Cinémathèque Leipzig - Archiv

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Das Archiv

zeigt alle Filme an, die seit 1998 im Programm der Cinémathèque Leipzig (vormals AG Kommunales Kino) zu sehen waren.

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Rechercheanfragen können uns gern auch per Email erreichen.

Wir bitten um Beachtung des Umstands, dass wir die gelisteten Filme nicht im Besitz haben und demzufolge auch nicht verleihen können.

 

 

Orlacs Hände Orlacs Hände
  • 9.05.2015
    Grassi

Orlacs Hände

Kinoorgel live

Österreich 1925, deutsche Zwisch, 100 min, Regie: Robert Wiene
mit Conrad Veidt, Alexandra Sorina, Fritz Kortner
Format:16mm

Der Chopinverehrer und Konzertpianist Paul Orlac verliert in einem Zugunglück beide Hände. Auf das Flehen seiner Gattin - „seine Hände sind sein Leben“ - hin unternimmt der gerufene Chirurg ein riskantes medizinisches Experiment und implantiert Orlac die Hände eines Verstorbenen. Im Laufe des Genesungsprozess gelangt der Pianist zu dem Schluss, dass die neuen Hände nicht nur einem Mörder gehörten, sondern auch ein Eigenleben führen und ihm zu Mord und Totschlag drängen wollen. Doch nicht nur die Hände der titelgebenden Hauptfigur, sondern auch jene der Ehefrau, ihrer Dienerin, der Gläubiger und der Ärzte wissen die Kameramänner Hans Androschin und Günther Krampf geschickt in Szene zu setzen. Wie viele Filme dieser Epoche wird ORLACS HÄNDE sowohl von einer übermächtigen Vaterfigur als auch von einer „Parade von Tyrannen, Verrückten, Schlafwandlern, wahnsinnigen Wissenschaftlern“ (Thomas Elsaesser) bevölkert. Conrad Veidt, der 1942 als Major Strasser in CASABLANCA auftreten sollte, lieferte als Orlac eine beachtliche schauspielerische Leistung, indem er gegen seine eigenen Hände wie gegen die eines Fremdkörper anspielte. In ihrem zum Standardwerk avancierten Buch Die dämonische Leinwand beschreibt die berühmte Filmkritikerin Lotte Eisner die Gestik des Schauspielers wie folgt: „In [...] Orlacs Hände erreicht er (Conrad Veidt) die intensivste Expression des Unheimlichen: der langsam zum Wahnsinn getriebene Orlac, [...] vollführt mit einem Messer, dem diese Hände nicht entrinnen können, zuckende Bewegungen. Die arabeskenhaften Körperwindungen von Veidt nehmen eine unerhörte Vehemenz an, das expressionistisch Tänzerische übersteigert sich." Neben dieser an Max Reinhardts Theater und das russische Ballett erinnernde Schauspielleistung sind sowohl das Setdesign der Handlungsorte Stadtvilla, Zeitungskiosk, Kaffeehauses und Heuriger als auch die kontrastive Lichtgestaltung im besonderen Maße expressionistisch stilisiert. Robert Wiene schrieb mit seinen zwei Stummfilmen ORLACS HÄNDE und DAS KABINETT DES DR. CALIGARI Filmgeschichte. Die beiden expressionistischen Filme werden heute zu den kinematographischen Meilensteinen des Weimar Cinema, d.h. zum Goldenen Zeitalter des deutschen Films, gezählt und sind Bestandteil des Stummfilmkanons. (Claudia Cornelius)

Kinoorgel live ist eine Kooperationsveranstaltung der Cinémathèque Leipzig und des Grassi Museums. An der Welteorgel spielt Richard Siedhoff, in die Geschichte der Orgel führt Veit Heller, wissenschaftlicher Mitarbeiter vom GRASSI Museum für Musikinstrumente ein. Mit einer Filmeinführung von Claudia Cornelius.

Lief zuletzt im Mai 2015