Cinémathèque Leipzig - Archiv

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Das Archiv

zeigt alle Filme an, die seit 1998 im Programm der Cinémathèque Leipzig (vormals AG Kommunales Kino) zu sehen waren.

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Rechercheanfragen können uns gern auch per Email erreichen.

Wir bitten um Beachtung des Umstands, dass wir die gelisteten Filme nicht im Besitz haben und demzufolge auch nicht verleihen können.

 

 

  • 12.12.2002
    die naTo
  • 6.02.2003
    die naTo

Ausländer raus! Schlingensiefs Container

Leipzig-Premiere

Österreich 2001, 90 min, Regie: Dok, Paul Poet
mit Christoph Schlingensief, Gregor Gysi

"Big Brother" als sozialpolitische Satire. Menschenverachtung als Unterhaltung: Ein Abschiebecontainer für Asylanten, öffentlich, interaktiv betretbar und beeinflussbar. Ein Scheinstück, das „das neue Europa" aufwiegelte, das „schwarze EU-Schaf" Österreich im Besonderen. Bilder von den neuen „Letzten Tagen der Menschheit". Massenhysterie, brüllende Menschen auf Wiener Innenstadtplätzen: Ihre Auftritte dienten Karl Kraus noch zur bissig geschilderten Enthüllung des Taumels in den Untergang des 1.Weltkriegs. Der Philosoph Peter Sloterdijk spricht heute dagegen vom „verrückt spielenden Immunsystem" einer „feindlos gewordenen Gesellschaft" - zumindest angesichts dessen, was im Sommer 2000 neben der Wiener Oper geschehen war. Der renommierte wie berüchtigte deutsche Schockregisseur Christoph Schlingensief - dessen in zahlreichen öffentlichen Aktionen, Theateraufführungen, Spielfilmen und Hörspielen erprobte Methode aus der Kombination sozialpolitischer Probleme mit populärkulturellen Mustern und Figuren besteht -, verwirklichte für eine Woche die Angstvision der EU: Ein Containerlager für Asylanten mitten im touristischen Zentrum Wiens, rund um die Uhr beschallt mit rassistischen Ansprachen der FPÖ-Erfolgsfigur Jörg Haider und beklebt mit dessen fremdenfeindlichen Wahlplakaten. Das Containercamp war der Fun-Kultur der Reality-TV-Show „Big Brother" nachempfunden. Ganz Europa konnte per Internetüberwachung zum fremdenfeindlichen „Österreicher" werden und durch „spaßige" Webwahl Ausländer abschieben. Gleichzeitig wurden Regierung wie Öffentlichkeit aufgefordert, das „Ausländer-raus"-Schild vom Container zu beseitigen - als Zeichen einer weltoffenen Demokratie, natürlich um den Preis freier Meinungsäußerung. Schlingensiefs Ziel war überdeutlich: Die Weltöffentlichkeit einem Test zu unterziehen, der sie mit der medialen Perversion eines „Big Brother" UND mit der global verstärkt auftauchenden neuen Rechts-Lastigkeit konfrontierte. Die künstlerische Form des Happenings war dazu genauso wirksam wie die Platzierung in Österreich als dem Land, in dem als erstem seit dem 2.Weltkrieg eine extrem rechts stehende Partei an der Regierung beteiligt wurde.

Lief zuletzt im Februar 2003