Cinémathèque Leipzig - Archiv

<< Dezember 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 heute morgen 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 >>
ABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZ

Das Archiv

zeigt alle Filme an, die seit 1998 im Programm der Cinémathèque Leipzig (vormals AG Kommunales Kino) zu sehen waren.

Möglich ist die Suche nach Film- oder Reihentitel.

Rechercheanfragen können uns gern auch per Email erreichen.

Wir bitten um Beachtung des Umstands, dass wir die gelisteten Filme nicht im Besitz haben und demzufolge auch nicht verleihen können.

 

 

Triumph des guten Willens Triumph des guten Willens
  • 13.04.2016
    die naTo
  • Di 23.08. 21:30
    Conne Island
  • 3.09.2016
    Conne Island

Triumph des guten Willens

2cl-Sommerkino auf Conne Island

BRD 2016, deutsche OF, Dok, 95 min, Regie: Mikko Linnemann

Format:DCP

„Some of my best friends are german“. Mit diesem Satz führte der Journalist, Buchautor, Kurator, Filmemacher und Historiker Eike Geisel gerne diejenigen vor, die mit Verweis auf freundschaftliche Verhältnisse zu Juden und Jüdinnen den antisemitischen Inhalt eigener Aussagen zu relativieren versuchten. Für Geisel stand dies symptomatisch für die deutsche Erinnerungspolitik, deren vorrangiges Ziel er nicht in der Aufarbeitung des Holocaust sah, sondern in der Einbettung von Auschwitz ins nationale Narrativ. Erinnerung sei in Deutschland, so Geisel, die „höchste Form des Vergessens“. Bereits Mitte der 1980er Jahre sah er die Deutschen nur auf die Gelegenheit warten, „sich nicht trotz, sondern wegen der Juden als nationales Kollektiv zu konstituieren“. Er sollte Recht behalten: 15 Jahre nach jener Aussage führte Deutschland zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg wieder Krieg, und zwar „nicht trotz, sondern wegen Auschwitz“, wie der damalige grüne Außenminister Joschka Fischer betonte.

Geisels Texte wurden in der Zeit, der Taz und in der Konkret veröffentlicht – wenn sie nicht, wie es regelmäßig passierte, aufgrund angeblich unnötiger Polemik abgelehnt wurden. Dem Vorwurf der Unverhältnismäßigkeit seiner Anklagen hätte Eike Geisel wohl mit Adorno geantwortet, dass „heute überhaupt nur Übertreibung das Medium von Wahrheit sei.“ Adorno, Max Horkheimer und Hannah Ahrendt waren seine theoretischen Anknüpfungspunkte, Henryk M. Broder, Hermann Gremliza und Wolfgang Pohrt seine Verbündeten im publizistischen Kampf gegen „Die Wiedergutwerdung der Deutschen“. Unter diesem Titel erschien 2015 in der Edition Tiamat eine umfangreiche Sammlung von Essays und Texten des Kritikers, herausgegeben von Klaus Bittermann, der zugleich ein Freund Geisels war.

Der Film zeichnet anhand von Texten Geisels, eingesprochen von Robert Stadlober, und Gesprächen mit WeggefährtInnen die Person des „Versöhnungsverweigerer“ nach und erinnert an einen streitbaren und unversöhnlichen Kritiker der herrschenden, und ganz besonders der deutschen Verhältnisse .

„Im Zentrum stehen Geisels Kritiken an der deutschen Erinnerungspolitik und seine These über die ,Wiedergutwerdung der Deutschen‘. Texte Geisels aus den 1990er Jahren unter anderem über die Neue Wache und das Holocaust-Mahnmal kontrastieren die heutigen Bilder der beschriebenen Gedenkstätten. Sie zeigen eine Normalität, die es eigentlich nicht geben dürfte. Zudem analysieren ausführliche Interviews mit Alex Feuerherdt, Klaus Bittermann, Hermann L. Gremliza und Henryk M. Broder Geisels Thesen in Hinblick auf die gesellschaftlichen Verhältnisse heute. Von der politischen Biografie Eike Geisels ausgehend, zeichnet Triumph des guten Willens ein Bild linker Debatten der letzten Jahrzehnte und fragt schließlich nach der Möglichkeit von Kritik in unmöglichen Zeiten.“

Lief zuletzt im September 2016