaltblütige Morde, dokumentiert von Sue's Videokamera, stehen plötzlich neben den Sepia-gefärbten Bildern der indischen Unabhängigkeitskämpfer aus den 20ern. Das verständliche soziale Anliegen des Regisseurs (Wohin geht die ziellose indische Jugend im neuen Jahrtausend?) läßt in seiner trivialen Verkürzung die Music-Videoclip-Herkunft überdeutlich erkennen. Doch kalt lassen wird die inszenatorische Wucht der Tragödie keinen Zuschauer.
Der ebenfalls überdurchschnittliche Soundtrack stammt übrigens von A.R. Rahman (DIL SE).

Lief zuletzt im November 2006