Cinémathèque Leipzig - Archiv

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Das Archiv

zeigt alle Filme an, die seit 1998 im Programm der Cinémathèque Leipzig (vormals AG Kommunales Kino) zu sehen waren.

Möglich ist die Suche nach Film- oder Reihentitel.

Rechercheanfragen können uns gern auch per Email erreichen.

Wir bitten um Beachtung des Umstands, dass wir die gelisteten Filme nicht im Besitz haben und demzufolge auch nicht verleihen können.

 

 

Nymph()maniac : Vol. I Nymph()maniac : Vol. I
  • Do 19.06. 19:30
    die naTo
  • Fr 20.06. 19:30
    die naTo
  • Sa 21.06. 19:30
    die naTo

Nymph()maniac : Vol. I

Dänemark/Deutschland/Frankreich/Belgien/GB 2013, OmU, 118 min, Regie: Lars von Trier
mit Stellan Skarsgård, Charlotte Gainsbourg, Stacy Martin, Christian Slater, Uma Thurman, Connie Nielsen
Format:DCP

Das dicke Ende kommt erst noch: Lars von Trier hat sein Sexdrama „Nymph()maniac“ in zwei Teile geschnitten – den besseren zeigt er zuerst. Trier zeigt Charlotte Gainsbourg als eine tragische Figur, die Hilfe beim asexuellen Bücherwurm sucht und eine Lebensbeichte ablegt. Jetzt sollen wir den Tag also schon vor dem Abend loben, das hat sich Lars von Trier schön ausgedacht. Zwecks besserer Verwertbarkeit hat er seinen Fünfeinhalbstundenfilm „Nymph()maniac“ zerstückelt und bringt nun den ungleich besseren Teil zuerst ins Kino. Die Strategie – man kennt sie von Quentin Tarantinos „Kill Bill“ – ist nicht gerade publikumsfreundlich. Erst im April kann dann jeder in „Volume 2“ erleben, wohin die in Monologen vorgetragenen Memoiren der von Charlotte Gainsbourg gespielten Nymphomanin Joe noch führen werden. Und zu welch pseudo-kontroverser Soße sich auch die interessanteren Ideen und teils wunderbar ausgespielten Szenen vom Meister noch verrühren lassen.

Aber wenn man dann wenigstens alles gesehen hätte. Auch nach beiden Lieferungen bleiben immer noch rund anderthalb unbekannte Stunden übrig, als Summe kleiner Auslassungen – vorgesehen für eine spätere Veröffentlichung. Einen Vorgeschmack gab es auf der Berlinale, wo ein längerer Teil 1 eher Entbehrliches bescherte: die erkennbar mit Pornodarstellern gedoubelten Sexszenen wirkten länger ausgespielt. Auch Fans des Regisseurs mögen sich so zu Statisten in einer Marketingkampagne degradiert fühlen, die bald nach Abschluss der Dreharbeiten in Nordrhein-Westfalen begann. Monatlich veröffentlichte der Däne Ausschnitte seines angeblichen „Pornos“ im Internet. Eine Plakatserie zeigte Porträts vieler Darsteller beim (vorgetäuschten) Orgasmus, und – damit nicht genug – dänische Kritiker in gleicher Verzückung. Das Ergebnis ist, wenn überhaupt, ein Intellektuellen-Porno – und zugleich Lars von Triers zugänglichster Film seit der Fernsehserie „Hospital der Geister“. Der erste Teil hat alle Qualitäten, die unsere Neugier auf Lars von Triers Arbeit berechtigt erscheinen lassen. Man sollte ihn genießen – ganz gleich, was uns später noch bevorsteht.

Es beginnt mit verführerischem Bühnenzauber. Geräusche in der Dunkelheit, dann leiser Schnee über einer dreckigen Gasse – so könnte eine Inszenierung der Oper „La Bohème“ an der Met beginnen. Die Leidensfigur am Boden ist Joe (Charlotte Gainsbourg), deren geschundener Körper sie in eine Reihe stellt mit ähnlichen Trier-Figuren aus „Breaking the Waves“, „Dancer in the Dark“ oder „Dogville“. Widerwillig lässt sie sich von einem Passanten auf die Beine helfen – einem asexuellen Bücherwurm namens Seligman (Stellan Skarsgård). Zum Dank für seine Hilfe, mehr noch jedoch, um ihre Unwürdigkeit zu beweisen, beginnt sie in seiner kargen, aber warmen Wohnung mit der Erzählung dessen, was man zu Zeiten von Josephine Mutzenbacher eine Lebensbeichte nannte. Nur, dass es für sie eigentlich nichts zu beichten gibt: Denn ihre Sexsucht, die schon den Teenager umtreibt, ist für sie ein natürlicher Bestandteil ihres Wesens. Erst wenn die Lust ausbleibt, hat sie ein Problem, dem sie im zweiten Teil noch mit den härtesten masochistischen Praktiken zuleibe rücken wird. (Daniel Kothenschulte)

Weitere Informationen zu Nymph()maniac : Vol. I

Lief zuletzt im Juni 2014