Coal Heap Kids+Touching Concrete in der Cinémathèque Leipzig

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Programm Oktober

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Kurzfilme im Oktober

01.10.-13.10.
ANGRY KID - HORROR
Darren Walsh

GB 2000
1:32 min

14.10.-29.10.
GRAVEYARD SHIFT
Carlos Schvepper

CAN 2016
2:36 min

vor jedem Hauptfilm (ausgenommen Sonderveranstaltungen)

Die Cinémathèque Leipzig präsentiert alle Filme (soweit möglich) im Original mit Untertiteln


All films are shown in Original Version with subtitles (if possible)

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Coal Heap Kids+Touching Concrete Coal Heap Kids+Touching Concrete

Coal Heap Kids+Touching Concrete

DOK Leipzig 2017

107 min

Coal Heap Kids
R: Frédéric Brunnquell, France 2016, Doc, 52 min, OV with English subtitles

There was a witticism among producers in old Hollywood that a great film must begin with an explosion and then work up to a climax. This film, shot in the former mining region of Northern France, starts with six explosions. What the brothers Théo (10) and Loïc (15) blow up may only be Chinese firecrackers, but they still announce in the first ten seconds that this is about something big: the poverty that plagues Théo’s and Loïc’s hometown of Lens and has eaten its way into all the crevices of the personal and the social like aggressive acid. Once upon a time one would have been justified in predicting a great future as working class heroes for the boys. But who would want to recommend this ethically charged and outdated model to a young person today? Who could?! “Coal Heap Kids” was made as a contribution to the “Infrarouge” documentary film series on French television. The energy that drives it is purely cinematographic, though. What does this mean? A film like this justifies the survival of documentary cinema. Once this sentence is written down, a lot of things become easier. Because in cases where a pounding heart will not (or cannot) be translated into sober words, a hug is sometimes all it takes!

Im klassischen Hollywood gab es dieses Produzenten-Bonmot, dass ein großer Film mit einer Explosion beginnen müsse, damit sich die Sache dann kontinuierlich steigern könne. Dieser Film, angesiedelt im ehemaligen Kohlerevier Nordfrankreichs, beginnt gleich mit sechs Explosionen. Es sind zwar nur China-Böller, die die beiden Brüder Théo (10) und Loïc (15) da hochgehen lassen, aber nichtsdestotrotz ist damit schon nach zehn Sekunden klar, dass es hier um Großes geht. Das Große ist die Armut, die Théos und Loïcs Wohnort Lens heimgesucht und sich in alle Ritzen des Persönlichen und Sozialen hineingefressen hat wie eine aggressives Säure. Früher wäre es statthaft gewesen, diesen Jungs eine glorreiche Zukunft als Working Class Heros vorauszusagen. Aber wer wollte heute dieses ethisch aufgeladene und von der Zeit überholte Vorbild noch einem jungen Menschen anempfehlen wollen?!? Oder können!?! „Coal Heap Kids“ ist entstanden als Beitrag für die Dokumentarfilmreihe „Infrarouge“ des französischen Fernsehens. Die Energie, die ihn speist, ist jedoch von purer kinematografischer Natur. Was das heißt? Ein Film wie dieser rechtfertigt das Überleben des dokumentarischen Kinos. Wenn so ein Satz erst einmal dasteht, geht vieles schon leichter. Denn für den Fall, dass ein großes Herzklopfen sich nicht geradewegs in sachliche Worte übersetzen will (oder kann), braucht es manchmal einfach eine Umarmung!

--- Ralph Eue


Touching Concrete

R: Ilja Stahl, South Africa/Germany 2017, Doc, 55 min, OV with German subtitles

An enriching encounter! Whether coincidental or stage-managed isn’t relevant for the further interactions between filmmaker and filmed subjects. Because that “feeling of being there” described by Richard Leacock as the essence of the documentary soon eclipses all doubts and reservations. Impressed by the sure sense of style with which Ilja Stahl establishes the “right” kind of intimacy with his youthful protagonists in an overpopulated neighbourhood of Johannesburg, one feels happy to be allowed to drift with 16-year-old Tebogo and 15-year-old Karabo through their turf as a spectator for one summer. Their turf, that’s underground car parks, high rise roofs, nocturnal streets, where they dawdle away the time, somewhere between boredom and energy to burn. The conflicts with their single mothers, however, the violence and death in the streets are omnipresent. Karabo feels the pressure more and more while Tebogo sees it as a continuous supply of material for games. He lives by the “anyway” principle when he balances on the parapet of a high rise roof or dances into the path of moving cars with friends and defies everything with a provoking smile. It’s touching how the future looms over these kids’ presence. But they refuse to allow it to rule them. At least not yet.

Eine bereichernde Begegnung! Ob zufällig oder herbeigeführt – das ist im weiteren Verlauf des Miteinanders zwischen Filmemacher und Gefilmten unerheblich. Denn tatsächlich überlagert dieses „Feeling of Being There“, das Richard Leacock als Essenz des Dokumentarischen bezeichnete, alle Zweifel und Einwände. Beeindruckt von der Stilsicherheit, mit der sich Ilja Stahl die „richtige“ Vertrautheit mit seinen jugendlichen Protagonisten in einer überbevölkerten Neighbourhood in Johannesburg erarbeitet hat, fühlt man sich zugleich glücklich, als Zuschauer einen Sommer lang mit dem 16-jährigen Tebogo und dem 15-jährigen Karabo durch ihr Revier treiben zu dürfen. Ihr Revier, das sind Tiefgaragen, Hochhausdächer, nächtliche Straßen. Zwischen Langeweile und überschüssiger Energie lassen sie die Zeit verstreichen. Allgegenwärtig sind allerdings auch die Konflikte mit ihren alleinerziehenden Müttern, die Gewalt und der Tod auf der Straße. Was Karabo zunehmend bedrängt, ist für Tebogo fortwährendes Spielmaterial. Er lebt das Prinzip Trotzdem, wenn er auf der Brüstung eines Hochhausdaches balanciert oder mit Freunden die fahrenden Autos antanzt und sich mit einem Lächeln provozierend über alles hinwegsetzt. Berührend, wie die Zukunft in die Gegenwart dieser Kids hineinragt. Aber sie wollen sich nicht von ihr bestimmen lassen. Zumindest noch nicht.

--- Ralph Eue


Kartenreservierung können ausschließlich über die Ticketkassen in allen DOK-Kinos und im Museum der bildenden Künste vorgenommen werden. Telefonische Reservierungen oder Reservierungen über unsere Homepage sind nicht möglich. Reservierte Tickets verfallen 1,5 Stunden vor Vorstellungsbeginn automatisch.

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