Utopia - Das Richtige im Falschen

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Monatsprogramm Juni 2018

SINGLE SIZE
Kurzfilme im Juni

05.06. – 15.06.2018
1st Date
Nils Knoblich
BRD 2007
1:55 min

16.06. – 28.06.2018
Zirkus
Nils Hedinger
CH 2015
1:39 min

vor jedem Hauptfilm (ausgenommen Sonderveranstaltungen)

A L I E N (USA/GB 1979)
Samstag, 30. Juni | 21.00
auf Leinwandbesuch

bei

»Deine Mutter! Ein Sommer mit Mutti«
2cl Sommerkino auf Conne Island
+ Special Guest & Cocktails

Die Cinémathèque Leipzig zeigt & projiziert alle Filme im Original mit Untertiteln (soweit möglich).


All films at Cinémathèque Leipzig are shown in Original Version with subtitles (if possible).

SAVE THE DATE
2cl Sommerkino auf Conne Island

30.06. – 02.09.2018 | more infos here

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Utopia - Das Richtige im Falschen

UNAUFHÖRLICHER ANFANG

Gibt es eine Zukunft der Utopie im Film?

Vor der Fra­ge nach dem Ver­hält­nis Film/Uto­pie muss die Fra­ge nach der Uto­pie selbst ste­hen:

Uto­pi­en sind nicht die Ver­welt­li­chung von Pa­ra­die­sen. Den­noch tei­len sie – ge­mein­hin – mit die­sen ein ima­gi­nier­tes Da­sein "pa­ra dies", nach den Ta­gen (des jet­zi­gen, re­spek­ti­ve ir­di­schen Le­bens). Und so fin­det die Ver­or­tung von Uto­pi­en im all­täg­li­chen Ge­brauch auch in jen­sei­ti­gen Sphä­ren, er­satz­wei­se auf fer­nen In­seln und an fik­ti­ven Or­ten statt. οὐτοπία, utopía, der Nicht-Ort, ist das "Land hin­ter dem Gries­b­rei­hü­gel" (Rolf Schwend­ter, "Uto­pie – Über­le­gun­gen zu ei­nem zeit­lo­sen Be­griff"), das in sei­ner häu­figs­ten Ver­wen­dung ei­ne un­er­reich­bar fer­ne, idea­le Ge­sell­schaft ver­kör­pert.

Die Ah­nen­rei­he ih­rer Be­sch­rei­bun­gen – von Pla­tons „Po­li­tei­a“ über Tho­mas Mo­rus Buch „Uto­pia“ (der den Be­griff da­mit 1516 er­fand) bis zum Früh-Ge­nos­sen­schaft­ler Robert Owen am Be­ginn des 19. Jahr­hun­derts (um nur grob ei­ne Li­nie zu mar­kie­ren) – ist ge­prägt von ei­ner tech­no­k­ra­ti­schen, dik­ta­to­ri­schen We­sens­art, die von heu­ti­gen Vor­stel­lun­gen ei­nes eman­zi­pier­ten, pa­ri­tä­ti­schen Le­bens weit ent­fernt ist.

En­de des 18. Jahr­hun­derts fin­den mit Olym­pe de Gou­ges oder Ma­ry Wools­tone­craft (üb­ri­gens die Mut­ter der Sc­höp­fe­rin des mo­der­nen Pro­me­theus Fran­ken­stein, Ma­ry Shel­ley) Gen­der-Über­le­gun­gen Ein­gang in die Uto­pie und nicht viel spä­ter kommt die Uto­pie selbst in mach­ba­rer und er­fahr­ba­rer All­täg­lich­keit an (zum Bei­spiel Ernst Blochs Be­griff der "kon­k­re­ten Uto­pie" oder p.m.'s Buch „bo­lo'bo­lo“ von 1983).

Die­se Ent­wick­lung scheint am so ge­nann­ten uto­pi­schen Film vor­bei ge­gan­gen zu sein. Bei Be­trach­tung ein­schlä­g­i­ger Ti­tel wie SH­AN­GRI LA, THINGS TO CO­ME, STAR WARS, AE­L­I­TA, BLA­DE RUN­NER, 1984, ZAR­DOZ, IM STAUB DER STER­NE usw. zei­gen sie sich mit un­ver­kenn­bar dy­sto­pi­schem, an­ti-uto­pi­schem Cha­rak­ter, bes­ten­falls wie­der­ho­len sie Mo­ti­ve von Pla­ton und fol­gen­den. Al­len­falls blei­ben sie Sci­en­ce-Fic­ti­on, der sich an der bür­ger­lich-ka­pi­ta­lis­ti­schen Welt ver­schluckt und – in Schock­star­re – düs­te­re Sze­na­ri­en malt.

"Die Uto­pie liegt in der Zu­kunft: das »nir­gend­wo« ist ein Land, das noch nicht da ist, aber durch un­ser Han­deln rea­li­siert wer­den soll. Un­ser Han­deln hin­ge­gen kann nur im Hier und Heu­te statt­fin­den und muss an den vor­ge­fun­de­nen Be­din­gun­gen an­knüp­fen." (Raul Ze­lik, El­mar Alt­va­ter, „Die Ver­mes­sung der Uto­pie“)

Film steht nicht au­ßer­halb von Ge­sell­schaft, in so­fern er nur sei­nen ei­ge­nen ge­sell­schaft­li­chen und kul­tu­rel­len Rah­men wi­der­spie­geln kann. Zwar ist fil­mi­sche Vor­stel­lung in der La­ge auf ei­ner tech­ni­schen Ebe­ne zu vi­sua­li­sie­ren was nicht exis­tiert, doch eben nur in vor­ge­nann­tem Zwang. Es gilt al­so zu er­ken­nen, ob ein Film nur vor­gibt uto­pisch zu sein, in Wir­k­lich­keit aber le­dig­lich die Reifrö­cke sei­ner Ge­schich­te durch Raum­an­zü­ge aus­tauscht.

Uto­pi­sche Fil­me müs­sen sich da­ran mes­sen las­sen, in­wie­fern sie Ge­gen­wär­ti­ges kri­tisch hin­ter­fra­gen und al­ter­na­ti­ves Han­deln sys­te­misch auf­zei­gen. Ge­lingt es ih­nen nicht, die den Men­schen struk­tu­rie­ren­den Kräf­te zu er­ken­nen, zu ana­ly­sie­ren, Al­ter­na­ti­ven zu En­de zu den­ken, blei­ben sie ober­fläch­li­cher Äst­he­tik ver­haf­tet. Um das We­sen ei­ner for­mu­lier­ten Uto­pie zu er­fas­sen, ist es auch un­ab­ding­bar, sich dar­über klar zu wer­den, wel­che zeit­ge­schicht­li­che Per­spek­ti­ve in den Per­so­nen der Au­to­ren­schaft (von der Re­gie über das Buch bis zur Pro­duk­ti­on) wirkt. Kurz, in­wie­weit die Fra­ge "Ist die Welt ve­r­än­der­bar oder ist sie es nicht?" be­ant­wor­tet wird. Und sie ve­r­än­dert sich, wie wir wis­sen, durch das Han­deln von Men­schen.

Das denkbare, sagbare, machbare verändern
Wenn die­se Maß­s­tä­be an un­ser täg­li­ches han­deln an­ge­legt wer­den, zeigt sich, dass die Gren­zen, die ein Heu­te von ei­nem uto­pi­schen Mor­gen tren­nen nicht exis­tie­ren. Denn das Heu­te ist das Loch, durch das die Mach­bar­keit in die Uto­pie schlüpft...

Das Pro­gramm von Uto­pia ist al­so auch der Ver­such, ei­nen An­satz für ei­nen kon­k­re­ten Be­griff des uto­pi­schen Films zu ge­ben.

Wie aber sieht dann uto­pi­scher Film aus? Un­se­re Rei­he wird es zei­gen. Und sie wird dar­s­tel­len, dass es durch­aus ei­ne Zu­kunft der Uto­pie im Film gibt – weil es ei­ne Zu­kunft der Uto­pie in der Ge­sell­schaft gibt.