We Live in Silence & Soleil Ô I mit Gespräch in der Cinémathèque Leipzig

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Liebe Freund*innen der Cinémathèque,

offiziell dürfen die Kinos in Sachsen wieder öffnen. Doch bevor es losgehen kann, braucht es ein gutes Konzept, damit sich der Kinobesuch für euch und unser Team so sicher wie möglich gestaltet. Auch ein Programm braucht ein paar Tage Vorlauf. Und dass es wirtschaftlich für viele kleine Kinos alles andere als optimal ist, wenn wegen (natürlich wichtiger) Abstandsregelungen nur mehr eine Handvoll Gäste in den Saal passt, ist auch klar. Wir geben unser Bestes, um Lösungen zu finden und so schnell wie möglich wieder für euch da zu sein. Habt bitte noch etwas Geduld mit uns.

Wenn ihr uns unterstützen möchtet, könnt ihr Kinogutscheine (6,50€ pro Stück + einmalig Porto) bei uns bestellen. Schreibt dazu eine Mail an info@cinematheque-leipzig.de.

Wir danken euch von Herzen für all eure Unterstützung und freuen uns, euch so bald wie möglich wiederzusehen!

Bleibt gesund, munter, solidarisch und cinephil!

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We Live in Silence & Soleil Ô I mit Gespräch We Live in Silence & Soleil Ô I mit Gespräch
  • Do 31.10. 19:00
    die naTo

We Live in Silence & Soleil Ô I mit Gespräch

paradoks

134 min

Sprache: Englisch
Language: English

+++English version below+++


Soleil Ô
Med Hondo, MRT/FR 1969, 98 min, OmeU
mit Robert Liensol, Théo Légitimus, Gabriel Glissant, Mabousso Lo

We Live in Silence

Kudzanai Chiurai, ZW 2017, 37 min, engl. OF


Aus der Filmreihe: paradoks

Dokumentarfilme und Spielfilme teilen sich die Wirklichkeit – wenn auch eine verschiedene und von verschiedenen Standpunkten aus. Während erstere ihren Anspruch in der Regel durch sorgfältiges Vermeiden oder Kaschieren jeglicher Inszenierung zu erwerben versuchen, schafft im Spielfilm gerade die Inszenierung und mit ihr das Erzeugen eines künstlichen Raums die Voraussetzung dafür, dass das Publikum das filmische Erlebnis als ein wirkliches wahrnimmt.
Doch was geschieht, wenn die Werkzeuge und Voraussetzungen des dokumentarischen Filmens auf den Spielfilm übertragen werden? Was geschieht, wenn der Spielfilm die Kontrolle über seine Inszenierung nicht nur aus der Hand, sondern aufgibt? Und was, wenn er sich dokumentarische Bilder zugunsten einer fiktiven Narration einverleibt?


„The original idea was to show tourist spots packed with blacks only. All of a sudden you would see Sacré-Cœur, and you would see only blacks. It would have had a powerful cinematographic impact. But the idea remained on paper and wasn’t translated into images." (Med Hondo, Jeune Cinéma, 1970)

SOLEIL Ô erzählt die Geschichte eines mauretanischen Migranten, der sich in Paris auf die Suche nach „seinen gallischen Vorfahren“ macht. Als filmisches Manifest versucht der Film die neuzeitliche Form der Sklaverei gegen Einwohner „zweiter Klasse“ aufzuzeigen: Mit dokumentarischen Sektionen, kleinen Animationen oder rituellen Aufführungen werden wirtschaftliche wie kulturelle Ausbeutung, Lebensbedingungen und allgegenwärtiger Rassismus vorgeführt und angeprangert.
Mit seinem 1970 in Cannes uraufgeführten und in Locarno mit dem Goldenen Leoparden ausgezeichneten Debüt SOLEIL Ô wurde Med Hondo schlagartig berühmt als Stimme eines avantgardistischen politisch engagierten afrikanischen Kinos.

Kudzanai Chiurai nimmt Hondos Film wiederum als Ausgangspunkt um darin dominierenden kolonialen Narrativen counter-memories gegenüberzustellen. Insbesondere bezieht er sich auf eine Aussage in SOLEIL Ô: „Es ist unabdingbar, Individuen auszuwählen, die in der Lage sind zu sprechen wie wir, zu denken wie wir, Wörter zu behalten, aufzunehmen, ja aufzunehmen wie wir und vor allem, ihnen dieselbe Bedeutung zu geben wie wir. So wird es Millionen weißgewaschener Schwarzer geben, weißgewaschen und ökonomisch versklavt.“ . In sieben aufwendig inszenierten Tableaus verschiebt Chiurai den Punkt, von dem aus SOLEIL Ô betrachtet werden kann. Sein Film kann als Dokument des Denkansatzes einer anderen filmischen Erzählung gesehen werden – oder gar als Dokument einer Leerstelle in ebendieser.


Mit Gespräch

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"paradoks" film series

Documentary and fiction films both draw on reality – even if their realities may differ and are approached from different angles. The former aims to carefully avoid or disguise any traces of intentional staging. In fiction films, it is precisely this mise-en-scène and the creation of an artificial space which forms a prerequisite for creating an authentic cinematic experience for the audience.
But what happens if the instruments and conditions of documentary filmmaking are transposed onto a fiction film? What happens if a fiction film not only shares but hands over control over its staging processes? And what happens if it incorporates documentary images to create a fictional narrative?


SOLEIL Ô tells the story of a Mauritanian migrant in Paris. As a formally advanced cinematic manifesto it denounces a modern form of slavery against „second-class“ residents. Kudzanai Chiurai again takes Hondo's film as a starting point to juxtapose dominant colonial narratives with counter-memory.

With discussion

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