DOK Leipzig 2017

<< Oktober 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 heute morgen 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 >>

02.10. Montag

20:00Schule, Schule - Die Zeit nach Berg Fidel
22:00Dunkirk

03.10. Dienstag

19:30Das grüne Gold
22:00Dunkirk

04.10. Mittwoch

20:00Dunkirk
22:00Schule, Schule - Die Zeit nach Berg Fidel

05.10. Donnerstag

19:30Vergiss mein nicht
22:15Das grüne Gold

06.10. Freitag

19:30Warum die Wunde offen bleibt

08.10. Sonntag

20:00Art War

09.10. Montag

20:00Schule, Schule - Die Zeit nach Berg Fidel
22:00Das grüne Gold

10.10. Dienstag

20:00Das grüne Gold
22:00Dunkirk

11.10. Mittwoch

20:00Das grüne Gold
22:00Dunkirk

12.10. Donnerstag

19:30Eine fantastische Frau

13.10. Freitag

20:00Dunkirk
22:00Eine fantastische Frau

15.10. Sonntag

11:00SpongeBob Schwammkopf 2: Schwamm aus dem Wasser

17.10. Dienstag

19:30Hiszpanka - Spanische Grippe
22:15Eine fantastische Frau

19.10. Donnerstag

19:30Eine fantastische Frau

23.10. Montag

20:00Pre-Crime
22:00Eine fantastische Frau

24.10. Dienstag

19:30Pre-Crime
22:15Eine fantastische Frau

25.10. Mittwoch

19:30Istanbul United
22:15Pre-Crime

26.10. Donnerstag

20:00Eine fantastische Frau
22:00Pre-Crime

28.10. Samstag

20:00Eine fantastische Frau
22:00Pre-Crime

29.10. Sonntag

19:30Es war einmal in dunkler Nacht... – märchenhaft-mystische Trickfilme
22:00Eine fantastische Frau

31.10. Dienstag

14:00Wann wird es endlich wieder Sommer
17:30Exodus+The Dazzling Light of Sunset
20:00Horizon+When the Earth Seems to Be Light
22:15Parallel Planes

 

Programm Oktober

Anzeige LE Animation Grusel Special

Kurzfilme im Oktober

01.10.-13.10.
ANGRY KID - HORROR
Darren Walsh

GB 2000
1:32 min

14.10.-29.10.
GRAVEYARD SHIFT
Carlos Schvepper

CAN 2016
2:36 min

vor jedem Hauptfilm (ausgenommen Sonderveranstaltungen)

Die Cinémathèque Leipzig präsentiert alle Filme (soweit möglich) im Original mit Untertiteln


All films are shown in Original Version with subtitles (if possible)

Newsletter

DOK Leipzig 2017

Wann wird es endlich wieder Sommer

Wann wird es endlich wieder Sommer

DOK Leipzig 2017

Germany 2017, OV with English subtitles, Dok, 98 min, Regie: Barbara Lubich, Michael Sommermeyer

Sprache: Deutsch,Englisch
Language: English,German

Ever since Pegida sprang up there has been resistance – colourful, loud and sometimes rhythmic. The rhythms of the counter-protests were often set by the local protest brass band “Banda Comunale”, who formed when the aim was to re-conquer the streets of Dresden, Freital or Clausnitz. But soon the musicians were no longer satisfied with being always “against”. They emancipated themselves from the manic defenders of the occident, started to play more gigs in refugee reception camps and shelters, and it didn’t take long until musicians from Syria, Burkina Faso, Palestine, Iraq and Iran joined the original combo of eleven and it became the “Banda Internationale”. Barbara Lubich and Michael Sommermeyer followed the band at gigs and rehearsals, but also in their daily life between flat shares and reception camps. The result is a film that shows that an “against” can yield something new, strong and original. It’s only logical then that “Banda Internationale” are no longer just accompanying protests and asylum seekers but also performing in prisons (whose inmates are predominantly German) and at the renowned Heimatsound festival in Oberammergau. One of the band’s greatest hits, by the way, is the German 1970s pop song that gave the film its title, performed by Ezé Wendtoin from Burkina Faso.

Seit es Pegida gibt, regt sich Widerstand – bunt, laut und manchmal rhythmisch. Oft wurde der Takt der Gegendemonstrationen von der örtlichen Demo-Brass-Band „Banda Comunale“ vorgegeben, die sich formierte, wenn es darum ging, sich in Dresden, Freital oder Clausnitz die Straße zurückzuerobern. Doch bald war es den Musikern nicht mehr genug, immer nur „dagegen“ zu sein. Sie emanzipierten sich von den manischen Verteidigern des Abendlands, spielten vermehrt in Erstaufnahmelagern und Asylunterkünften und es dauerte nicht lange, bis die elfköpfige Combo durch Musiker aus Syrien, Burkina Faso, Palästina, dem Irak und dem Iran verstärkt und zur „Banda Internationale“ wurde. Barbara Lubich und Michael Sommermeyer haben sich an die Fersen der Band geheftet und sie bei Auftritten und Proben, aber auch im ganz normalen Alltagsleben zwischen WG und Erstaufnahmezentrum begleitet. Daraus entstand ein Film, der zeigt, dass aus einem Dagegen auch etwas Neues, Starkes und Eigenes wachsen kann. Da ist es nur folgerichtig, dass „Banda Internationale“ inzwischen längst nicht mehr nur Demos und Asylsuchende begleitet, sondern auch in Haftanstalten (mit vorwiegend deutschen Insassen) und beim renommierten Heimatsound-Festival in Oberammergau auftritt. Zu den größten Hits der Band zählt übrigens der den Filmtitel inspirierende 70er-Jahre-Schlager, gesungen von Ezé Wendtoin aus Burkina Faso.

--- Luc-Carolin Ziemann

Kartenreservierung können ausschließlich über die Ticketkassen in allen DOK-Kinos und im Museum der bildenden Künste vorgenommen werden. Telefonische Reservierungen oder Reservierungen über unsere Homepage sind nicht möglich. Reservierte Tickets verfallen 1,5 Stunden vor Vorstellungsbeginn automatisch.

Weitere Informationen zu Wann wird es endlich wieder Sommer

Exodus+The Dazzling Light of Sunset Exodus+The Dazzling Light of Sunset

Exodus+The Dazzling Light of Sunset

DOK Leipzig 2017

Dok, 89 min

Exodus
R: Vakhtang Jajanidze, Georgia 2015, Dok, 15 min, without Dialog/Subtitles

Where is the boundary between documentary observation and staged re-enactment? It may be running right through Chiatura, the former global capital of manganese mining, now sinking into dreariness, perhaps kept together only by the last surviving cable cars. Vakhtang Jajanidze turned places into locations and inhabitants into actors lining up to tell their own stories, which follow a script based on the proverbial “true story”. So the time came when fate wanted to separate two sisters. Lily, a cable car driver, was determined to stay; Tatiana, who was unemployed, had decided to leave …

Wo verläuft die Grenze zwischen dokumentarischer Beobachtung und inszenierter Nachempfindung? Möglicherweise mitten durch Tschiatura, der in Tristesse versinkenden ehemaligen Welthauptstadt des Manganabbaus, die vielleicht nur noch von den letzten verbliebenen Seilbahnen zusammengehalten wird. Vakhtang Jajanidze machte aus Schauplätzen Spielorte und aus Einwohnern Darsteller – angetreten, um sozusagen von sich selbst zu erzählen, und zwar auf Basis eines Drehbuchs nach der sprichwörtlichen „wahren Begebenheit“. Es begab sich also, dass das Schicksal zwei Schwestern trennen wollte. Die Seilbahnfahrerin Lily war entschlossen zu bleiben, die arbeitslose Tatiana hatte sich entschieden zu gehen …

--- Zaza Rusadze


The Dazzling Light of Sunset
R: Salomé Jashi, Georgia/Germany 2016, Dok, 74 min, OV with English subtitles

Salomé Jashi is shooting in the provincial town of Tsalenjikha, following the paths of Dariko, a reporter who covers giant owls, fashion shows and funerals for the local television station. The people who cross the local journalist’s – and indirectly the camera’s – path are mortifyingly anxious about their public image, so much so that one would be tempted to smirk if it wasn’t for the deplorable changing conditions. So the ever present comedy remains subdued, but always close to Georgian everyday life. Because the latter constantly seems to produce “errors connected to ugliness” and could thus have been the model for Aristotle’s definition of comedy.

Salomé Jashi filmt in der Provinzstadt Zalendschicha. Sie folgt den Arbeitswegen der Reporterin Dariko, die für den örtlichen Fernsehsender von Rieseneulen, Modenschauen und Beerdigungen berichtet. Dabei sind die Menschen, die der Lokaljournalistin und vermittelt auch der Filmemacherin vor die Kamera kommen, peinlich um ihre Außenwirkung bemüht – so sehr, dass man schmunzeln wollte, wäre da nicht immer auch die Kläglichkeit der sich wandelnden Verhältnisse. So bleibt die stets präsente Komik leise, aber auch dicht am georgischen Alltag. Denn der scheint beständig „mit Hässlichkeit verbundene Fehler“ zu produzieren und könnte damit Pate für Aristoteles’ Definition der Komödie gestanden haben.

--- Zaza Rusadze


Kartenreservierung können ausschließlich über die Ticketkassen in allen DOK-Kinos und im Museum der bildenden Künste vorgenommen werden. Telefonische Reservierungen oder Reservierungen über unsere Homepage sind nicht möglich. Reservierte Tickets verfallen 1,5 Stunden vor Vorstellungsbeginn automatisch.

Weitere Informationen zu Exodus+The Dazzling Light of Sunset

Horizon+When the Earth Seems to Be Light Horizon+When the Earth Seems to Be Light

Horizon+When the Earth Seems to Be Light

DOK Leipzig 2017

85 min

Horizon
R: Dato Kiknavelidze, Georgia 2017, Animated Film, 5 min, without Dialog/Subtitles

Everything becomes blood red, the desert is glowing, the man’s face is burning with effort. He is chained to a stone, determinedly pulling the heavy burden along – until he faints. His subconscious sends even redder images, of a modern war with explosions, rolling tanks and rattling machine guns. Dato Kiknavelidze’s animated short film is in chains, like its protagonist: associative links in symbolic colours from whose end, deliberately or inevitably, dangles the Caucasian War of 2008, weighted with the kind of patriotism that has shaped the national narrative as well as Georgia’s toasts for centuries.

Alles färbt sich blutrot, die Wüste glüht, das Gesicht eines Mannes brennt vor Anstrengung. Er ist an einen Stein gekettet und zieht die schwere Last entschlossen hinter sich her – bis er in Ohnmacht fällt. Das Unterbewusstsein sendet noch rötere Bilder: von einem modernen Krieg mit Explosionen, rollenden Panzern und knatternden Maschinengewehren. Dato Kiknavelidzes animierter Kurzfilm ist wie sein Protagonist in Ketten geschlagen. Assoziative, farbsymbolische Bindungen, an deren Ende, absichtlich oder zwangsläufig, der Kaukasuskrieg 2008 hängt, beschwert mit jenem Patriotismus, der seit Jahrhunderten das nationale Narrativ ebenso wie die georgischen Trinksprüche bestimmt.

--- Zaza Rusadze


When the Earth Seems to be Light
R: Salome Machaidze, Tamuna Karumidze, David Meskhi, Georgia/Germany 2015, Dok, 80 min, OV with English subtitles

The trio of directors, Machaidze, Karumidze and Meskhi, look at Georgian youth. And they look back in a not quite so Georgian fashion. The young people in this poetic film would fit just as well under the Los Angeles sun. The visual parallel becomes a paradox only when you look more closely: riding their skateboards they glide through Soviet ruins, including the random architectural strikes with which the new Georgia is trying to get rid of the old “protector power”. To float in the air, overcome gravity, only for a few seconds! But gravity in Tbilisi seems to be heavier than elsewhere. In the background we hear the cries of Georgian reality …

Das Regietrio Machaidze, Karumidze und Meskhi blickt auf die georgische Jugend. Und die blickt zunächst so gar nicht georgisch zurück. Die jungen Leute in diesem poetischen Film würden ebenso gut unter die Sonne von Los Angeles passen. Erst bei näherer Betrachtung gerät die visuelle Parallele zum Paradoxon: Mit ihren Skateboards gleiten sie durch sowjetische Ruinen, auch durch die willkürlichen architektonischen Schläge, mit denen sich das neue Georgien von der alten „Schutzmacht“ freizumachen sucht. Nur für ein paar Sekunden in der Luft schweben, die Gravitation überwinden! Aber in Tiflis scheint die schwerer zu wiegen als anderswo. Im Hintergrund hört man das Geschrei der georgischen Realität …

--- Zaza Rusadze


Kartenreservierung können ausschließlich über die Ticketkassen in allen DOK-Kinos und im Museum der bildenden Künste vorgenommen werden. Telefonische Reservierungen oder Reservierungen über unsere Homepage sind nicht möglich. Reservierte Tickets verfallen 1,5 Stunden vor Vorstellungsbeginn automatisch.

Weitere Informationen zu Horizon+When the Earth Seems to Be Light

Parallel Planes Parallel Planes

Parallel Planes

DOK Leipzig 2017

Germany 2017, OV with german subtitles, Dok, 100 min, Regie: Nicole Wegner

Sprache: Englisch mit deutschen Untertiteln
Language: English with german subtitles

This film pays homage to the American DIY spirit and the diversity of the US musical landscape outside the commercial music industry. While many other music films never make it beyond hero worship, director Nicole Wegner consistently maintains eye level with her twelve interview partners, who include Ian MacKaye (Minor Threat, Fugazi), Michael Gira (Swans) and Valentine Falcon (Get Hustle). What they all have in common is that they couldn’t care less about marketing strategies and target group orientation as they gleefully hack the music industry and play by their own rules. Though the film shows extremely diverse musical styles, there is a general agreement to see the DIY idea as the most important legacy of punk and the starting point of self-empowerment and resistance. Like a certified mixtape, “Parallel Planes” combines old and new songs, really clever thoughts about making music and personal insights to generate a narrative that resembles an open building kit of ideas from which everyone who wants to take things into their own hands can help themselves. Using gaudy cut-up elements and references to video clip aesthetics, the film develops a drive which might even lead the viewer to rush out of the cinema with a project of their own in mind and simply start on it …

Dies ist eine filmische Hommage an den amerikanischen Do-it-yourself-Spirit und die vielfältige US-Musikszene jenseits der kommerziellen Tonträgerwirtschaft. Während viele andere Musikfilme in der Heldenverehrung verharren, bleibt Regisseurin Nicole Wegner in ihrem Roadmovie konsequent auf Augenhöhe mit ihren zwölf Gesprächspartnern, darunter Ian MacKaye (Minor Threat, Fugazi), Michael Gira (Swans) und Valentine Falcon (Get Hustle). Allen ist gemeinsam, dass sie sich nicht um Vermarktungsstrategien und Zielgruppenorientierung scheren, sondern lustvoll die Musikindustrie hacken und nach ihren eigenen Regeln spielen. Obwohl im Film verschiedenste Musikstile vertreten sind – Einigkeit herrscht darüber, die Do-it-yourself-Idee als wichtigstes Erbe des Punk und Ausgangspunkt von Selbstermächtigung und Widerstand zu begreifen. Wie in einem amtlichen Mixtape versammelt „Parallel Planes“ neue und alte Songs, richtig gute Gedanken übers Musikmachen und ganz persönliche Einblicke. Daraus entspinnt sich eine Erzählung, die eher ein offener Ideenbaukasten ist, aus dem sich jeder bedienen kann, der die Dinge selbst in die Hand nehmen will. Mit knallbunten Cut-up-Elementen und Ausgriffen in die Videoclip-Ästhetik entwickelt der Film einen Drive, der vielleicht sogar darin mündet, dass man mit einem ganz eigenen Projekt im Kopf aus dem Kino stürmt und einfach anfängt …

--- Luc-Carolin Ziemann

Kartenreservierung können ausschließlich über die Ticketkassen in allen DOK-Kinos und im Museum der bildenden Künste vorgenommen werden. Telefonische Reservierungen oder Reservierungen über unsere Homepage sind nicht möglich. Reservierte Tickets verfallen 1,5 Stunden vor Vorstellungsbeginn automatisch.

Greetings from Aleppo+Silent War Greetings from Aleppo+Silent War

Greetings from Aleppo+Silent War

DOK Leipzig 2017

89 min

Greetings from Aleppo
R: Issa Touma/Thomas Vroege/Floor van der Meulen, Syria/Netherlands 2017, Doc, 17 min, OV with english subtitles

The Syrian photographer Issa Touma travels from Europe to his native city of Aleppo, visiting his family, old friends and students who still live there. It’s a film about the daily life and art of survival in the face of war and destruction, about the tragedy and absurdity of life in an extreme situation. Above all, it brings home with horrifying clarity how little the news images correspond to the real life and goings-on in Aleppo.

Der syrische Fotograf Issa Touma reist aus Europa in seine Geburtsstadt Aleppo und besucht seine Familie, alte Freunde und Studenten, die dort noch immer leben. Es ist ein Film über den Alltag und die Kunst des Überlebens im Angesicht von Krieg und Zerstörung, über die Tragik und Absurdität des Lebens in einer Extremsituation. Und vor allem wird erschreckend deutlich, wie wenig die Nachrichtenbilder mit dem eigentlichen Leben und Geschehen in Aleppo korrespondieren.

Frederik Lang


Silent War
R: Manon Loizeau, France/Switzerland 2017, Doc, 72 min, OV with english subtitles

Rape is a weapon of war and always has been – like in Syria today. From the very beginning of the civil war the Syrian army has systematically used it against women in its torture prisons and elsewhere, as a criminal instrument intended to shatter resistance and ultimately any functioning social community. Rape is such a taboo in traditional Syrian society that the women have no choice but to remain silent or be cast out of their families, sometimes even killed. NGOs estimate that thousands have suffered this fate, thousands were forced to cope with the trauma, pain and shame alone, thousands condemned to silence. Some of them have now found the courage to break their silence in front of Manon Loizeau’s camera. They recount how the bodies of Syrian women became a battle zone – and talk about the still unreported war crimes of the Assad regime.

Vergewaltigung ist eine Kriegswaffe, immer schon und gegenwärtig auch in Syrien. Bereits seit Beginn des Bürgerkrieges setzt sie die syrische Armee systematisch gegen Frauen in ihren Foltergefängnissen und anderswo ein – als verbrecherisches Instrument, das auf die Zerstörung des Widerstands und letztlich des funktionierenden sozialen Miteinanders zielt. Vergewaltigung ist ein solches Tabu in der traditionellen syrischen Gesellschaft, dass den betroffenen Frauen nur übrig bleibt, zu schweigen oder von ihren Familien verstoßen, mitunter sogar getötet zu werden. Tausende haben dieses Schicksal nach Schätzungen von Nichtregierungsorganisationen erlitten, Tausende müssen mit dem Trauma, den Schmerzen und der Scham alleine zurechtkommen, Tausende sind zum Schweigen verdammt. Vor der Kamera von Manon Loizeau haben nun einige von ihnen den Mut gefunden, ihr Schweigen zu brechen. Sie berichten davon, wie die Körper von syrischen Frauen zu einem Kriegsschauplatz wurden – und von den bislang unerzählten Kriegsverbrechen des Assad-Regimes.

--- Frederik Lang

Weitere Informationen zu Greetings from Aleppo+Silent War

Error 404+Forgotten Error 404+Forgotten

Error 404+Forgotten

DOK Leipzig 2017

97 min

Error 404
R: Kays Khalil, Germany 2017, Animadok, 7 min, OV with English subtitles

What’s growing like weeds in empty space? On 17 December 2010, the Tunisian fruit seller Mohamed Bouazizi publicly set himself on fire – the Arab Spring was set in motion, began to proliferate, spread. A fast motion animated run through the interior architecture of revolution in the modern world, right into the split character of the event: from the planet’s surface to digital de-spatialisation.

Was wuchert da im leeren Raum? Am 17. Dezember 2010 verbrennt sich der tunesische Gemüsehändler Mohamed Bouazizi in aller Öffentlichkeit – der Arabische Frühling setzt sich in Gang, beginnt zu wuchern, auszuufern. Ein Animationsschnelldurchlauf durch die Innenarchitektur der Revolution in der modernen Welt, hinein in den gespreizten Charakter des Ereignisses: vom Boden des Planeten in die digitale Enträumlichung.

---Lukas Stern


Forgotten
R: Ridha Tlili, Tunesia 2017, Dok, 90 min, OV with English subtitles

The Arab Spring is wintering in Sidi Bouzid. The town in the Tunisian interior seems provincial and insignificant. But at the turn of 2010/2011 the self-immolation of Mohamed Bouazizi and the ensuing protests of hundreds of young people against the arbitrariness of the authorities made it the starting point of a departure that was to challenge a number of autocracies in the Arab world. Chafi, Ferid, Abdelhak and Boujdik are four young men who went out into the streets at the time, full of hope. Two years later they find themselves caught in a daily struggle between irrepressible energy and unbearably motionless, repressive “normalisation”. Ridha Tlili followed them with his camera from 2013 to 2016 to paint a very sympathetic portrait of his protagonists. The film reveals their human and philosophical depth in the midst of bleakness, their dreams and sense of humour: “Broke but well dressed!” The group fight against getting worn down by unemployment, against the slow suffocation of the revolution and the obstructions to a normal relationship with women. They found a theatre group, make music and organise political actions in the streets. Philosophising and making youthful jokes, the four are wintering in their backrooms, in the grocery store and on walks through the Wadi landscape outside the city.

Der Arabische Frühling überwintert in Sidi Bouzid. Provinziell und unbedeutend mutet die Stadt im Hinterland von Tunesien an. Um den Jahreswechsel 2010/2011 war sie mit der Selbstverbrennung von Mohamed Bouazizi und den anschließenden Protesten hunderter Jugendlicher gegen behördliche Willkür Ausgangsort des Aufbruchs geworden, der zahlreiche Autokratien im arabischen Raum infrage stellte. Chafi, Ferid, Abdelhak und Boujdik sind vier junge Männer, die sich damals hoffnungsvoll auf die Straße wagten. Zwei Jahre später finden sie sich in einem Alltag zwischen unbändiger Energie und unerträglich bewegungsloser, repressiver „Normalisierung“ eingeklemmt. Ridha Tlili begleitete sie von 2013 bis 2016 mit der Kamera und zeichnet ein sehr einnehmendes Porträt seiner Protagonisten. Der Film offenbart in all der Trostlosigkeit ihre menschliche und gedankliche Tiefe, ihre Träume und ihren Humor: „Pleite aber gut angezogen!“ Die Clique wehrt sich gegen das Zermürbende der Arbeitslosigkeit, das langsame Ersticken der Revolution und die Behinderung eines normalen Verhältnisses zu Frauen. Sie gründen eine Theatergruppe, machen Musik und gehen mit politischen Aktionen auf die Straße. Philosophierend, jugendlich scherzend überwintern die vier in ihren Hinterzimmern, im Lebensmittelladen und auf Spaziergängen durch die Wadilandschaft vor der Stadt.

--- André Eckardt


Kartenreservierung können ausschließlich über die Ticketkassen in allen DOK-Kinos und im Museum der bildenden Künste vorgenommen werden. Telefonische Reservierungen oder Reservierungen über unsere Homepage sind nicht möglich. Reservierte Tickets verfallen 1,5 Stunden vor Vorstellungsbeginn automatisch.

Weitere Informationen zu Error 404+Forgotten

2+2=22 [The Alphabet] 2+2=22 [The Alphabet]

2+2=22 [The Alphabet]

DOK Leipzig 2017

82 min

2+2=22 [The Alphabet]
R: Heinz Emigholz, Germany 2017, Doc, 82 min, OV with english subtitles

Of course, Heinz Emigholz is not a Georgian filmmaker. But there are good reasons for showing the first “chapter” of his four-part cycle of films “Streetscapes” here. It’s valuable: as a view from outside and a case study of the orientation and desires of such a foreign look. In 2013, Emigholz accompanied the Düsseldorf-based band Kreidler to Tbilisi, where the musicians recorded parts of their “ABC” album. They used an old film studio lot, one of the last places with a “Soviet look and feel” that had managed to escape the craze for modernisation. Urban architecture unfolds around the studio, in skewed perspectives that maybe only travellers from the West can think of.

Natürlich ist Heinz Emigholz kein georgischer Filmemacher. Aber es gibt wichtige Gründe, dieses erste „Kapitel“ seines vierteiligen Filmzyklus „Streetscapes“ hier zu zeigen. Es ist wertvoll: als Blick von außen und als Fallstudie über Richtung und Begehrlichkeiten eines solch fremden Schauens. Emigholz begleitete die Düsseldorfer Band Kreidler 2013 nach Tiflis, wo die Musiker Aufnahmen für ihr Album „ABC“ einspielten. Genutzt wurde ein altes Filmstudio, das sich als einer der letzten Räume mit „Sowjet-Charakter“ der Modernisierungswut entziehen konnte. Um das Studio herum entfaltet sich Stadtarchitektur – in schrägen Ansichten, die sich vielleicht nur dem von Westen Zugereisten aufdrängen.

--- Zaza Rusadze


Kartenreservierung können ausschließlich über die Ticketkassen in allen DOK-Kinos und im Museum der bildenden Künste vorgenommen werden. Telefonische Reservierungen oder Reservierungen über unsere Homepage sind nicht möglich. Reservierte Tickets verfallen 1,5 Stunden vor Vorstellungsbeginn automatisch.

Adolescence+Grandpa Walrus+No Sex Please Adolescence+Grandpa Walrus+No Sex Please

Adolescence+Grandpa Walrus+No Sex Please

DOK Leipzig 2017

98 min

Adolescence
R: José Fernando Rodríguez, Puerto Rico/USA 2017, Dok, 15 min, OV with English subtitles

A girl in the pool, close to the lens. She’s asking for a towel. White noise. A boy pretending to be a chicken hops through the room, picking at the mattress with his head. José Fernando Rodríguez reconstructs the states of his youth in “Adolescence”, using residual images of past times, hybrid images: excessive hormone boosts and the first fears of death, a girl in the pool and a dry run in the children’s rooms. The images in-between are missing. There’s only white noise.

Ein Mädchen im Pool, ganz dicht an der Linse. Sie fragt nach einem Handtuch. Bildrauschen. Ein Junge hüpft als Hühnchen durch den Raum, pickt mit dem Kopf in die Matratze. Bildrauschen. José Fernando Rodríguez rekonstruiert mit „Adolescence“ die Zustände seiner eigenen Jugend. Aus Bildresten früherer Zeiten, aus Bildkreuzungen: Maßlose Hormonschübe und erste Todesängste, ein Mädchen im Pool und eine Trockenübung im Kinderzimmer. Dazwischen fehlen die Bilder. Dazwischen rauscht es nur.

--- Lukas Stern


Grandpa Walrus
R: Lucrèce Andreae, France 2017, Animated Film, 15 min, OV with English subtitles

A sandy beach in the off season, deserted, dirty. The guests have left their cigarette butts behind, and one of them more than the others: grandpa. The place where he lay in the sun is outlined by frayed fags like a murder victim’s body by chalk. Now he’s gone, dead. But what is this stirring in the sand? The depiction of a surreal incident accompanied by sublime compositions by Flavien Van Haezevelde.

Ein Sandstrand außerhalb der Saison, verlassen, verdreckt. Die Gäste haben ihre Zigarettenstummel liegen gelassen und einer ganz besonders viele: Opa. Da, wo er sich sonnte, umreißen ausgefranste Fluppen seinen Körper wie Kreidespuren ein Mordopfer. Jetzt ist er nicht mehr da, tot. Doch was rührt sich, im Sand? Schilderung einer surrealen Begebenheit, unterlegt mit sublimen Kompositionen von Flavien Van Haezevelde.

--- Carolin Weidner


No Sex Please

R: Florian Fischer, Germany/Thailand 2017, Dok, 15 min, OV with German subtitles

A backlit naked man: Werner. “You weren’t born with trousers on either, were you?” he says. Werner likes it “natural” and “lively”. Werner has a clear conscience and tries to put care into every step he takes. Quite unlike Florian, he thinks. Florian films Werner, testing a kind of friendship. They travel to Thailand together, where Werner has a girlfriend. This has nothing to do with sex tourism, though – it’s the art of massage he appreciates. Florian has no idea, he says. Werner walks the beaches in a long white robe. A T-shirt bearing the slogan “No Sex Please” is meant to advertise his non-intentions in the city. He still likes to dance with women. And back home in Berlin the statue of Buddha and the German flag make an interesting pair. A film flavoured by apparent opposites: New Age versus aggression, art versus trash, self-awareness versus self-denial.

Ein nackter Mann im Gegenlicht: Werner. „Du bist ja auch nicht mit der Hose geboren, oder?“, sagt er. Werner mag es „ursprünglich“ und „lebendig“. Werner ist im Reinen mit sich und versucht, jeden seiner Schritte achtsam zu tun. Ganz im Gegensatz zu Florian, wie er findet. Der filmt Werner und probiert eine Art Freundschaft. Gemeinsam reisen sie nach Thailand, wo Werner eine Freundin hat. Aber mit Sextourismus hat das nichts zu tun – es ist die Kunst der Massage, die er schätzt. Florian habe davon ja keine Ahnung. Im langen weißen Gewand schreitet Werner die Strände ab. Ein T-Shirt mit der Aussage „No Sex Please“ soll seine Nicht-Absichten in der Stadt klarmachen. Mit den Frauen tanzt er dennoch gern. Und daheim in Berlin ergeben Buddha-Statue und Deutschlandfahne ein interessantes Paar. Ein Film, dessen Würze der vermeintliche Gegensatz ist: New Age versus Aggression, Kunst versus Trash, Selbsterfahrung versus Selbstverleugnung.

--- Carolin Weidner


Kartenreservierung können ausschließlich über die Ticketkassen in allen DOK-Kinos und im Museum der bildenden Künste vorgenommen werden. Telefonische Reservierungen oder Reservierungen über unsere Homepage sind nicht möglich. Reservierte Tickets verfallen 1,5 Stunden vor Vorstellungsbeginn automatisch.

Weitere Informationen zu Adolescence+Grandpa Walrus+No Sex Please

Sovdagari+Don’t Breathe Sovdagari+Don’t Breathe

Sovdagari+Don’t Breathe

DOK Leipzig 2017

108 min

Sovdagari
R: Tamta Gabrichidzel, Georgia 2016, Dok, 22 min, OV with English subtitles

Gela has turned his minibus into a shop. He drives across the Georgian countryside, selling colourful second-hand clothing and shiny plastic household appliance straight out of the boot of his not quite so shiny car. If you ask Gela for the price of his goods, he will quote it in potatoes. For potatoes are worth more than money. Tamta Gabrichidze’s quasi road movie won the Best Short Documentary Award at Hot Docs 2017. Perhaps for its impressive backdrop, those Georgian mountains passing by and the landscapes at their feet. Perhaps for its bizarreness, which seems to go some way towards satisfying the Western desire for exotic far-away places.

Gela hat seinen Minibus in ein Geschäft verwandelt. Er fährt übers georgische Land, verkauft bunte Kleidung aus zweiter Hand sowie Haushaltsutensilien aus grellfarbigem Kunststoff, alles direkt aus dem Laderaum seines nicht mehr ganz so leuchtenden Wagens. Fragt man Gela nach dem Preis einer Ware, nennt er ihn in Kartoffeln. Denn die zählen mehr als Geld. Tamta Gabrichidzes quasi Roadmovie gewann bei Hot Docs 2017 den Best Short Documentary Award. Vielleicht auch für seine beeindruckende Kulisse, jene vorbeifliegenden georgischen Berge und die Landschaften zu ihren Füßen. Vielleicht auch wegen seiner Skurrilität, die der westlichen Sehnsucht nach exotischer Ferne ein Stück entgegenzukommen scheint.

--- Zaza Rusadze


Don’t Breathe
R: Nino Kirtadze, France 2014, Dok, 86 min, Georgian with English subtitles

Levan, a resident of the Georgian capital in his late 40s, is taking a routine medical examination. Afterwards, something strange happens to him: the medication makes his thoughts overflow into the unknown – even question the principles of his own existence. Nino Kirtadze, who is one of Georgia’s internationally most renowned female filmmakers, turns Levan’s “medical history” into a cinema of strong emotions, a black hypochondriac comedy of metaphorical power, not least by borrowing the directorial strategies of feature films. This gives “Don’t Breathe” a slightly separate position among her numerous documentary films – perhaps as a new milestone in an artist’s quest.

Levan, georgischer Hauptstädter Ende Vierzig, unterzieht sich einer ärztlichen Routineuntersuchung. Danach geschieht mit ihm Seltsames: Die Medikamente lassen seine Gedanken ins Ungewisse ausufern – bis hin zur grundsätzlichen Befragung der eigenen Existenz. Nino Kirtadze, eine der international anerkanntesten georgischen Filmemacherinnen, erzählt Levans „Krankengeschichte“ als Kino der großen Gefühle, als schwarze Hypochonder-Komödie von metaphorischer Kraft, nicht zuletzt auch mit Anleihen bei den inszenatorischen Strategien des Spielfilms. Damit steht „Don’t Breathe“ etwas gesondert in der Reihe ihrer zahlreichen Dokumentarfilme, vielleicht als neue Wegmarke einer künstlerischen Suche.

--- Zaza Rusadze


Kartenreservierung können ausschließlich über die Ticketkassen in allen DOK-Kinos und im Museum der bildenden Künste vorgenommen werden. Telefonische Reservierungen oder Reservierungen über unsere Homepage sind nicht möglich. Reservierte Tickets verfallen 1,5 Stunden vor Vorstellungsbeginn automatisch.

Weitere Informationen zu Sovdagari+Don’t Breathe

Soviet Hippies Soviet Hippies

Soviet Hippies

DOK Leipzig 2017

75 min

Soviet Hippies
R: Terje Toomistu, Estonia/Germany/Finland 2017, Doc, 75 min, OV with English subtitles

A life between Lenin and Lennon. The clash between utopias of freedom and utopias of community. Life as a hippie in the Soviet Union was dangerous – no wonder, considering that the flower children were especially hardened criminals. Just imagine: up to ten phone booths per day were looted in Tallinn alone to tune their electric guitars with the valuable electronic parts. Guitar raid! Drugs, rock’n’roll, long hair, naked bodies, sex, peace, psychedelic art, meditation, Batik shirts, shaggy beards. The Estonian director Terje Toomistu uses a wide and abundant variety of archive material to trace a lifestyle that marked not only the American 1970s but also proliferated in the metropolises of the Soviet Union, even if nobody there understood exactly what the Beatles were actually singing. And today, 40 years later? Some of the Soviet hippies are now old Soviet hippies. The Vietnam War is over – today it’s the Ukraine War. The KGB has ceased to exist – today Putin is in power. And some things are exactly like they used to be: peace, joy, Batik, beards.

Ein Leben zwischen Lenin und Lennon. Die Kollision der Freiheitsutopien, der Gemeinschaftsutopien. In der Sowjetunion lebte man gefährlich als Hippie – kein Wunder, schließlich waren die Blumenkinder ganz besonders kriminell. Man stelle sich vor: Bis zu zehn Telefonzellen am Tag wurden allein in Tallinn geplündert, um mit der wertvollen Elektronik die E-Gitarren aufzumotzen. Gitarrenrazzia! Drugs, Rock ’n’ Roll, lange Mähnen, nackte Leiber, Sex, Friede, psychedelische Kunst, Meditation, Batikhemden, Zauselbärte. Mit einem üppigen Aufgebot an verschiedensten Archivmaterialien spürt die estnische Regisseurin Terje Toomistu einem Lebensgefühl nach, das nicht nur die amerikanischen 1970er Jahre prägte, sondern auch in den Metropolen der Sowjetunion wucherte – selbst wenn man dort gar nicht so genau wusste, wovon die Beatles eigentlich sangen. Und heute, 40 Jahre später? Einige der Sowjet-Hippies sind mittlerweile Sowjet-Althippies. Der Vietnamkrieg ist vorbei – heute herrscht der Ukrainekrieg. Der KGB existiert nicht mehr – heute sitzt Putin an der Macht. Und einiges blieb genau so, wie es war: Friede, Freude, Batik, Bärte.

---Lukas Stern

Kartenreservierung können ausschließlich über die Ticketkassen in allen DOK-Kinos und im Museum der bildenden Künste vorgenommen werden. Telefonische Reservierungen oder Reservierungen über unsere Homepage sind nicht möglich. Reservierte Tickets verfallen 1,5 Stunden vor Vorstellungsbeginn automatisch.

I Was a Winner+The World Is Mine I Was a Winner+The World Is Mine

I Was a Winner+The World Is Mine

DOK Leipzig 2017

82 min

I Was a Winner
R: Jonas Odell, Sweden 2016, Animadok, 14 min, OV with English subtitles

An armed warrior is running through a lonely forest. There used to be more of his kind here – more adventurers, more gamers. He and other players in an online role-playing game reflect on the times when it was more important to them than anything else. The outside world couldn’t reach them – relationships and families happened in the game, if at all. The protagonists, represented by their former avatars here, had to learn the painful way that fun had turned into a burden and then into addiction. In his animadoc film the director shows how hard it can be to log out of a virtual reality and return to the real world.

Ein bewaffneter Krieger rennt durch einen einsamen Wald. Früher waren mehr von seiner Sorte hier – mehr Abenteurer, mehr Gamer. Er und weitere Teilnehmer eines Online-Rollenspiels reflektieren über die Zeit, als es nichts Wichtigeres für sie gab. Die Außenwelt konnte nicht zu ihnen durchdringen – Beziehungen und Familien fanden, wenn überhaupt, im Spiel statt. Die Protagonisten, die hier durch ihre früheren Avatare repräsentiert werden, mussten schmerzhaft feststellen, dass aus dem Vergnügen eine Last und eine Sucht geworden war. Der Regisseur zeigt in seinem Animadok-Film, wie schwer es sein kann, sich aus der virtuellen Realität auszuloggen, um in die tatsächliche zurückzukehren.

---Kim Busch


The World Is Mine
R: Ann Oren, Israel 2017, Dok, 68 min, OV with English subtitles

Hatsune Miku is a musical phenomenon that inspires the masses. Her lyrics hit the fans right in the heart, her style inspires the multitudes and her merchandising is out of this world. What makes her so special? She’s not a human being but a synthesizer software incorporated in an animated character whose music is always fan art. M, the protagonist of this film and a cosplayer incorporating Hatsune Miku, delves into a fairytale world – and fairytales, they say here, “are full of fraud”. M meets sworn members of the Miku cult, encounters a generous helping of Japanese popular culture, and herself.

Hatsune Miku ist ein musikalisches Phänomen, das die Massen bewegt. Ihre Texte treffen die Fans genau ins Herz, ihr Stil inspiriert viele und ihr Merchandising kommt von einem anderen Stern. Was sie so besonders macht? Sie ist kein Mensch, sondern eine Synthesizer-Software, die als animierte Figur Gestalt annimmt und deren Musik durchweg Fan-Art ist. M, die Protagonistin des Films, verkörpert Hatsune Miku als Cosplayerin und taucht dabei in eine Märchenwelt ein – und Märchen, so heißt es hier, „sind voller Täuschungen“. M begegnet Menschen, die sich dem Kult um Miku verschworen haben. Dabei trifft sie auch auf eine gehörige Portion japanischer Populärkultur und auf sich selbst.

---Kim Busch

Kartenreservierung können ausschließlich über die Ticketkassen in allen DOK-Kinos und im Museum der bildenden Künste vorgenommen werden. Telefonische Reservierungen oder Reservierungen über unsere Homepage sind nicht möglich. Reservierte Tickets verfallen 1,5 Stunden vor Vorstellungsbeginn automatisch.


Weitere Informationen zu I Was a Winner+The World Is Mine

The Machine Which Makes Everything Disappear The Machine Which Makes Everything Disappear

The Machine Which Makes Everything Disappear

DOK Leipzig 2017

101 min

The Machine Which Makes Everything Disappear
R: Tinatin Gurchiani, Georgia/Germany 2012, Doc, 101 min, OV with English subtitles

This wonderful film about Georgia in 2012, a country caught somewhere between its communist past and the modern life out there, is based on an equally contemporary and simple idea. The director, Tinatin Gurchiani, invited young people between the ages of 15 and 25 to a casting for a film and started to discuss the film project with them. They talk about their talents, dream roles and reasons to take part in the casting, about events from their past and biographical rifts. These interviews are conducted with such intelligence, sensitivity and determination that the protagonists soon lose their initial embarrassment in front of the camera. Life stories are gradually revealed, just like the wall against which they are filmed is revealed by the peeling paint and plaster. The film follows various protagonists out of the casting situation into their reality, takes up a thought, delves into problems and routines and leaves the path for a new casting, a new story, a new thought. The result is a many-layered mosaic of the emotional world of a whole generation that gains depth and credibility – and melancholy – through the vertical cuts into individual lives. If there was a machine to erase something from your past, what would you erase? Myself, a young woman answers. The sun rarely shines in this film, it’s often raining, and the landscapes are grey and foggy. Nonetheless the director manages to keep the images light – certainly when the documentary turns into poetry and we are reminded that life can also be seen as a comedy. –

Diesem wunderbaren Film über Georgien 2012, einem Land zwischen kommunistischer Vergangenheit und dem modernen Leben irgendwo da draußen, liegt eine ebenso zeitgemäße wie simple Idee zu Grunde. Die Regisseurin Tinatin Gurchiani lädt junge Leute zwischen 15 und 25 Jahren zu einem Film-Casting ein und beginnt, mit ihnen über den geplanten Film zu sprechen. Über ihre Fähigkeiten, ihre Traumrolle und ihr Motiv an dem Casting teilzunehmen, ebenso wie über Ereignisse aus ihrer Vergangenheit oder biographische Risse. Dieses Gespräch wird so klug, einfühlsam und gleichzeitig so zielstrebig geführt, dass die anfängliche Verlegenheit der Protagonisten vor der Kamera schnell schwindet. Schicksale entblättern sich, so wie die Farbe und der Putz von den Wänden blättert, vor denen sie aufgenommen werden. Aus den Casting-Situationen heraus folgt der Film verschiedenen Protagonisten in deren Wirklichkeit, nimmt einen Gedanken auf, taucht in Probleme und Alltag ein und verlässt diesen Pfad wieder über ein neues Casting, eine neue Geschichte, einen neuen Gedanken. Wie ein Mosaik setzt sich in der Folge ein vielschichtiges Bild der Gefühlswelt einer ganzen Generation zusammen, das über die vertikalen Schnitte in das Schicksal einzelner an Tiefe und Glaubwürdigkeit gewinnt. Und an Melancholie. Wenn es eine Maschine geben würde, die etwas aus deiner Vergangenheit löschen kann, was würdest du löschen? Mich – antwortet eine junge Frau. Selten scheint die Sonne in diesem Film, es regnet viel, die Landschaften sind grau und verhangen. Trotzdem gelingt es der Regisseurin, diesem Bild die Schwere zu nehmen – spätestens wenn das Dokumentarische sich in Poesie verwandelt, und wir daran erinnert werden, dass das Leben auch als Komödie verstanden werden kann.

--- Matthias Heeder

Kartenreservierung können ausschließlich über die Ticketkassen in allen DOK-Kinos und im Museum der bildenden Künste vorgenommen werden. Telefonische Reservierungen oder Reservierungen über unsere Homepage sind nicht möglich. Reservierte Tickets verfallen 1,5 Stunden vor Vorstellungsbeginn automatisch.

Inkotanyi

Inkotanyi

DOK Leipzig 2017

125 min

Inkotanyi
R: Christophe Cotteret, Belgium/France 2017, Dok, 125 min, OV with English subtitles

“Inkotana” is a verb in the Bantu language Kinyarwanda. It means to fight without delay, never to give up. The official name of the Inkotanyi is: Rwandan Patriotic Front (RPF). Ever since they ended the historically unprecedented genocide in 1994 with a guerrilla war – within 100 days, 1 million Tutsi were killed by Hutu extremists assisted by the population – they have been ruling the country under their close-lipped president Paul Kagame. The film reviews the history of the Inkotanyi in six chapters: from the historic background of the pogroms against the Tutsi, the time of exile and the founding of the RPF in the 1980s to the invasion of Rwanda in 1990 and the four-year civil war through to Kagame’s rule which was attended by counter-violence and oppression throughout. Archive material and interviews with high-ranking military officers and soldiers of the RPF, with journalists, historians and president Kagame form an image of “the best trained and most disciplined rebellion of the African continent”, as director Christophe Cotteret calls it. Last but not least, the film takes a look at colonial continuities in post-colonialism, apparent, for example, in the French support for the dictatorial Habyarimana regime.

„Inkotana“ ist ein Verb in der Bantusprache Kinyarwanda. Es bedeutet, ohne Aufschub zu kämpfen, nie aufzugeben. Der offizielle Name für die Inkotanyi lautet: Ruandische Patriotische Front (RPF). Seit sie im Jahr 1994 den historisch beispiellosen Genozid mit einem Guerillakrieg beendete – 1 Million Tutsi wurden in 100 Tagen unter Beihilfe der Bevölkerung von Hutu-Extremisten ermordet – , regiert sie unter dem verschwiegenen Staatspräsidenten Paul Kagame das Land. In sechs Kapiteln schreitet der Film die Geschichte der Inkotanyi ab: von den historischen Hintergründen der Pogrome gegen die Tutsi, der Zeit des Exils und der Gründung der RPF in den 1980er Jahren über die Invasion Ruandas 1990 und den vierjährigen Bürgerkrieg bis hin zu der von Gegengewalt und Unterdrückung begleiteten Regentschaft Kagames. Archivmaterial und Interviews mit hochrangigen Armeeangehörigen und Soldaten der RPF, mit Journalisten, Historikern sowie dem ruandischen Präsidenten Kagame formieren das Bild der „am besten ausgebildeten und diszipliniertesten Rebellion des afrikanischen Kontinents“, wie sie Regisseur Christophe Cotteret nennt. Nicht zuletzt wirft der Film einen Blick auf die kolonialen Kontinuitäten im Post-Kolonialismus, wie sie etwa in Frankreichs Unterstützung des diktatorischen Habyarimana-Regimes sichtbar wurden.


---Esther Buss

Kartenreservierung können ausschließlich über die Ticketkassen in allen DOK-Kinos und im Museum der bildenden Künste vorgenommen werden. Telefonische Reservierungen oder Reservierungen über unsere Homepage sind nicht möglich. Reservierte Tickets verfallen 1,5 Stunden vor Vorstellungsbeginn automatisch.

Altzaney+Madonna Altzaney+Madonna

Altzaney+Madonna

DOK Leipzig 2017

89 min

Altzaney
R: Nino Orjonikidze/Vano Arsenishvili, Georgia 2009, Doc, 31 min, OV with English subtitles

The Pankisi Gorge is situated in north east Georgia, nestled between the Caucasian mountains. It’s been the home of the Muslim Kists for ages, and that of Altzaney, too, for the past 80 years. The old woman has a special position in this patriarchal society: as the mediator between the worlds of the dead and the living, as a wise adviser in existential decisions. Nino Orjonikidze and Vano Arsenishvili bring their camera very close to Altzaney, filming her face and its wrinkles, her hands and their gestures, with sidelong glances to the white laundry flapping in the wind. These images come together to form the intimate portrait of an exceptional woman.

Im Nordosten Georgiens, eingebettet in die Berge des Kaukasus, liegt das Pankissi-Tal. Seit jeher ist es die Heimat muslimischer Kisten und seit 80 Jahren auch die von Altzaney. In der eigentlich patriarchalisch geordneten Gemeinschaft hat die Greisin eine besondere Stellung inne: als Vermittlerin zwischen den Welten der Toten und denen der Lebenden, als weise Ratgeberin bei existenziellen Entscheidungen. Nino Orjonikidze und Vano Arsenishvili rücken Altzaney mit der Kamera auf den Leib – ins Gesicht und in dessen Falten, in die Hände und deren Gesten, mit Seitenblicken auf weiße Wäsche, die im Wind flattert. Aus diesen Bildern wird das intime Porträt einer besonderen Frau zusammengesetzt.

--- Zaza Rusadze

Madonna
R: Nino Gogua, Georgia 2014, Doc, 58 min, OV with English subtitles

Nino Gogua takes us on a gender trip. We are being chauffeured by 57-year-old Madona, the only woman driving an urban bus through Tbilisi. Madona has made her way in a “man’s job”, confidently steering her rickety vehicle through the streets and quite frequently to the workshop. In the process, she also drives by the patriarchal assumptions of Georgian society. Nino Gogua follows this strong woman as she explores her feminine side, too. On International Women’s Day, Madona is likely to get no flowers from her colleagues again. That’s why she wants to give herself a present: a new hairdo, for example.

Nino Gogua nimmt uns mit auf eine Genderreise. Gefahren werden wir von der 57-jährigen Madona, die in Tiflis als einzige Frau einen Linienbus durch den Stadtverkehr steuert. Madona hat sich in dem „Männerjob“ durchgesetzt und lenkt ihr marodes Gefährt selbstbewusst durch die Straßen, öfter auch in die Reparaturwerkstatt. Dabei passiert sie auch die patriarchalischen Selbstverständlichkeiten der georgischen Gesellschaft. Nino Gogua begleitet die starke Frau, auch in der Auseinandersetzung mit ihrer femininen Seite. Zum internationalen Frauentag wird Madona von den Arbeitskollegen wohl wieder keine Blumen bekommen. Deshalb will sie sich selbst ein Geschenk machen, zum Beispiel eine neue Frisur.

--- Zaza Rusadze


Kartenreservierung können ausschließlich über die Ticketkassen in allen DOK-Kinos und im Museum der bildenden Künste vorgenommen werden. Telefonische Reservierungen oder Reservierungen über unsere Homepage sind nicht möglich. Reservierte Tickets verfallen 1,5 Stunden vor Vorstellungsbeginn automatisch.

Weitere Informationen zu Altzaney+Madonna

Tailor+Genderblend Tailor+Genderblend

Tailor+Genderblend

DOK Leipzig 2017

78 min

Tailor
R: Calí dos Anjos, Brazil 2017, Animadoc, 10 min, OV with English subtitles

“I started drawing comic books at a time when I was depressed. Many people told me that it helped them a lot, helped them discover themselves.” Tailor from Rio de Janeiro is a transsexual. In his animated visual worlds he recounts his own problems and experiences and gives words and images to Miro, Tertuliana and Bernardo, too. A wild, playful, funny, serious, poetic mixture of comic, documentary and experience, by and about transgender persons.

„Als ich niedergeschlagen war, begann ich damit, Comics zu zeichnen. Viele Leute sagten mir, dass sie ihnen sehr geholfen haben, dabei, sich selbst zu finden.“ Tailor aus Rio de Janeiro ist transsexuell. In seinen animierten Bilderwelten berichtet er von eigenen Problemen und Erlebnissen und lässt auch Miro, Tertuliana und Bernardo zu Wort und Bild kommen. Eine wilde, spielerische, witzige, ernste, poetische Comic-, Dokumentar- und Erfahrungsmischung mit, über und von Transgender-Personen.

--- Frederik Lang

Genderblend
R: Sophie Dros, Netherlands 2017, Doc, 68 min, OV with English subtitles

Gender benders subvert dual gender images and refuse to be classified by the traditional categories of male and female. Each of the five protagonists in Sophie Dros’s light-footed documentary has already taken the first step out of this convention and all are about to discover their own identity outside the norm. Confronted by reactions varying between incomprehension, interest and open aversion they waver between defiance, doubt and enthusiasm about every step that follows. Finally, each of them manages to come a little closer to themselves. Even when the world around them – despite its curiosity – isn’t always ready to follow. Sophie Dros asks Lisa, Anne, Dennis, Lashawn and Selm about their experiences and dreams and creates enough space to let their different stories unfold on the narrative and visual level. While the football-playing twins Lisa and Anne seem to be impressively at ease with themselves, Dennis, Selm and Lashawn are in the middle of the transformation process and share their desires and contradictions. “Genderblend” celebrates them and their fight for a society in which gender no longer means two juxtaposed ideals but an individual and unique construction that encompasses both.

Genderbender unterlaufen duale Geschlechterbilder und verweigern sich der herkömmlichen Einordnung in die Kategorien Weiblich und Männlich. Jeder der fünf Protagonisten in Sophie Dros’ leichtfüßigem Dokumentarfilm hat den ersten Schritt hinaus aus der Konvention bereits hinter sich und ist dabei, die eigene Identität jenseits der Norm für sich zu entdecken. Konfrontiert mit Reaktionen zwischen Unverständnis, Interesse und offener Abwehr, schwanken sie zwischen Trotz, Zweifel und Enthusiasmus über jeden weiteren Schritt. Schließlich gelingt es jedem von ihnen, sich selbst ein kleines Stückchen näher zu kommen. Sogar dann, wenn die Außenwelt – trotz aller Neugierde – dafür manchmal noch nicht bereit ist. Sophie Dros befragt Lisa, Anne, Dennis, Lashawn und Selm nach ihren Erfahrungen und Träumen und nimmt sich Raum, ihre unterschiedlichen Geschichten erzählerisch und visuell zu entfalten. Während die fußballspielenden Zwillinge Lisa und Anne beeindruckend „bei sich“ zu sein scheinen, stecken Dennis, Selm und Lashawn mitten im Prozess der Transformation und lassen uns teilhaben an ihren Wünschen und Widersprüchen. „Genderblend“ feiert sie in ihrem Kampf um eine Gesellschaft, in der Gender nicht mehr für zwei einander entgegengesetzte Idealvorstellungen, sondern für eine individuelle und einzigartige Konstruktion im Sinne des Sowohl-als-auch steht.

--- Luc-Carolin Ziemann

Kartenreservierung können ausschließlich über die Ticketkassen in allen DOK-Kinos und im Museum der bildenden Künste vorgenommen werden. Telefonische Reservierungen oder Reservierungen über unsere Homepage sind nicht möglich. Reservierte Tickets verfallen 1,5 Stunden vor Vorstellungsbeginn automatisch.

Weitere Informationen zu Tailor+Genderblend

Li.Le+Sonnige Nacht Li.Le+Sonnige Nacht

Li.Le+Sonnige Nacht

DOK Leipzig 2017

95 min

Li.Le
R: Natia Nikolashvili, Georgia 2017, Animated Film, 10 min, Without Dialogue/Subtitles

A girl in an orange robe and a stag are walking through a freezing magic forest. All around them nature is hibernating. The rivers are frozen, the plants have wilted. But where does their path through the icy cold lead? The girl Li.Le begins to look for signs. She discovers clues, wants to interpret, perhaps even follow them. But at first the stag doesn’t like this … In Natia Nikolashvili’s animated fairy tale world hiking is one thing, finding out another. Is Li.Le experiencing a budding spring and a meeting of souls in the mind? Or do these images contain clues leading to reality?

Ein Mädchen im orangefarbenen Gewand und ein Hirsch wandern durch den kalten Zauberwald. Die Natur ringsherum ist im Winterschlaf versunken. Die Flüsse sind gefroren, die Pflanzen verwelkt. Doch wohin soll die Wanderung in der eisigen Kälte führen? Das Mädchen Li.Le beginnt, nach Zeichen zu suchen. Sie entdeckt Hinweise, will sie deuten, ihnen vielleicht sogar folgen. Aber der Hirsch findet daran zunächst keinen Gefallen … In Natia Nikolashvilis animierter Märchenwelt ist das Wandern die eine, das Herausfinden eine andere Sache. Erlebt Li.Le einen aufkeimenden Frühling und ein Seelentreffen in Gedanken? Oder gibt es in diesen Bildern Wegweiser in die Wirklichkeit?

--- Zaza Rusadze



Sonnige Nacht
R: Soso Dumbadze/Lea Hartlaub, Georgia/Germany 2017, Doc, 85 min, OV with English subtitles

A film about the church, nation, republic and people and their interrelationships in times of change, constructed completely of archive material found on the Internet by Lea Hartlaub and Soso Dumbadze. Their found footage essay is a chronological reconstruction of Georgia’s recent history – from independence to the present day. The arrangement of the sequences reveals the influence of the Orthodox Christian church, which has been growing continuously in the past decade. As its power increases it reserves the right to actively intervene in social processes. Today priests throw stones at LGBT protesters. Today, deeply religious women want to heal homosexuals with nettles.

Ein Film über Kirche, Nation, Republik und Volk und ihr Verhältnis in Zeiten des Wandels, vollständig aus Archivmaterial aufgebaut, das Lea Hartlaub und Soso Dumbadze im Internet fanden. Ihr Found-Footage-Essay rekonstruiert chronologisch die neueste Geschichte Georgiens – von der Unabhängigkeit bis in die Gegenwart. Ein- und Anordnung der Aufnahmen offenbaren den im vergangenen Jahrzehnt kontinuierlich gewachsenen Einfluss der christlich-orthodoxen Kirche, die sich mit zunehmender Macht auch das Recht nimmt, tatkräftig in gesellschaftliche Prozesse einzugreifen. Heute bewerfen Priester LGBT-Demonstranten mit Steinen. Heute wollen tiefgläubige Frauen die Homosexuellen mit Nesseln heilen.

--- Zaza Rusadze


Kartenreservierung können ausschließlich über die Ticketkassen in allen DOK-Kinos und im Museum der bildenden Künste vorgenommen werden. Telefonische Reservierungen oder Reservierungen über unsere Homepage sind nicht möglich. Reservierte Tickets verfallen 1,5 Stunden vor Vorstellungsbeginn automatisch.

Weitere Informationen zu Li.Le+Sonnige Nacht

8, Lenin Avenue

8, Lenin Avenue

DOK Leipzig 2017

101 min

8, Lenin Avenue
R: Anna Pitoun/Valérie Mitteaux, France 2017, Doc, 101 min, OV with English subtitles

Long-term observations have their own rules. They often evolve out of earlier film projects and a continued contact with the protagonists. Anna Pitoun and Valérie Mitteaux have followed their protagonist Salcuta Filan’s fate with the camera for almost 15 years, which allows them to draw a wide narrative arc and reveal developments. The first images, showing the citizens of Achères, a community to the north-east of Paris, trying to protect a Roma camp from evacuation were shot in 2003. That was when the first film about Salcuta and her two children, Denisa and Gabi, was produced, “Caravan 55”. The directors want to show that integration is possible, even for Roma, who are up against stronger prejudices than other immigrants. Right-wing populists use them as scapegoats to be made political examples of. Despite the warm-hearted helpers whose friendship with Salcuta’s family is real, everyday racism and antiziganism are clearly apparent, just like the shift to the right of the past few years which has changed the social climate in France. Nonetheless Salcuta grows from a shy, single widow to a confident matriarch who fights for her rights. In France she finds a voice she never had as a Romani in her home country of Romania.

Langzeitbeobachtungen haben ihre eigenen Regeln. Oft entwickeln sie sich aus vorherigen Filmen und dem anhaltenden Kontakt zu den Gefilmten. Anna Pitoun und Valérie Mitteaux haben das Schicksal ihrer Protagonistin Salcuta Filan über fast 15 Jahre mit der Kamera begleitet. Das erlaubt ihnen, einen großen Erzählbogen zu spannen und Entwicklungen aufzuzeigen. Die ersten Bilder, in denen die Bürger von Achères, einer Gemeinde nordöstlich von Paris, ein Roma-Lager vor der Räumung schützen wollen, wurden 2003 gedreht. Damals entstand „Caravan 55“, ein erster Film über Salcuta und ihre beiden Kinder Denisa und Gabi. Die Regisseurinnen wollen zeigen, dass Integration sehr wohl möglich ist, und zwar auch für Roma, denen größere Vorurteile als anderen Zuwanderern entgegenschlagen. Rechten Populisten dienen sie als Sündenböcke, an denen sich politische Exempel statuieren lassen. Trotz der herzlichen Helferinnen und Helfer, die Salcutas Familie in echter Freundschaft verbunden sind, werden auch alltäglicher Rassismus und Antiziganismus deutlich, ebenso der Rechtsruck der letzten Jahre, der das gesellschaftliche Klima in Frankreich veränderte. Dennoch entwickelt sich Salcuta von einer schüchternen, alleinerziehenden Witwe zu einer selbstbewussten Matriarchin, die für ihre Rechte kämpft. In Frankreich findet sie eine Stimme, die sie als Romni in ihrer Heimat Rumänien nie hatte.

---Sirkka Möller

Kartenreservierung können ausschließlich über die Ticketkassen in allen DOK-Kinos und im Museum der bildenden Künste vorgenommen werden. Telefonische Reservierungen oder Reservierungen über unsere Homepage sind nicht möglich. Reservierte Tickets verfallen 1,5 Stunden vor Vorstellungsbeginn automatisch.

Homage to Jay Rosenblatt 1 Homage to Jay Rosenblatt 1

Homage to Jay Rosenblatt 1

DOK Leipzig 2017

70 min

Restricted
R: Jay Rosenblatt, USA 2009, Doc, 1 min, OV

How poor the world would be without advice and prohibitions! “Take a chance! Don’t do it!” Or: anyone can do as they please, but not like this! An American haiku.

Wie arm wär’ doch die Welt ohne Ratschläge und Verbote? „Versuch dein Glück! Tu’s nicht!“ Oder auch: Jeder wie er will, aber so nicht! An American Haiku.

King of the Jews

R: Jay Rosenblatt, USA 2014, Doc, 18 min, OV with English subtitles

An investigation of Christian anti-Semitism. A historic found footage montage and an autobiographical essay, too.

Auseinandersetzung mit christlichem Antisemitismus. Eine historische Found-Footage-Montage. Auch ein autobiografischer Essay.

The Smell of Burning Ants
R: Jay Rosenblatt, USA 2009, Doc, 21 min, OV

How little humans are turned into real boys. A manual on how to achieve real masculinity. Fear and terror, shame and pain included.

Wie aus kleinen Menschen richtige Jungs werden. Eine Anleitung zum Erwerb echter Maskulinität. Angst und Terror, Scham und Schmerz inklusive.

Human Remai
R: Jay Rosenblatt, USA 2014, Doc, 30 min, OV with English subtitles

“The idea for the film began when I came across an image of Hitler eating. I was disturbed by the image of this monstrous person doing something so human.” (Jay Rosenblatt)

„Die Idee zu dem Film kam mir, als ich ein Bild von Hitler beim Essen sah. Mich verwirrte, dass diese monströse Person etwas so Menschliches tat.“ (Jay Rosenblatt)

Kartenreservierung können ausschließlich über die Ticketkassen in allen DOK-Kinos und im Museum der bildenden Künste vorgenommen werden. Telefonische Reservierungen oder Reservierungen über unsere Homepage sind nicht möglich. Reservierte Tickets verfallen 1,5 Stunden vor Vorstellungsbeginn automatisch.

Weitere Informationen zu Homage to Jay Rosenblatt 1

Homage to Jay Rosenblatt 2 Homage to Jay Rosenblatt 2

Homage to Jay Rosenblatt 2

DOK Leipzig 2017

62 min

Nine Lives: The Eternal Moment of Now
R: Jay Rosenblatt, USA 2001, Doc, 1 min, without Dialogue/Subtitles

A cat has nine lives. It’s dreaming of the previous eight, lounging in the eternal now.
Neun Leben hat die Katze. Sie träumt von ihren acht vorangegangen und räkelt sich dabei im ewigen Jetzt.


A Long Way from Home

R: Jay Rosenblatt, USA 2015, Doc, 3 min, OV

A hypothesis: if archaeologists had ever come across footage of the crucifixion of Christ, it could have looked like this.
Eine Hypothese: Wären Archäologen auf Filmmaterial von der Kreuzigung Christi gestoßen, dann könnte es wie das hier ausgesehen haben.


Afraid So
R: Jay Rosenblatt, USA 2006, Doc, 3 min, OV

There’s a lot to fear: rain, bounced checks or the imminent end of the world. An uncomfortable found footage film, inspired by a poem.
ieles kann man fürchten: Regen, geplatzte Schecks oder den bevorstehenden Untergang. Ungemütlicher Found-Footage-Film, inspiriert von einem Gedicht.


I Like It a Lot
R: Jay Rosenblatt, USA 2004, Doc, 4 min, OV

Jay Rosenblatt and his daughter Ella, aged two, on a trip to the ice cream parlour. Ella’s shirt is nice and clean at the start and totally filthy at the end.
Jay Rosenblatt und Tochter Ella, zwei Jahre alt, auf Spritztour zur Eisdiele. Am Anfang ist Ellas Hemdchen hübsch sauber, am Ende total verschmoddert.


Friend Good
R: Jay Rosenblatt, USA 2003, Doc, 5 min, OV

Mary Shelley’s Frankenstein and Boris Karloff’s interpretation on film. A “monster” becomes human. A cross media essay from 2003.
Mary Shelleys Frankenstein-Roman und Boris Karloffs Film-Interpretation. Ein „Monster“ und seine Menschwerdung. Ein Cross-Media-Essay anno 2003.


I’m Charlie Chaplin

R: Jay Rosenblatt, USA 2005, Doc, 8 min, OV

Ella Rosenblatt, first two and a half, then four, dressed as the Tramp. Another documentary family comedy.
Ella Rosenblatt, erst zweieinhalb, dann vier Jahre alt, im Kostüm des Tramps. Eine weitere dokumentarische Familienkomödie.


I Used to Be a Filmmaker
R: Jay Rosenblatt, USA 2003, Doc, 10 min, OV

Oh yes and oh no, to be a father. A former filmmaker follows his new vocation. 18 months in the lives of a father and his daughter.
Oh ja und oh nein, Vater sein. Ein ehemaliger Filmemacher geht seiner neuen Berufung nach. 18 Monate im Leben eines Vaters und seiner Tochter.


Phantom Limb
R: Jay Rosenblatt, USA 2005, Doc, 28 min, OV

A 28-minute walk through the different stages of grief. A powerful work.
28-minütige Durchwanderung der verschiedenen Stadien der Trauer. Ein wuchtiges Werk.


Kartenreservierung können ausschließlich über die Ticketkassen in allen DOK-Kinos und im Museum der bildenden Künste vorgenommen werden. Telefonische Reservierungen oder Reservierungen über unsere Homepage sind nicht möglich. Reservierte Tickets verfallen 1,5 Stunden vor Vorstellungsbeginn automatisch.

Weitere Informationen zu Homage to Jay Rosenblatt 2

The Minister of Garbage The Minister of Garbage

The Minister of Garbage

DOK Leipzig 2017

75 min

The Minister of Garbage
R: Quentin Noirfalisse, Belgium/France 2017, Doc, 75 min, OV with English subtitles

The Congolese artist Emmanuel Botalatala is working on his new assemblage. He fixes painted tombs, crosses and tanks made of garbage to a plywood board while a member of his team paints a blood-red street around the “African cemetery”. In the end the work is dominated by the colours of the German flag – an allusion to the European arms shipments that support the wars on this continent. Before Botalatala started to work as an artist in 1979 he was a teacher and bank clerk. The 68-year-old autodidact invariably points out that he never attended art school. The “Minister of Garbage” combs the garbage dumps of Kinshasa almost daily to collect material for his object paintings. He finds his subjects in the radio news. Resignations, violent dissolutions of rallies and a massacre with hundreds of victims are reported in the run-up to the presidential elections. Botalatala sacrifices a lot for his artistic and educational project, which would be unthinkable without the work of his wife and the self-styled “Vice Presidents”, while his male artist’s ego frequently shines through his socially engaged art. Even a “Minister of Garbage” wants to leave a legacy.

Der kongolesische Künstler Emmanuel Botalatala steckt mitten in der Arbeit an einer neuen Assemblage. Auf eine dünne Sperrholzplatte appliziert er bemalte und aus Abfällen gefertigte Gräber, Kreuze und Panzer, sein Mitarbeiter pinselt eine blutrote Straße um den „Friedhof Afrikas“. Am Ende dominieren die Farben der deutschen Flagge das Werk – eine Anspielung auf die durch europäische Waffenlieferungen unterstützen Kriege auf dem Kontinent. Botalatala arbeitet seit etwa 1979 als Künstler, zuvor war er Lehrer und Bankangestellter. Der 68-jährige Autodidakt legt großen Wert darauf, dass er nie eine Kunstschule besucht hat. Fast täglich unternimmt der „Abfallminister“ Streifzüge durch die Müllhalden von Kinshasa, um Material für seine Objektbilder zu sammeln. Die Themen findet er in den Radionachrichten. Im Vorfeld der geplanten Präsidentschaftswahlen werden Rücktritte, gewaltsame Auflösungen von Demonstrationen und ein Massaker mit hunderten Toten vermeldet. Für sein künstlerisch-erzieherisches Projekt, das ohne die Mitarbeit seiner Frau und der selbsterklärten „Vize-Präsidenten“ kaum denkbar wäre, bringt Botalatala viele Opfer. Dabei blitzt hinter seiner gesellschaftlich engagierten Kunst immer wieder sein männliches Künstlerego hervor. Auch ein „Abfallminister“ möchte Spuren hinterlassen.

---Esther Buss


Kartenreservierung können ausschließlich über die Ticketkassen in allen DOK-Kinos und im Museum der bildenden Künste vorgenommen werden. Telefonische Reservierungen oder Reservierungen über unsere Homepage sind nicht möglich. Reservierte Tickets verfallen 1,5 Stunden vor Vorstellungsbeginn automatisch.

Coal Heap Kids+Touching Concrete Coal Heap Kids+Touching Concrete

Coal Heap Kids+Touching Concrete

DOK Leipzig 2017

107 min

Coal Heap Kids
R: Frédéric Brunnquell, France 2016, Doc, 52 min, OV with English subtitles

There was a witticism among producers in old Hollywood that a great film must begin with an explosion and then work up to a climax. This film, shot in the former mining region of Northern France, starts with six explosions. What the brothers Théo (10) and Loïc (15) blow up may only be Chinese firecrackers, but they still announce in the first ten seconds that this is about something big: the poverty that plagues Théo’s and Loïc’s hometown of Lens and has eaten its way into all the crevices of the personal and the social like aggressive acid. Once upon a time one would have been justified in predicting a great future as working class heroes for the boys. But who would want to recommend this ethically charged and outdated model to a young person today? Who could?! “Coal Heap Kids” was made as a contribution to the “Infrarouge” documentary film series on French television. The energy that drives it is purely cinematographic, though. What does this mean? A film like this justifies the survival of documentary cinema. Once this sentence is written down, a lot of things become easier. Because in cases where a pounding heart will not (or cannot) be translated into sober words, a hug is sometimes all it takes!

Im klassischen Hollywood gab es dieses Produzenten-Bonmot, dass ein großer Film mit einer Explosion beginnen müsse, damit sich die Sache dann kontinuierlich steigern könne. Dieser Film, angesiedelt im ehemaligen Kohlerevier Nordfrankreichs, beginnt gleich mit sechs Explosionen. Es sind zwar nur China-Böller, die die beiden Brüder Théo (10) und Loïc (15) da hochgehen lassen, aber nichtsdestotrotz ist damit schon nach zehn Sekunden klar, dass es hier um Großes geht. Das Große ist die Armut, die Théos und Loïcs Wohnort Lens heimgesucht und sich in alle Ritzen des Persönlichen und Sozialen hineingefressen hat wie eine aggressives Säure. Früher wäre es statthaft gewesen, diesen Jungs eine glorreiche Zukunft als Working Class Heros vorauszusagen. Aber wer wollte heute dieses ethisch aufgeladene und von der Zeit überholte Vorbild noch einem jungen Menschen anempfehlen wollen?!? Oder können!?! „Coal Heap Kids“ ist entstanden als Beitrag für die Dokumentarfilmreihe „Infrarouge“ des französischen Fernsehens. Die Energie, die ihn speist, ist jedoch von purer kinematografischer Natur. Was das heißt? Ein Film wie dieser rechtfertigt das Überleben des dokumentarischen Kinos. Wenn so ein Satz erst einmal dasteht, geht vieles schon leichter. Denn für den Fall, dass ein großes Herzklopfen sich nicht geradewegs in sachliche Worte übersetzen will (oder kann), braucht es manchmal einfach eine Umarmung!

--- Ralph Eue


Touching Concrete

R: Ilja Stahl, South Africa/Germany 2017, Doc, 55 min, OV with German subtitles

An enriching encounter! Whether coincidental or stage-managed isn’t relevant for the further interactions between filmmaker and filmed subjects. Because that “feeling of being there” described by Richard Leacock as the essence of the documentary soon eclipses all doubts and reservations. Impressed by the sure sense of style with which Ilja Stahl establishes the “right” kind of intimacy with his youthful protagonists in an overpopulated neighbourhood of Johannesburg, one feels happy to be allowed to drift with 16-year-old Tebogo and 15-year-old Karabo through their turf as a spectator for one summer. Their turf, that’s underground car parks, high rise roofs, nocturnal streets, where they dawdle away the time, somewhere between boredom and energy to burn. The conflicts with their single mothers, however, the violence and death in the streets are omnipresent. Karabo feels the pressure more and more while Tebogo sees it as a continuous supply of material for games. He lives by the “anyway” principle when he balances on the parapet of a high rise roof or dances into the path of moving cars with friends and defies everything with a provoking smile. It’s touching how the future looms over these kids’ presence. But they refuse to allow it to rule them. At least not yet.

Eine bereichernde Begegnung! Ob zufällig oder herbeigeführt – das ist im weiteren Verlauf des Miteinanders zwischen Filmemacher und Gefilmten unerheblich. Denn tatsächlich überlagert dieses „Feeling of Being There“, das Richard Leacock als Essenz des Dokumentarischen bezeichnete, alle Zweifel und Einwände. Beeindruckt von der Stilsicherheit, mit der sich Ilja Stahl die „richtige“ Vertrautheit mit seinen jugendlichen Protagonisten in einer überbevölkerten Neighbourhood in Johannesburg erarbeitet hat, fühlt man sich zugleich glücklich, als Zuschauer einen Sommer lang mit dem 16-jährigen Tebogo und dem 15-jährigen Karabo durch ihr Revier treiben zu dürfen. Ihr Revier, das sind Tiefgaragen, Hochhausdächer, nächtliche Straßen. Zwischen Langeweile und überschüssiger Energie lassen sie die Zeit verstreichen. Allgegenwärtig sind allerdings auch die Konflikte mit ihren alleinerziehenden Müttern, die Gewalt und der Tod auf der Straße. Was Karabo zunehmend bedrängt, ist für Tebogo fortwährendes Spielmaterial. Er lebt das Prinzip Trotzdem, wenn er auf der Brüstung eines Hochhausdaches balanciert oder mit Freunden die fahrenden Autos antanzt und sich mit einem Lächeln provozierend über alles hinwegsetzt. Berührend, wie die Zukunft in die Gegenwart dieser Kids hineinragt. Aber sie wollen sich nicht von ihr bestimmen lassen. Zumindest noch nicht.

--- Ralph Eue


Kartenreservierung können ausschließlich über die Ticketkassen in allen DOK-Kinos und im Museum der bildenden Künste vorgenommen werden. Telefonische Reservierungen oder Reservierungen über unsere Homepage sind nicht möglich. Reservierte Tickets verfallen 1,5 Stunden vor Vorstellungsbeginn automatisch.

Weitere Informationen zu Coal Heap Kids+Touching Concrete

Folly+Baek-gu Folly+Baek-gu

Folly+Baek-gu

DOK Leipzig 2017

91 min

Folly
R: Thomas Corriveau, Canada 2016, Animated Film, 8 min, OV with English subtitles

Two men meet. One of them beats, the other is beaten. In memories the inevitability is set against the original reasons. Thomas Corriveau delivers a brilliantly artistic serial adaptation of “Pour un oui ou pour un non” by Nathalie Sarraute. The drawn traces of the main characters and the musical melodies diverge, are superimposed and press against each other. Repetitions and multi-perspectives to the point of exhaustion. To the blow.

Zwei Männer treffen aufeinander. Der eine schlägt, der andere wird geschlagen. In der Erinnerung steht die Unausweichlichkeit den ursprünglichen Gründen gegenüber. Thomas Corriveau adaptiert „Pour un oui ou pour un non“ von Nathalie Sarraute seriell, und das in großartiger künstlerischer Manier. Die zeichnerischen Spuren der Hauptfiguren und die musikalischen Melodien laufen auseinander, überlagern und bedrängen sich. Wiederholungen und Multiperspektive bis zur Erschöpfung. Bis zum Schlag.

---André Eckardt


Baek-gu
R: Boram Kim, South Korea 2017, Doc, 83 min, OV with English subtitles

A limping old dog lives in a shed in a quiet district of Seoul. If it was human it would be called a hermit. One day the director notices the dog and becomes curious. She talks to neighbours, passers-by, playing children, who all crossed paths with this dog but never noticed it, or came to some banal conclusion and then forgot it again. Their statements are as diverse as witness statements after an accident: if an identikit picture or psychological profile were assembled from them it would be a magnificently grotesque creature – perhaps a hybrid of Quasimodo and the donkey from Bresson’s “Balthazar”. In the course of the film, though, the statements respectively narratives respectively narrators themselves become more and more interesting. It seems as if every person there (only there?) lives in their own, separate world, rarely intersecting with the worlds of the others. A universe of melancholy. Who can tell what the director’s intention may have been at the start? She may simply, and rightly, have trusted that detours increase your local knowledge. Or followed the aphorism of the great Berlin pub-poet Jürgen K. Hultenreich: “Goals are in the way.”

Ein alter, hinkender Hund lebt in einem Verschlag in einem ruhigen Stadtteil von Seoul. Wäre er ein Mensch, würde man ihn einen Eremiten heißen. Irgendwanngeriet dieser Hund ins Blickfeld der Regisseurin und weckte ihre Neugier. Sie wendet sich an Nachbarn, Passanten, spielende Kinder, die alle den Weg dieses Hundes schon gekreuzt, aber nie besondere Notiz von ihm genommen oder sich irgendeinen banalen Reim darauf gemacht und ihn dann wieder vergessen haben. Die Auskünfte sind so disparat wie Zeugenaussagen nach einem Unfall: Würde man aus der Summe ein Phantombild oder ein psychologisches Profil erstellen, käme eine herrlich groteske Kreatur dabei heraus – vielleicht ein Mischwesen aus Quasimodo und dem titelgebenden Esel aus Bressons „Au hasard Balthazar“. Zunehmend interessant werden im Verlauf des Films indes die Zeugenaussagen beziehungsweise die Geschichten beziehungsweise die Geschichtenerzähler selbst. Offenbar lebt jeder Mensch dort (nur dort?) in seiner eigenen, separaten Welt. Kaum Überschneidungen mit den Welten anderer. Ein Universum der Melancholie. Wer vermag schon zu sagen, was die Absicht der Regisseurin am Anfang gewesen sein könnte? Möglicherweise hat sie einfach nur, und völlig zu Recht, darauf vertraut, dass Umwege die Ortskenntnis erhöhen. Oder sie verfuhr nach einem Aphorismus des großen Berliner Tresen-Dichters Jürgen K. Hultenreich: „Ziele stehen im Weg.“

---Ralph Eue


Kartenreservierung können ausschließlich über die Ticketkassen in allen DOK-Kinos und im Museum der bildenden Künste vorgenommen werden. Telefonische Reservierungen oder Reservierungen über unsere Homepage sind nicht möglich. Reservierte Tickets verfallen 1,5 Stunden vor Vorstellungsbeginn automatisch.

Weitere Informationen zu Folly+Baek-gu

Homage to Jay Rosenblatt 3 Homage to Jay Rosenblatt 3

Homage to Jay Rosenblatt 3

DOK Leipzig 2017

66 min

Drop
R: Jay Rosenblatt/Dina Ciraulo, USA 2000, Doc, 1 min, without Dialogue/Subtitles

The joys and toils of completely independent filmmaking when it was still analogue through and through.
Freud’ und Mühsal des ganz und gar unabhängigen Filmemachens als es noch ganz und gar analog war.


Prayer
R: Jay Rosenblatt, USA 2002, Doc, 3 min, without Dialogue/Subtitles

A reaction to the events of September 11th, 2001, in New York City.
Eine Reaktion auf die Ereignisse des 11. September 2001 in New York City.

Inquire Within
R: Jay Rosenblatt, USA 2012, Doc, 4 min, OV

Decisions without alternatives, daily dilemmas and real questions of trust.
Alternativlose Entscheidungen, alltägliche Zwickmühlen und echte Vertrauensfragen.

The D Train
R: Jay Rosenblatt, USA 2011, Doc, 5 min, without Dialogue/Subtitles

An old man on the subway. His life passes by him. In black and white. Singular and universal. A tribute to the filmmaker’s father.
Ein alter Mann in der U-Bahn. Sein Leben zieht an ihm vorbei. In Schwarz-Weiß und Farbe. Singulär und universal. Ein Tribut an den Vater des Filmemachers.

Brain in the Desert
R: Jay Rosenblatt/Jennifer Frame, USA 1990, Doc, 5 min, OV

It could have been romantic if not for the permanent disruptions by thoughts, insects and other creatures.
Es hätte romantisch werden können, wären da nicht immer diese dauernden Störungen durch Gedanken, Insekten und andere Kreaturen gewesen.


Short of Breath

R: Jay Rosenblatt, USA 1990, Doc, 10 min, OV

“A collage about birth, death, sex and suicide” as an essay about stopped breath – in a prologue and three chapters.
„Eine Collage über Geburt, Tod, Sex und Selbstmord“ als Versuch über das Atemstocken – in einem Prolog und drei Kapiteln.


I Just Wanted to Be Somebody
R: Jay Rosenblatt, USA 2006, Doc, 10 min, OV

An ironic tribute to Anita Bryant: advertising icon (Coca Cola, Tupperware), former beauty queen and activist in the American anti-gay movement.
Ironische Würdigung Anita Bryants: Werbe-Ikone (Coca-Cola, Tupperware), ehemalige Beauty-Queen und Aktivistin der amerikanischen Anti-Homosexuellenbewegung.


Four Questions for a Rabbi
R: Jay Rosenblatt/Stacy Ross, USA 2008, Doc, 12 min, OV

An examination of Jewish identity, persecution and mortality – started by the editor Stacy Ross, who died while working on this film.
Eine Untersuchung jüdischer Identität, Verfolgung und Sterblichkeit – von der Cutterin Stacy Ross begonnen, die während der Arbeit an dem Film verstarb.


The Claustrum
R: Jay Rosenblatt, USA 2014, Doc, 16 min, OV

Reflections about three women’s psychological disorders in the style of an educational film. The mental institution is both refuge and prison.
Im Tonfall eines Lehrfilms gehaltene Reflexion über die psychischen Störungen dreier Frauen. Die Anstalt ist Refugium und Gefängnis zugleich.


Kartenreservierung können ausschließlich über die Ticketkassen in allen DOK-Kinos und im Museum der bildenden Künste vorgenommen werden. Telefonische Reservierungen oder Reservierungen über unsere Homepage sind nicht möglich. Reservierte Tickets verfallen 1,5 Stunden vor Vorstellungsbeginn automatisch.

Weitere Informationen zu Homage to Jay Rosenblatt 3

Homage to Jay Rosenblatt 4 Homage to Jay Rosenblatt 4

Homage to Jay Rosenblatt 4

DOK Leipzig 2017

74 min


Worm
R: Jay Rosenblatt/Caveh Zahedi, USA 2001, Doc, 2 min, without Dialogue/Subtitles

Rain and a worm. A true childhood story, however unlikely it may sound!
Ein Regen und ein Wurm. Eine wahre Geschichte aus der Kindheit, selbst wenn sie noch so unwahrscheinlich klingt!


The Kodachrome Elegies
R: Jay Rosenblatt, USA 2017, Doc, 11 min, OV

The mentality of the “American Century” was recorded on Kodachrome stock (1935–2009). Especially the innocence it would have liked to have.
Auf Kodachrome-Filmmaterial (1935–2009) wurde die Mentalität des „amerikanischen Jahrhunderts“ festgehalten. Vor allem die Unschuld, die es gern gehabt hätte.


When You Awake
R: Jay Rosenblatt, USA 2016, Doc, 12 min, OV

A fascinating erotic trip into the no man’s land of the subconscious, which sheds a new light on the technique of hypnosis.
Faszinierend erotischer Trip ins Niemandsland des Unterbewusstseins, der die Technik der Hypnose in einem neuen Licht erscheinen lässt.


Beginning Filmmaking
R: Jay Rosenblatt, USA/Finland 2008, Doc, 23 min, OV with English subtitles

Another film starring Ella, now four years old. The message: careful when you choose professions for your own kids!
Ein weiterer Film mit Ella, hier vier Jahre alt. Die Botschaft: Vorsicht bei der Berufswahl für die eigenen Kinder!


The D Train
R: Jay Rosenblatt, USA 2009, Doc, 26 min, OV

A moving film meditation about suicide, compiled completely from old 16 mm educational films earmarked for destruction.
Bewegende filmische Meditation über den Selbstmord, vollständig zusammengestellt aus alten 16-mm-Lehrfilmen, die eigentlich vernichtet werden sollten.


Kartenreservierung können ausschließlich über die Ticketkassen in allen DOK-Kinos und im Museum der bildenden Künste vorgenommen werden. Telefonische Reservierungen oder Reservierungen über unsere Homepage sind nicht möglich. Reservierte Tickets verfallen 1,5 Stunden vor Vorstellungsbeginn automatisch.

Weitere Informationen zu Homage to Jay Rosenblatt 4

All I Imagine+Call Me Tony All I Imagine+Call Me Tony

All I Imagine+Call Me Tony

DOK Leipzig 2017

93 min

All I Imagine
R: Leonor Noivo, Portugal 2017, Doc, 30 min, OV with English subtitles

Emmy lays out Euro coins in a row: “That separates me from you, see?” There are actually more than a few coins between Emmy and André, two young adults from Alcoitão, a town in the Alcabideche municipality near Lisbon. Leonor Noivo’s direction is striking and highly professional, like many of the works coming from Portugal these days. It’s still a documentary – Noivo witnesses a biographical and emotional in-between state.

Emmy legt eine Linie mit Euromünzen aus: „Die trennt mich von dir, siehst du?“ In Wirklichkeit sind es mehr als ein paar Geldstücke, die zwischen Emmy und André liegen, zwei jungen Erwachsenen aus Alcoitão, einer Ortschaft in der Gemeinde Alcabideche bei Lissabon. Leonor Noivo inszeniert auffällig und zudem hochprofessionell, wie es derzeit vermehrt in Arbeiten aus Portugal zu beobachten ist. Dokumentarisch bleibt es dennoch – Noivo ist Zeugin eines biografisch-emotionalen Dazwischen.

--- Carolin Weidner


Call Me Tony
R: Klaudiusz Chrostowski, Poland 2017, Doc, 63 min, OV with English subtitles

Al Pacino, Robert De Niro or Dustin Hoffmann – these are the eccentrics, the non-conformists, in Konrad’s opinion. Men with exceptional style and intellect, which is why people can’t help giving them their whole attention. The young Pole feels especially close to Tony Montana, Al Pacino’s character in “Scarface”. At the start of the film he shaves the typical scar into one of his eyebrows. And if he can’t afford a white suite for the closing night ball, he can at least wear a blue one. He also spoons up food supplements, because Konrad is preparing for a bodybuilding competition. He wants to show the world that he’s special, too, that he can do something that will not be lost in the crowd. Konrad wants to stand out and he has clear visions. Just like Klaudiusz Chrostowski, who frames him with no fear of poses, makes abrupt cuts and by this blows Konrad up to big screen format. When his look over the shoulder after the competition meets the camera, when the bronze makeup runs from his muscles under the shower or when he stands in front of the coffee machine in his leather jacket we see larger-than-life images that Konrad knows how to fill, despite everything.

Al Pacino, Robert De Niro oder Dustin Hoffmann – das sind die Exzentriker, die Nonkonformisten aus Sicht von Konrad. Männer mit besonderem Stil und Intellekt, weswegen die Menschen gar nicht anders könnten, als ihnen ihre ganze Aufmerksamkeit zu schenken. Besonders nah ist dem jungen Polen Al Pacinos „Scarface“-Charakter Tony Montana. Gleich zu Beginn trimmt er in eine seiner Augenbrauen die typische Narbe. Und wenn es zum Abschlussball kein weißer Anzug sein kann, dann wenigstens ein blauer. Dazu löffelt er Kraftnahrung aus seiner Plastikdose, denn Konrad befindet sich mitten in den Vorbereitungen für einen Bodybuilding-Wettbewerb. Er möchte der Welt zeigen, dass auch er besonders ist, dass auch er etwas kann, dass er nicht in der Masse untergehen wird. Konrad will herausstechen und er hat klare Visionen. Ebenso wie Klaudiusz Chrostowski, der ihn mit Mut zur Pose berahmt, scharfe Schnitte macht und Konrad so auf Kinoformat bringt. Wenn nach dem Wettkampf sein Schulterblick die Kamera trifft, die Bronzefarbe unter der Dusche von seinen Muskeln rinnt oder er in Lederjacke vor einem Kaffeeautomaten steht, dann sind das große Bilder, denen Konrad trotz allem auf erstaunliche Weise gerecht zu werden weiß.

--- Carolin Weidner


Kartenreservierung können ausschließlich über die Ticketkassen in allen DOK-Kinos und im Museum der bildenden Künste vorgenommen werden. Telefonische Reservierungen oder Reservierungen über unsere Homepage sind nicht möglich. Reservierte Tickets verfallen 1,5 Stunden vor Vorstellungsbeginn automatisch.

Weitere Informationen zu All I Imagine+Call Me Tony