Cinémathèque Leipzig - Archiv

<< Dezember 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 heute morgen 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 >>
ABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZ

Das Archiv

zeigt alle Filme an, die seit 1998 im Programm der Cinémathèque Leipzig (vormals AG Kommunales Kino) zu sehen waren.

Möglich ist die Suche nach Film- oder Reihentitel.

Rechercheanfragen können uns gern auch per Email erreichen.

Wir bitten um Beachtung des Umstands, dass wir die gelisteten Filme nicht im Besitz haben und demzufolge auch nicht verleihen können.

 

 

  • Do 29.05. 20:15
    die naTo
  • Fr 30.05. 20:15
    die naTo
  • Sa 31.05. 20:15
    die naTo
  • 1.06.2003
    die naTo
  • 2.06.2003
    die naTo
  • 3.06.2003
    die naTo
  • 4.06.2003
    die naTo
  • 5.06.2003
    die naTo
  • 6.06.2003
    die naTo
  • 7.06.2003
    die naTo
  • 8.06.2003
    die naTo
  • 9.06.2003
    die naTo
  • 10.06.2003
    die naTo
  • 11.06.2003
    die naTo

Verloren im IrakAvazhaye sarzamine madariyam (Marooned in Iraq)

Leipzig-Premiere

Iran 2002, OmU, 97 min, Regie: Bahman Ghobadi
mit Alahmorad Rashtiani, Fa'eq Mohamadi, Iran Ghobadi

Angesiedelt in den letzten Tages des iranisch-irakischen Krieg (1987/88) erzählt der Film die Geschichte eines alten kurdischen Musikers, der sich mit seinen zwei Söhnen auf feindliches Territorium begibt - auf der Suche nach seiner Frau, einer Sängerin, die möglicherweise in größter Gefahr schwebt, seit sie mit dem besten Freund ihres Mannes durchgebrannt ist. Die Produktion des iranischen Regisseurs Bahman Ghobadi ("Zeit der trunkenen Pferde") schildert die Reise dreier kurdischer Musiker in den Norden des Irak, auf der Suche nach ihrer verschollenen Sängerin. Teils Roadmovie, teils politisches Drama, folgt der Film seinen Charakteren durch ein zerbombtes und verwüstetes Land und beweist sich angesichts der aktuellen Weltlage als brisantes und authentisches Zeitdokument. (Dialoge: Kurdisch und Farsi)
Der Film beginnt mit dem Porträt einer Gruppe wilder Gestalten, die auf einem von einem Traktor gezogenen Anhänger durch die staubige Landschaft des iranischen Kurdistan reisen. Barat ( Fa'eq Mohammadi) thront ganz oben auf seinem geliebten Motorrad mit Beiwagen, er ist auf dem Weg zu seinem alten Vater Mirza (Shahab Ebrahimi), den er zusammen mit seinem Bruder Audeh (Allah-morad Rashtiani) auf eine Reise über die Grenze und in den Irak begleiten soll. Mirza will seine Exfrau, die beinahe mystisch verehrte Sängerin Hanareh (Iran Ghobadi), wiederfinden. Sie und Seyed, der Mann, mit dem sie vor 23 Jahren weggelaufen war, waren Mitglieder von Mirzas berühmter Musikband. Obwohl die Familie Hanareh wegen der Schande, die sie ihr bereitet hat, verflucht, liebt Mirza sie immer noch.
Gleich zu Beginn der Reise entsteht ein Streit, der ob seiner Komik zum Schmunzeln einlädt: Audeh beklagt sich lauthals, dass er seine 7 Frauen und 13 Töchter unbeaufsichtigt zurücklassen soll, auch der Junggeselle Barat stimmt zu, dass diese Reise eine einzige Zeitverschwendung sei. Doch sie wissen nicht, dass Mirza ihnen die Wahrheit noch verschweigt - Hanareh ist in Schwierigkeiten und benötigt dringend seine Hilfe. Also geht es zu dritt auf dem Motorrad los.
Das unheilvolle Dröhnen der Bomber, die den Himmel durchschneiden und ihre tödliche Last über kurdischen Dörfern abladen, begleitet sie die ganze Zeit. Der iranisch-irakische Krieg ist mittlerweilen vorbei. Das neue Ziel von Saddam Husseins Kriegsmaschinerie ist nun die Auslöschung der irakischen Kurden geworden. Tausende Flüchtlinge strömen auf der Suche nach Schutz in den Iran. In einem riesigen Zeltlager voller Vertriebener versucht Mirza, etwas über Hanareh in Erfahrung zu bringen.
Die drei Musiker, überall bekannt auf ihrem Weg, geraten in eine Dorfhochzeit. Ihr Tamburin, die Blas- und Saiteninstrumente verursachen eine wunderbare Kakophonie, von den Dorfbewohnern frenetisch gefeiert. Mirza versucht in der Zwischenzeit, einem bis zum Hals im Boden eingegrabenen Mann weitere Informationen über Hanareh zu entlocken. Nachdem sie von angeblichen Polizisten um ihre Kleidung, Instrumente und das Motorrad erleichtert wurden, geht die Reise eben als Anhalter oder zu Fuß weiter. Die staubigen Dörfer des Irans werden von einer verschneiten Berglandschaft abgelöst, der Schnee in der Ferne gesprenkelt mit dunklen Flecken: Schmuggler mit ihren überladenen Eseln. Eine hitzige Schlägerei entbrennt, als Barat das gestohlene Motorrad, zerlegt und festgezurrt auf einem Eselsrücken, entdeckt. Rings um dieses Tollhaus schlagen die Bomben ein...
Niemand beachtet auch nur im Geringsten zwei Polizisten, die am Rande auftauchen: in Unterwäsche und mit Handschellen aneinander gefesselt.
Die drei Musiker schlagen sich weiter durch den Schnee und landen in einem Lager für Waisenkinder. Sie singen Hanareh's Lieder für die Kleinen, und immer wieder liefert der Lärm der Bomber den tödlichen Kontrapunkt zu ihrer Musik.
Voller Mitgefühl entscheidet der eigentlich so lümmelhafte Audeh, der sich immer einen Sohn wünschte, zwei Jungen zu adoptieren und in den Iran mitzunehmen.
Der eitle Barat nimmt endlich seine Motorradbrille ab und macht ernsthaft einer jungen Frau den Hof, die in den Massengräbern ihren Bruder sucht. Mirza lässt seine Söhne zurück, um den letzten Teil der Reise alleine anzutreten. In einem Camp voller Witwen, viele von Chemiewaffen entstellt oder tödlich verwundet, findet er nur vielleicht das, was er gesucht hat. Doch auch er wird nicht alleine zurück kommen.

Lief zuletzt im Juni 2003