Cinémathèque Leipzig - Archiv

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Das Archiv

zeigt alle Filme an, die seit 1998 im Programm der Cinémathèque Leipzig (vormals AG Kommunales Kino) zu sehen waren.

Möglich ist die Suche nach Film- oder Reihentitel.

Rechercheanfragen können uns gern auch per Email erreichen.

Wir bitten um Beachtung des Umstands, dass wir die gelisteten Filme nicht im Besitz haben und demzufolge auch nicht verleihen können.

 

 

    Vier Frauen - vier Filme

    Wiener Blut

    Österreich 1996-99, 100 min, Regie: B. Albert, J. Hausner, K. Resetarits, M. Unger

    Growing up in Austria: Junge Frauen aus Wien & Umgebung - sie selbst wie auch ihre (Anti-)Heldinnen: Barbara Albert (NORDRAND), Jessica Hausner (LOVELY RITA), Kathrin Resetarits (ÄGYPTEN) und Mirjam Unger (TERNITZ TENNESSEE) bilden den Kern der "nouvelle vague viennoise", ihre Arbeiten avancierten zum Aushängeschild für eine progressive Ö-Filmproduktion. Früh zeigt sich die jeweils spezifische Handschrift der Regisseurinnen, denen nicht selten (vielleicht voreilig?) ein gemeinsamer Stil zugeschrieben wird: In allen Filmen geht es um die Suche nach Ausdrucksformen für präzise eingefangene Wahrhaftigkeiten, die in den Kinder-, Teenager- und Jungerwachsenenwelten aufbrechen, um sensible aber auch erschreckend brutale Wahrnehmungen von (weiblichen) Alltagsrealitäten, die prägen und quälen, reglementieren und funktionalisieren, - einer nur vermeintlich trivialen Normalität des gesund-neutralen, katholisch-liberalen Österreich der 80er und 90er Jahre entsprungen. Subjektive Blicke, die sich irgendwo zwischen dem Fiktiven und Dokumentarischen entfalten. Abgründe und Hintergründe, die die meist ruhig verharrende Kamera nur andeutet. Ein Spektrum an Sprechformen und Kommunikationen, das in einer Art Wiener Filmdialekt aufgeht.

    Die vier Beispiele schreiben quasi an einer virtuellen Biographie ("growing up in austria"): In DIE FRUCHT DEINES LEIBES (B. Albert, 1996) flieht die siebenjährige Natascha in eine kindliche Traumwelt, deren Symbolik und Logik einem katholisiert-sexualisierten Diskursgeflecht entstammt, das erst in der kindlichen Reflexion seine eigentliche Perversität offenbart.
    Ein wenig älter macht frau das, was des Teenies Lieblingsbeschäftigung zu sein scheint: telefonieren. Der Hörer verwandelt sich in ein Statussymbol, die Muschel in ein sinnliches Objekt, die Leitung gibt das Freizeichen für SPEAK EASY (M. Unger, 1997), einem Portrait von elf Jugendlichen, denen eines gemeinsam ist, der Drang zum Reden nämlich, darüber wie man sich so fühlt, wie es so läuft, wie es zwar eigentlich auch sein könnte, wie es aber ist und wie es vielmehr wäre wenn.
    J. Hausners FLORA (1996) zeichnet die alltäglichen Stationen der jugendlichen Sozialisation (Tanzschule, TV-Couch, Doppelbett) als enigmatisches, entfremdetes Universum, in dem jeder Schritt zum Balanceakt wird, jeder Blick falsch ankommen kann und alle Spielregeln vom Balzverhalten des Jungmannes diktiert werden. FREMDE schließlich, K. Resetarits zweiter Kurzfilm (1999), entfaltet langsam und behutsam aus dem Portrait einer jungen Frau mit Kind seine Milieustudie. Die Ordnung des Systems betrifft nicht nur das Arbeitsleben der Mutter an einem VIP-Schalter am Flughafen, sondern auch den Schulalltag der Tochter. Beiläufige Dialoge und die ausgeprägte Mundart erzeugen eine authentische Atmosphäre, die, obwohl zuhause in der heim.at, doch fremd bliebe, gäbe es da nicht immer wieder Momente der Annäherung und Intimität.