Cinémathèque Leipzig - Archiv

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Das Archiv

zeigt alle Filme an, die seit 1998 im Programm der Cinémathèque Leipzig (vormals AG Kommunales Kino) zu sehen waren.

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Wir bitten um Beachtung des Umstands, dass wir die gelisteten Filme nicht im Besitz haben und demzufolge auch nicht verleihen können.

 

 

Die Mühle und das Kreuz Die Mühle und das Kreuz
  • 3.06.2016
    die naTo

Die Mühle und das Kreuz

Un-cut: Die Ästhetik der schnittlosen Montage

Polen/Schweden 2011, OmU, 92 min, Regie: Lech Majewski
mit Rutger Hauer, Charlotte Rampling, Michael York
Format:DCP

Sprache: Englisch,Spanisch mit deutschen Untertiteln
Language: Castilian; Spanish,English with german subtitles

Zwischen Real- und Animationsszenen hin- und herwandernd, kreist der Film um die Entstehung des berühmten Gemäldes »Die Kreuztragung Christi« (1564) von Pieter Bruegel, taucht in seine fantastische und zugleich brutale Bildwelt ein und erweckt sie zum Leben.

Ein Tag im Flandern des Jahres 1564. Mit der aufgehenden Sonne beginnt der Müller sein Tagewerk in der Mühle auf dem Berg. Unten im Tal beginnen die Bauern und Händler ihre Arbeit. Plötzlich sprengen blutrotgekleidete Reiter des spanischen Königs in die Idylle und nehmen einen Kuhbauern als Gefangenen, der wenig später brutal hingerichtet wird. Zur selben Zeit macht sich der gefeierte Maler Pieter Bruegel auf, Ideen für ein Kreuzigungsgemälde zu sammeln. Inspiriert von den grausamen Vorgängen in seiner Heimat beschließt er, die bekannte Geschichte aus der Bibel in die Gegenwart zu übersetzen.

In unserer aktuellen Ausgabe von »Uncut« wollen wir die Idee der ungeschnittenen Montage auf Lech Majewksis Kinoexperiment »Die Mühle und das Kreuz« (2011) übertragen, das eine Verfilmung von Pieter Bruegels Gemälde »Die Kreuztragung Christi« (1564) darstellt. Majewski malte einen gigantischen Bildhintergrund im Stil Bruegels, auf dem dann die »realen« Filmaufnahmen projiziert wurden. Vor den Augen des Publikums entsteht ein betörendes Bild-Hybrid, das eine Auswahl von Figuren aus Bruegels 500-Figuren-Ensemble herauslöst und ihre Geschichten erzählt. Das Bild wird auf eine überraschende Weise lebendig, vor allem dort, wo selbst der Maler Bruegel (Rutger Hauer) in seinem eigenen Gemälde umherwandert und dessen Gestaltungsprinzipien erläutert. Das Herzstück des Films stellt eine lange Plansequenz dar, welche die Dialektik von Zeit in der Kunst auf eine komplexe und vollkommen originelle Weise austestet. Neben seiner bildtheoretischen Tiefe veranschaulicht der Film auf berührende Weise die brutale Herrschaft der Spanier über die Niederlande, aus der eine zarte, fast trotzige Liebeserklärung an das Lebewesen Mensch herausscheint.

Über die Reihe »Un-cut: Die Ästhetik der schnittlosen Montage«:

Im aktuellen Kino ist der aus vielen Einstellungen montierte Film immer noch die vorherrschende Form, auch wenn sich im Kino der letzten Jahre vermehrt Tendenzen zu langen, ungeschnittenen Szenen – sogenannten Plansequenzen – erkennen lassen. Die Entwicklung der digitalen Filmproduktion des letzten Jahrzehnts ermöglicht es Filmemachern erstmals, Stunden an Filmmaterial ohne Unterbrechung zu drehen. Doch welche spezifischen Ästhetiken bringen Filme, die aus Plansequenzen oder gar nur aus einer Einstellung bestehen, hervor? Wie wirken sie auf unsere Wahrnehmung der Zeit, des filmischen Raums und der Filmerzählung ein? In dieser lose fortgeführten Reihe wollen wir in aktuellen und älteren Filmen nach Antworten suchen.

Lief zuletzt im Juni 2016