Cinémathèque Leipzig - Archiv

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Das Archiv

zeigt alle Filme an, die seit 1998 im Programm der Cinémathèque Leipzig (vormals AG Kommunales Kino) zu sehen waren.

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Wir bitten um Beachtung des Umstands, dass wir die gelisteten Filme nicht im Besitz haben und demzufolge auch nicht verleihen können.

 

 

Räschen + Ruhr Record Räschen + Ruhr Record
  • 1.11.2014
    die naTo

Räschen + Ruhr Record

DOK Leipzig 2014

BRD 2014, OmeU, Dok, 68 min, Regie: Peter Hecker + Rainer Komers

Räschen

In der Realität ist Räschen ein kleiner Ort in der Lausitz, der vom Bergbau lebte und ihm große Teile opfern musste. In dem sich der Wald die menschenleeren Siedlungen zurückholt, Straßen buchstäblich im Nichts verlaufen und man eigentlich nichts verloren hat. Zumindest, wenn man so jung ist wie Marcel, Enrico und Svenja. „Bissl langweilig“ finden die es denn auch zwischen dem Wummern von Autoboxen und dem Singsang des Skateboards auf dem Asphalt – scheinbar die einzigen Bewegungen inmitten des Stillstands. Aber ansonsten: „Geht schonn“ – wie der Lausitzer sagt und dies mit einem metaphysischen „und alles“ bekräftigt.
Wie es einer der Jungs aber ganz richtig beschreibt, entstehen gute Filme nicht in der Realität, sondern in der Fantasie. Und so bedient sich Peter Hecker des genialen Kunstgriffs, seine Protagonisten nach dem angeblich vermissten Christian zu befragen: der schon irgendwie klar kommt, ein „bissl“ Rebell war und „immer so traurig“. Er wird zum Spiegelbild der Sprechenden, die in genau gesetzten Momentaufnahmen kurze, aber abgrundtiefe Einblicke in ihr Innerstes gewähren. Während die Kamera voller Wärme und Poesie einen Ort abbildet, der keiner ist, findet sich die Wahrheit des Dokumentarischen erst in der Fiktion – und alles.
Grit Lemke


Ruhr Record
Das Ruhrgebiet trug einst, als es noch „Revier“ oder „Pott“ genannt wurde, die Kohle und die dampfenden Schlote schon im Namen. Mit dem Ende der Industrie und der Arbeit, wie wir sie kannten, muss es sich neu definieren. Wo früher Bergmänner in den Schacht fuhren, Erz verladen und Stahl gekocht wurde, breitet sich heute ein riesiger Freizeitpark aus – Fun ist die neue Maloche. Eine Region im Wandel.
Zum Glück hat das Ruhrgebiet Rainer Komers, den Meister der Übergänge, auf die es nicht nur in der Strukturkrise, sondern auch im nonverbalen dokumentarischen Erzählen ankommt. Aus ruhig beobachteten Bildern und mit Bedacht gesetzten Tönen komponiert er einen Reigen, der Elemente, Bewegungen oder Texturen aufnimmt und in etwas Neuem weiterführt. Aus dem Gleiten der Gondel eines Fahrgeschäfts wird das der Kohle auf dem Förderband, vom Abstich am Hochofen geht es zur Herdplatte, auf der türkische Frauen Pita backen, und die ornamentale Struktur einer Produktionsanlage findet sich in den Holzscheiten eines Lagerfeuers wieder. Überhaupt – das Feuer, das Wasser und die stetig aus allen Bildern wallenden Dampfschwaden! So wie die Urgewalten noch da sind und eine ewige Bewegung, bleiben die Menschen. Singen ein finales „Glück auf!“ und verwetten den letzten Lohn beim Pferderennen. Eindrücklicher als mit „Ruhr Record“ kann man Liebe nicht erklären.
Grit Lemke

Kartenreservierung können ausschließlich über die Ticketkassen in allen DOK-Kinos und im Museum der bildenden Künste vorgenommen werden. Telefonische Reservierungen oder Reservierungen über unsere Homepage sind nicht möglich. Reservierte Tickets verfallen 1,5 Stunden vor Vorstellungsbeginn automatisch.

Weitere Informationen zu Räschen + Ruhr Record

Lief zuletzt im November 2014