Cinémathèque Leipzig - Archiv

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Das Archiv

zeigt alle Filme an, die seit 1998 im Programm der Cinémathèque Leipzig (vormals AG Kommunales Kino) zu sehen waren.

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Rechercheanfragen können uns gern auch per Email erreichen.

Wir bitten um Beachtung des Umstands, dass wir die gelisteten Filme nicht im Besitz haben und demzufolge auch nicht verleihen können.

 

 

  • 13.12.2002
    die naTo
  • 14.12.2002
    die naTo

Uttara

Leipzig-Premiere

Indien 2000, OmU, 99 min, Regie: Buddhadeb Dasgupta

Balaram und Nemai sind zwei lebensfrohe Männer, die im tiefsten Bengalen als Bahnwärter arbeiten. In jeder freien Minute trainieren sie Ringkampf. Der Priester des Weilers hilft den Christen, einer Gemeinschaft von Zwergen und der einheimischen Bevölkerung. Er hat einen jungen Hindu-Waisen adoptiert und sorgt für ihn genauso wie für ein paar Landstreicher, die an seinem Tisch willkommen sind. Balarams Heirat mit der schönen Uttara, die er eines Tages von einer längeren Reise zu Verwandten mit zurück gebracht hat, führt zu Spannungen zwischen den beiden Freunden und dazu, dass ihre fast schon liebevollen Ringereien auf dem Hügel hinter den Bahngeleisen immer verbissenere Formen annehmen. Die friedliche Stimmung des Fleckens ist aber noch andersweitig getrübt: Ein paar Fundamentalisten beschliessen, den Priester zu beseitigen. Sie stecken seine Kapelle in Brand. Uttara möchte eingreifen, aber sie schafft es aus eigener Kraft nicht. Und ihre ringenden Männer lassen sich nicht ablenken von ihrem Spiel.
Der Bengale Buddhadeb Dasgupta ist ein Poet, ob er Gedichte und Erzählungen schreibt oder Filme macht. In UTTARA regagiert er mit Poesie auf die Intoleranz, die in seiner Heimat wie an vielen anderen Orten dieser Welt tagtäglich in Religionskonflikten mündet und in Kriegen ausartet. Weil sein Ansatz ein poetischer ist, wirkt der Film trotz seines bedrückenden Themas schwebend leicht. Wie schafft Dasgupta das? Ganz einfach: Indem er von der Liebe erzählt und von der Freundschaft, indem er die Wirklichkeit aufbricht und in seinen traumhaft schön fotografierten Bildern und einer ausgeklügelten Tonspur Ahnungen von anderen Räumen der Existenz wahrnehmbar werden lässt.
Dasguptas Film hat trotz seinem direkten Bezug zum Alltag etwas ungemein Sanftes, in den Beziehungen zwischen den beiden Freunden, in der Figur der schönen Uttara, in den musizierenden Masken auch, die sich ab und an durchs Bild bewegen. Der Himmel ist dominant, die Menschen erscheinen oft als Konturen an der Nahtstelle zwischen Erde und Himmel, und Zwerge sind es, die von einer anderen Daseinsform künden.

Lief zuletzt im Dezember 2002