Mythos Freiheit // 1: KÖRPER

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Kurzfilme im Dezember

01.12.-19.12.
24 DAYS OF TORTURE
Ines Pagniez, Victoria Jardine

GB 2016
2:07 min

20.12.-30.12.
TURKEY
Harvey Benschoter

USA 2013
2:56 min

vor jedem Hauptfilm (ausgenommen Sonderveranstaltungen)

Die Cinémathèque Leipzig präsentiert alle Filme (soweit möglich) im Original mit Untertiteln


All films are shown in Original Version with subtitles (if possible)

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Mythos Freiheit // 1: KÖRPER

24.4.-2.5.2015

Webseite: Mythos Freiheit

Ein Projekt des Cinémathèque Leipzig e.V., des RosaLinde Leipzig e.V., der Amnesty International Hochschulgruppe Leipzig, des AIDS-Hilfe Leipzig e.V. und weiterer Partner*innen

Der Körper verleiht Gestalt. Allen Lebewesen verhilft er im biologischen Sinne zu einer Erscheinung und grenzt sie von der Umgebung ab. Der eigene Körper dient gleichzeitig als Refugium und Kommunikator. Er ist Arbeitsgerät, Leinwand, Mittel zum Zweck. Aber wie frei ist der Zugriff auf den eigenen Körper? Wie und warum haben Veränderungen der körperlichen Erscheinung in Geschichte und Gegenwart gesellschaftliche Akzeptanz und Ablehnung erfahren? Inwieweit verschafft oder nimmt der Eingriff in die körperliche Unversehrtheit Freiheit?
Von Menschen absichtlich hervorgerufene Körpermodifikationen sind so alt wie die “Menschheit” selbst. Funde von Jahrtausende alten Mumien weisen beispielsweise Zeichen wie Tätowierungen oder Narben auf, die auf ritualisierte Kenntlichmachung einer Person in Bezug auf eine bestimmte Personengruppe schließen lassen. Die „Markierung“ eines Menschen bedeutete in der Geschichte meist Zugehörigkeit oder Ausgrenzung: Sklavinnen und Sklaven wurden etwa mit Brandzeichen versehen, Häftlingen in den Konzentrationslagern des deutschen Nationalsozialismus eine Nummer tätowiert.
Zunächst ist wenig „Freies“ an den genannten Körperveränderungen festzustellen. Aufklärung und technischer Fortschritt schaffen eine Vielzahl an neuen Möglichkeiten.
Neben der streng binären Geschlechterordnung gibt es einerseits eine Vielzahl an Varianten und Identifikationsmöglichkeiten, andererseits wird das Geschlecht bis heute zwangsweise als „männlich“ oder „weiblich“ durch Mediziner*innen und den sozialen Diskurs zugewiesen.
Menschen mit körperlichen oder geistigen Handicaps fordern ihr Recht auf eine selbstbestimmte Sexualität ein und stoßen dabei nach wie vor auf Vorurteile, Ablehnung und ökonomische Barrieren.
Der eigene Körper ist scheinbar die letzte Bastion der Selbstbestimmung. Menschen versuchen, mittels extremer Körperbeanspruchung, z.B. sexuell motivierter „Verletzungen“, eine Art Trance, Entspannung oder ein Ablösen von der Lebensrealität zu erfahren.
Frauen* haben sich in den letzten 100 Jahren ein selbstbewusstes Körperbild erkämpft und können ihren Körper, ebenso wie Männer*, durch Mode, sportliche Betätigung, Essverhalten oder ästhetisch- chirurgische Eingriffe frei modifizieren oder an die herrschende gesellschaftliche Norm anpassen. Schwere Krankheiten lassen sich mittels Organspende von toten oder lebenden Körpern therapieren.
Der neuzeitliche „Bodycult“ wird schlechthin mit Freiheit assoziiert. Heute gilt die Modifikation als (modische) Abgrenzung, Lebensverlängerung und Leistungssteigerung.
Nicht zuletzt kann der menschliche Körper aktiv und selbstbestimmt zur geldwerten Reproduktion, eingesetzt werden, etwa im -frei gewählten- Beruf der Prostituierten*, der Pornodarsteller*in oder der Profifußballer*in. Im Bereich des illegalen Organhandels steht die Freiheit der Einzelnen* unter anderen Vorzeichen in Frage.
„Mythos Freiheit: Körper“ zeigt Zusammenhänge und Widersprüche im Körperverständnis auf und bringt sie durcheinander. Die Gegenüberstellung von Notwendigkeit und Spaß beim Benutzen und Verändern der menschlichen Hülle bildet die Grundlage der Diskussion um unser Verständnis von Freiheit.
Die Filme werden durch Diskussionen mit ExpertInnen begleitet.

Das Projekt "Mythos Freiheit" widmet sich in den Teilen KÖRPER, GEIST und SEELE im April, September und Dezember 2015 den politischen, individuellen, sozialen, kulturellen, juristischen und psychologischen Dimensionen der Freiheit in marktwirtschaftlich-demokratischen Gesellschaften innerhalb einer globalisierten Welt und illustriert Paradoxa, Spannungen und Widersprüche.
Ziel ist es, die herrschenden Verhältnisse im Hinblick auf eigene (Un-) Freiheiten zu hinterfragen und zu verändern.

Das Projekt wird gefördert durch den Fonds Neue Länder der Kulturstiftung des Bundes.

Begriffsklärung:
Sternchen (*) Mit dem Sternchen bei "männlichen" bzw. "weiblichen" Bezeichnungen wollen wir auf die Existenz von verschiedenen Identitätskonzepten von Weiblichkeit und Männlichkeit hinweisen, zum Beispiel trans* und cis oder hetero und lesbisch.