Cinémathèque Leipzig - Archiv

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Das Archiv

zeigt alle Filme an, die seit 1998 im Programm der Cinémathèque Leipzig (vormals AG Kommunales Kino) zu sehen waren.

Möglich ist die Suche nach Film- oder Reihentitel.

Rechercheanfragen können uns gern auch per Email erreichen.

Wir bitten um Beachtung des Umstands, dass wir die gelisteten Filme nicht im Besitz haben und demzufolge auch nicht verleihen können.

 

 

  • 10.05.2001
    die naTo
  • 11.05.2001
    die naTo
  • 12.05.2001
    die naTo
  • 13.05.2001
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  • 14.05.2001
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  • 15.05.2001
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  • 16.05.2001
    die naTo

Untersuchung an Mädeln

Leipzig-Premiere

Österreich 1998, dtF, 90 min, Regie: Peter Payer
mit Anna Thalbach, Elke Winkens, Max Tidof, Otto Sander

"Für Männer ist die Liebe nur ein Trieb, der sich vom Harnlassen kaum unterscheidet", sinniert Stella Blumauer (Anna Thalbach) in ihrer Zelle, in der sie auf den Anfang vom Ende wartet. Esmeralda Nemetz (Elke Winkens) wartet schweigend in der Zelle nebenan. Die beiden Freundinnen wurden vom Viehhändler Josef Trummer in seinem Wagen mitgenommen und sexuell mißbraucht. Für den von sexuellen Phantasien gequälten Untersuchungsrichter Baldur Meixner (Otto Sander) gibt es keine Zweifel: Die animalisch-erotische Ausstrahlung der Mädel hat den Viehhändler getötet. Frauen sind Täter. Die Leiche wird niemals gefunden. Dass Trummers Pass fehlt, scheint die bigotten Ordnungshüter nicht zu stören. Frauen, die sich wahllos dem männlichen Geschlecht hingeben, sind für ihre möglichen Taten zur Verantwortung zu ziehen. "Im Namen des Volkes." Nur Harald Poppinger (Max Tidof) glaubt an die Unschuld seiner Gespielinnen.
Nach dem gleichnamigen Roman des Autors und Rechtsanwalts Albert Drach hat Peter Payer die "Untersuchung an Mädeln" in Szene gesetzt, in protokoll-ähnlich begleiteten Rückblenden wird die Vorgeschichte aufgerollt. Peter Payers tragikomische Kriminalgeschichte über eine Hexenjagd in Zeiten eines nur scheinbar modernen Rechtssystems macht von Anfang an klar, daß der wahre Fall "Patriarchat" heißt. Nach und nach läßt er zwei Frauenfiguren entstehen, wie sie einschlägig männlichen Vorstellungen entsprechen: Stella und Esmeralda sind attraktiv, jung und lebenshungrig - für die einen eine Chance, für andere eine Bedrohung. Die Forschheit (und Plumpheit) ihrer Liebhaber (und Verfolger) macht das Ganze zur saloppen Satire auf eine Männerwelt, deren Gedankengänge bestenfalls zwischen den Beinen durchführende Engpässe sind.
Holprig-eigenwilliges, zugleich gestyltes Kino - sehr österreichisch eben, das genußvoll jenes Maß an Schaulust provoziert, dem der Spott im Grunde gilt.

Lief zuletzt im Mai 2001