Cinémathèque Leipzig - Archiv

<< Dezember 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 heute morgen 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 >>
ABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZ

Das Archiv

zeigt alle Filme an, die seit 1998 im Programm der Cinémathèque Leipzig (vormals AG Kommunales Kino) zu sehen waren.

Möglich ist die Suche nach Film- oder Reihentitel.

Rechercheanfragen können uns gern auch per Email erreichen.

Wir bitten um Beachtung des Umstands, dass wir die gelisteten Filme nicht im Besitz haben und demzufolge auch nicht verleihen können.

 

 

  • 1.05.2002
    die naTo

Not Intended for Laughs - Cartoons for crowds and pest control

American Outlaw Cinema II: Music, Sex & War

USA 1918-70, OF, 90 min, Regie: zusammengestellt und eingeleitet von Dennis Nyback

Animation ist Kinderkram? Lustig? Albern? Nur wenn man die Auswahl des Cartoon Networks als repräsentativ fürs Genre ansieht! Denn Animation ist viel mehr: sie ist nicht nur für politische und Kriegspropaganda eingespannt worden und nicht nur zur Veranschaulichung von Tatsachen in wissenschaftlichen Filmen, die anders nicht visualisiert werden konnten sondern entwickelte sich schon in den frühen Tagen des Kinos zur eigenen Kunstform.
Mit Animation als (politischer) Kunst beginnt dann auch dieses Programm - mit The Sinking of the Lusitania (1918) von Winsor McKay, einem der frühen Meister des Trickfilms. Der Film zeigt das tragische Schicksal der Lusitania, einem Passagierschiff, das im 1. Weltkrieg von einem deutschen U-Boot versenkt wurde.
Ladislav Starewicz gilt als Erfinder der Stop-Motion-Animation und als einer der größten Trickfilmer aller Zeiten. Sein Song of the Nightingale (1923) erzählt rührend von einer Nachtigall, die von einem kleinen Mädchen im Käfig gehalten wird und seine geliebte Nachtigallen-Frau nicht treffen kann.
Aber nach diesem eher ernsten Beginn wendet sich das Programm rasch dem Animationsfilm als Propaganda- / Auflärungsmedium zu. Damals nicht zum Lachen bestimmt, bietet so mancher der nun folgenden Filme doch eine gehörige Portion (oft unfreiwilligen) Humors.
So zum Beispiel Doomsday for Pests (von Jerry Fairbanks, 1952), der den großflächigen Einsatz von DDT propagiert - natürlich im Auftrag der Herstellerfirma dieses nicht nur für Insekten schädlichen Giftes. Da werden fleißig Kinderbetten und Fruchtregale im Gemüseladen mit der krebs-erzeugenden Tunke eingepinselt - kein Wunder, daß die Auftraggeberfirma später versuchte, alle Kopien dieses Films zu vernichten. Ist aber nicht so ganz geglückt...
Weniger kontrovers aber ebenso naiv sind Mankind and Petroleum (1957), der das Erdöl als lebensspendende Kraft preist als auch Happay Little Bluebird Valley (1955), der behauptet, daß Wasserkraftwerke gut für die Tiere in der freien Wildbahn sind.
Conception and Contraception (1970) schließlich illustriert die verschiedenen Wege der Geburtenkontrolle im animierten, leicht verfremdeten Detail. Da überrascht es nicht, wenn der Sex-Akt des kondom-bewehrten Penis' wie der Andockungsversuch eines Raumschiffs aussieht...
Animation kann ernsthaft sein - aber zuviel Ernst bei der Sache erzeugt eben manchmal das Gegenteil.
Johannes Schönherr

Lief zuletzt im Mai 2002