Cinémathèque Leipzig - Archiv

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Das Archiv

zeigt alle Filme an, die seit 1998 im Programm der Cinémathèque Leipzig (vormals AG Kommunales Kino) zu sehen waren.

Möglich ist die Suche nach Film- oder Reihentitel.

Rechercheanfragen können uns gern auch per Email erreichen.

Wir bitten um Beachtung des Umstands, dass wir die gelisteten Filme nicht im Besitz haben und demzufolge auch nicht verleihen können.

 

 

  • 4.09.2005
    die naTo

Die Spur der SteineWas blieb von der Utopie?

Moderierte Kurzfilme für Heimat Moderne

110 min, Regie: Moderiertes Kurzfilmprogramm mit Gästen

Der Städtebau nahm im Sozialismus eine zentrale Stellung ein: mit ihm wollte man die Einlösung der politischen Ziele weithin sichtbar machen. Die Industrialisierung des Bauwesens wurde zum Beweis des wissenschaftlich-technischen Fortschritts und die sozialen Wohnungsbauprogramme der 70er Jahre zum Zeichen sozialpolitischer Kompetenz. Doch die Geschichte der sozialistischen Stadtplanung ist vor allem eine Geschichte der Desillusionierung - beispielhaft dargestellt in dem Kultroman »Franziska Linkerhand« (B. Reimann), in dem eine engagierte Architektin zwischen Bauvorschriften und 5-Jahresplänen ihre Illusionen verliert. Tatsächlich waren immer häufiger billig gebaute Plattenbausiedlungen am Stadtrand und verfallende Altbauviertel in den Innenstädten das Ergebnis der sozialistischen Stadtplanung. Nicht zuletzt die Unzufriedenheit mit dieser Situation brachte die Menschen im Herbst 1989 auf die Straße. Doch trotz aller Kritik an den Bausünden des Sozialismus sollte der Blick auf die dahinter stehende Utopie nicht verloren gehen. Das Filmprogramm zeigt vier aktuelle dokumentarische Arbeiten, die sich auf unterschiedliche Weise mit dem Erbe des sozialistischen Städtebaus auseinander setzen.
Es laufen:

Heute bauen wir ein Haus
Dok, Marat Magambetov, Sergej Losniza, 1996, 28min.
Communal Residence
Dok, Alina Rudnitskaya, 2002, OmeU, 13min
Sportfrei
Dok, Anna Klamroth, 2000, 13min
Wir haben eine ganze Stadt umgebaut
Dok, Marcel Neudeck, 2005, 10min

Zusatztexte zu den einzelnen Filmen:
Heute bauen wir ein Haus
M. Magambetov, S. Losniza, 1996, 35mm, 28min
Finstere Wolken ziehen am Himmel vorüber. In schlammige Pfützen fallen Regentropfen. Eine Baustelle irgendwo in Moskau, auf der äußerst gemächlich Männer und Frauen mittleren Alters eintreffen. Ohne jede Hast nehmen sie ihre Arbeit auf. Die Kamera dokumentiert jeden einzelnen kleinteiligen Arbeitsschritt, widmet sich in langen, photographisch präzisen Einstellungen unspektakulären Details und verfolgt mit horizontalen wie vertikalen Schwenkern die Bewegungen von Menschen und Dingen. Diese Bewegungsmuster ordnen sich nicht ohne Ironie in eine zyklische Bilderfolge ein, in der sich die Vollendung des Baus auf sublime Weise beschleunigt. „Heute bauen wir ein HausÒ hat sich inzwischen zum Kultfilm gemausert und kann gleichfalls als Allegorie des russischen Traumes wie des russischen Traumas gelesen werden.

Communal Residence
Alina Rudnitskaya 2002, BetaSP, 13min, OmeU
Die junge russische Filmemacherin Alina Rudnitskaya zeichnet in „Communal ResidenceÒ ein humorvolles Dokument eines Maklers in St. Petersburg, der versucht, die BewohnerInnen eines heruntergekommenen sozialen Wohnungsbaukomplexes zum Umzug in Privatwohnungen zu bewegen. Er stößt mit seinem Anliegen bei den zahlreichen Bewohnern der riesigen, gemeinsam genutzten Altbau-Kommunalwohnungen auf Belustigung, Unverständnis und offene Ablehnung. Die Mieter haben sich an das enge Zusammenleben mit ihren Nachbarn aus allen sozialen Schichten in einer Wohnung gewöhnt und möchten um keinen Preis der Welt anders leben. Das offensichtliche Scheitern des privatwirtschaftlich argumentierenden Maklers ist gleichzeitig ein Statement für Gemeindewohnungen im Sinne eines Anachronismus des 21. Jahrhunderts.

Sportfrei
Anna Klamroth, 2000, 16mm, 13min
Fünf Ostberliner Jungs haben die Ruine des verlassenen XXX-Schwimmstadions zum Spielplatz umfunktioniert. Sie kennen keine andere Art, sich das verfallene Gelände anzueignen, als es mit großer Mühe und Akribie weiter zu zertrümmern. So wird „SportfreiÒ unvermittelt zu einer Reflexion über Kapitalismus und Totalitarismus, zu einem Film über die "Abwicklung" der DDR. Der ebenso chaotisch-destruktive wie vielfältig-kreative Kapitalismus steht im Kontrast zu der über der über Archivbilder reanimierten Geschichte des Schwimmstadions als ruhmreicher Ort kommunistischer Sporterfolge und perfekt inszenierter Massenveranstaltungen. Dabei betreibt der Film weder Siegerjustiz noch nostalgische Rückschau. Die große Stärke dieser Dokumentation ist, dass sie Widersprüche stehen lässt und dem Zuschauer trotz aller politisch gewichtigen Themen, die sie anreißt, auch den teilweise trostlosen Alltag von fünf Jungen nahe bringt.

Wir haben eine ganze Stadt umgebaut
Marcel Neudeck, 2005, BetaSP, 10min
Orientiert an Volker Koepps Portrait einer Bauarbeiter-Brigade aus dem Jahr 1968 dokumentiert der heutige HFF-Student Marcel Neudeck den Rückbau einer Plattenbausiedlung in Berlin-Marzahn, die dort in den 60er Jahren errichtet wurde. In den Baukolonnen, die heute für den sogenannten Rückbau zuständig sind, finden sich auch eine Reihe von Koepps alten Protagonisten; Bauarbeiter, die heute das abreißen, was sie damals aufgebaut haben.

Lief zuletzt im September 2005