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Frankreich
2011, OmU, 84 min,
Regie:
Céline Sciamma
mit
Zoé Héran,
Jeanne Disson,
Malonn Lévana
Es sind Sommerferien. Die zehnjährige Laure (wunderbar nüchtern: Zoé Héran) ist mit ihrer Familie umgezogen und muss sich nun mit den Kindern der neuen Nachbarschaft bekanntmachen. Allein: Laure will kein Mädchen sein. Sie ist ein "Tomboy", genetisch ein Mädchen, aber sonst ein Junge. Sie fühlt wie einer und benimmt sich wie einer. Und da so ein Neuanfang auch Chancen bietet, stellt sich Laure den Nachbarskindern als Mikaël vor und tastet sich über die Wochen des Sommers raufend und Fußball spielend mehr und mehr in ihre neue, befreiende Identität vor. Natürlich ist dieser Sommer der Freiheit von kurzer Dauer. Laure weiht zwar nur ihre Schwester in ihr schwieriges Manöver ein. Aber ihr Leben als Junge steht letztlich auf wackligen Füßen. Während die anderen Kinder und vor allem ein an Mikaël interessiertes Mädchen namens Lisa auf keinen Fall von Laure wissen dürfen, sollen die Eltern nicht erfahren, dass Laure am Baggersee als Mikaël bekannt ist. Das Ende ist absehbar, aber der Weg dorthin wird eindrucksvoll geschildert. Die Freude an der Freiheit ist ähnlich greifbar wie die ständige Angst vor ihrem Ende. Die eigentliche Qualität von Tomboy liegt vor allem in der Unaufgeregtheit und Wärme. Laure – beziehungsweise Mikaël – steht zwar vor den großen Fragen der Geschlechterpolitik, ist aber sonst wunderbar natürlich. Die Eltern werden als liebend und ehrlich verzweifelt gezeigt, können sich letztlich aber nicht in ihre Tochter einfühlen. Durch diese Darstellung und ihre farbenfrohen Bilder wird Tomboy zu einem verhältnismäßig eingängigen, leichtfüßigen Film. Was bei einem Film, in dem es um Gender- und Transgender sowie um Homo- und Transsexualität geht, ja wirklich nicht selbstverständlich ist.
Céline Sciamma gehört der neuen Generation der jungen französischen Filmemacher_innen an. „Meine Begeisterung fürs Kino wurde durch das junge französische Kino der 90er Jahre geweckt, Desplechin, Lvovsky, Rochant … Aber mir gefällt auch die Arbeit von Gus Van Sant und Larry Clark über das Thema der Jugendlichen, und natürlich nicht zu vergessen David Lynch“, erklärte sie in einem Interview für „Cineuropa“.
Die Cinémathèque zeigt den Film in der französischen Originalversion mit deutschen Untertiteln in der naTo. 35mm-Kinokopie.