Cinémathèque Leipzig - Archiv

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Das Archiv

zeigt alle Filme an, die seit 1998 im Programm der Cinémathèque Leipzig (vormals AG Kommunales Kino) zu sehen waren.

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Wir bitten um Beachtung des Umstands, dass wir die gelisteten Filme nicht im Besitz haben und demzufolge auch nicht verleihen können.

 

 

Starting Point + Toto and His Sisters Starting Point + Toto and His Sisters
  • Fr 31.10. 20:00
    die naTo

Starting Point + Toto and His Sisters

DOK Leipzig 2014

Polen + Rumänien 2014, OmeU, Dok, 120 min, Regie: Michał Szcześniak + Alexander Nanau

Starting Point

Man wächst an seinen Aufgaben, heißt es. Anetas Aufgabe ist enorm groß und schmerzhaft. Täglich muss sie sich mit ihrer Vergangenheit konfrontieren, um wieder eine Zukunft zu haben. Mit 19 rebellierte sie gegen ihr gesamtes Umfeld und endete als Mörderin. Neun Jahre später darf sie hin und wieder das Gefängnis verlassen, um Sozialdienst im Pflegeheim zu leisten. Dort trifft sie auf eine alte Dame, Helena – und mit ihr auf eine komplett gegenläufige Lebensgeschichte. Während Aneta ihre Chancen und ihre Freiheit aufs Spiel gesetzt hat, ist Helena bereits mit Rheuma aufgewachsen und kennt die Welt, wie sie sagt, nur durch das Fenster. Und trotzdem nennt sie sich eine Realistin.
Das Anerkennen der Umstände, der Realitätssinn sozusagen, wird hier zum Schlüssel für Anetas banges Hoffen auf Vergebung und einen Neuanfang außerhalb des monotonen Gefängnisalltags. Fein dosiert legt der Film nach und nach die Stationen ihres Weges und ihren inneren Kampf offen, gespiegelt in Helenas aufrichtigem Interesse. Im Zwiegespräch zwischen der gefassten kleinen Frau im Rollstuhl, die unter ihrer Mütze fast verschwindet, und der emotional pendelnden Pflegerin offenbart sich mehr als bloße Sympathie, vielleicht sogar eine gegenseitige Faszination.
Lars Meyer

Toto and His Sisters

Ernst sehen sie aus, die Gesichter der drei Geschwister, die in einem abgeschrammten Apartment im Roma-Getto von Bukarest leben. Die Mutter sitzt wegen Drogenhandels im Knast. Der Vater ist verschwunden. Der Onkel, der sich um die Kinder kümmern soll, verwandelt die Wohnung in einen Treffpunkt für die Junkies der Nachbarschaft und fixt ganz nebenbei seine Nichte an. Wer jetzt ein Roma-, Armuts-, Schrecklich-Porträt erwartet – gemach. Alexander Nanau, Emmy-Gewinner 2010, geht einer viel tiefer liegenden Frage nach: Wie durchbreche ich einen durch gesellschaftliche Marginalisierung vorgezeichneten Lebensweg?
Toto, der 10-jährige Benjamin dieser zerrissenen Familie, findet in einem Jugendhaus Zuflucht. Immer mehr Zeit verbringt er hier, wo sich ihm eine völlig neue Welt öffnet. Eine, die ihn willkommen heißt, fördert und durch Ausbildung einen Weg aus dem Albtraum weist. Für einen kurzen Moment scheint sich für die Kinder alles zum Besseren zu wenden. Doch dann schlagen die Verhältnisse zurück.
Nanau hat mit Toto einen stillen, aufgeweckten Helden gefunden und mit dessen 14-jähriger Schwester Andrea eine zunehmend selbstbewusste junge Frau, die Verantwortlichkeit fordert. Beide verkörpern eine Möglichkeit, dem vorgezeichneten Schicksal ein Schnippchen zu schlagen. Das macht aus „Toto şi surorile lui“, so düster er manchmal auch sein mag, einen überraschend hoffnungsvollen Film.
Matthias Heeder

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Lief zuletzt im Oktober 2014