„Blicke, Risse, Geschichte“ – Fachklasse Expanded Cinema, HGB Leipzig

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„Blicke, Risse, Geschichte“ – Fachklasse Expanded Cinema, HGB Leipzig
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Die eigene Wohnung ist im Jahr 2020 aufgrund der Covid-19-Pandemie zu einem Ort geworden, auf den viele noch stärker zurückgeworfen sind, als sie es sowieso schon waren. Wenn die Wohnung zur Falle wird, muss man sie neu betrachten, Reißaus nehmen oder in der Fantasie neue Welten schaffen. Der Erinnerung kann man dabei nicht entkommen. Dieses Programm handelt von solchen Bewegungen des Geistes, die vom Privaten ins Öffentliche streben. Es beginnt in einer Wohnung in Halle Neustadt, in den engen Grenzen einer Beziehung, bewegt sich über Szenen des Alleinseins in die Erinnerung von gesellschaftlichen Massen: Gestern am Checkpoint Charlie, wo Tourist*innen Geschichte suchen, Vorgestern in Leipzig, das Vaterland im Sozialismus dekonstruierend. Die Filme sind in den letzten Jahren in der Klasse Expanded Cinema an der HGB Leipzig entstanden und wurden thematisch ausgewählt. Vom klassischen Kurzfilm bis zum ausgezeichneten Experimentalfilm ist alles dabei. Weitere Informationen zu den Künstler*innen gibt es auf der Website www.excine.net. Dauer: insgesamt 60 Minuten.

UMRISS

Stefania Smolkina, 2019, Experiment
In dem Bemühen, eine Konfliktsituation für ihren Mann zu lösen, trifft Tanja auf Seydou. Die beiden sind Fremde in einem fremden Land, geprägt von unterschiedlichen Kulturen und Anliegen. Ihre Annäherung entfaltet eine Geschichte über Emanzipation, Identität und Sehnsucht nach einem eigenen Ort.

SMALL WILD PLANTS AND THINGS I DON'T KNOW

Ayala Guy, 2020, Animation
Eine kurze animierte Reise durch den Zustand der Isolation. In dem Maße, wie die Außenwelt mehr fremd als verständlich wird, entziehen sich die inneren Strukturen der Sprache, des Selbst, des Existenten ihrer Bedeutung. In diesem Moment bietet sich die Gelegenheit für einen (fast) unvermittelten Blick durch die Welt der Sinne.

ISOLATION

Ingmar Stange, 2020, dokumentarisches Essay
Ich befinde mich in einer Krise. Zuneigung, Gemeinsamkeit und bestehende Verhältnisse sind durch einen Beziehungsbruch zerstört. Plötzlich kommt der einschneidende Anruf vom Gesundheitsamt und die Ansage: Quarantäne. Eingesperrt zu Hause ohne Kontakt – allein. Auf einmal wird die Wohnung immer fremder, das Vertraute zum Feind.

FAIR GROUNDS

Minhye Chu, 2019, dokumentarische Form
Ein Arbeiter nimmt eine Metallkonstruktion auseinander. Er demontiert jede Stange einzeln, zerlegt die Konstruktion Stück für Stück. Ein Prozess, der acht Stunden dauert, nachts stattfindet, und normalerweise unsichtbar bleibt. In großer Höhe setzt der Arbeiter seinen Körper aufs Spiel. Trotz normierter Arbeitswelt gibt es keine Maschine, die ihn ersetzen kann.

REJIGGING NEST IN DIARIES

Alexander Göbel, 2020, Kurzfilm
Die Geschichte spielt in einem der architektonischen Vorzeigeprojekte der DDR, Leipzig-Grünau. Nach der Auflösung der DDR legten die kulturellen und sozialen Folgen des Ereignisses eine neue Schicht auf die Architekturlandschaft. Diese Schicht bedeckte das alte Gesicht von Grünau – und legte sich auch über die Tagebücher des Filmemachers.

CHECK OUT CHECKPOINT CHARLIE

Benedict Reinhold, 2017, dokumentarische Form
CHECK OUT CHECKPOINT CHARLIE zeigt Menschen auf der Suche nach der Gegenwärtigkeit von Geschichte. Seit dem Fall der Berliner Mauer 1989 ist der ehemalige Grenzübergang Checkpoint Charlie  zum internationalen Tourismusziel geworden. Hier ereignet sich Geschichte zweimal: das eine Mal als Tragödie, das andere Mal als Spektakel.

ENTITY

Julie Hart, 2020, Experiment
Die Entität verhandelt über die Facetten zwischen Einheit, Masse und Ideologie. Aus der DDR stammendes Filmmaterial vom Turn- und Sportfest Leipzig 1969 wird dekonstruiert. Durch die Manipulation des Filmmaterials kann der*die Betrachtende beobachten, wie das Individuum die einzelnen Fraktale (Farbtafeln) umdreht, die das Wort "Mein Vaterland" darstellen.

Online
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