Cinémathèque Leipzig - Archiv

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Das Archiv

zeigt alle Filme an, die seit 1998 im Programm der Cinémathèque Leipzig (vormals AG Kommunales Kino) zu sehen waren.

Möglich ist die Suche nach Film- oder Reihentitel.

Rechercheanfragen können uns gern auch per Email erreichen.

Wir bitten um Beachtung des Umstands, dass wir die gelisteten Filme nicht im Besitz haben und demzufolge auch nicht verleihen können.

 

 

Welcome to Pine Hill Welcome to Pine Hill
  • Mo 24.02. 22:00
    die naTo
  • Di 25.02. 22:00
    die naTo
  • Mi 26.02. 22:00
    die naTo

Welcome to Pine Hill

USA 2012, OmU, 80 min, Regie: Keith Miller
mit Shanon Harper, Ernest Bastien, Jaiden Kaine, Keith Miller
Format:MPEG4

Was an Keith Millers WELCOME TO PINE HILL als erstes auffällt, sind die vor allem technischen Unzulänglichkeiten: Die Kamera wirkt fahrig und nervös, die Montage ignoriert sämtliche Gesetzmäßigkeiten von Schnitt und Gegenschnitt, unterbricht bei Dialogen den Sprechenden, indem sie auf sein Gegenüber schneidet und der Ton scheint des öfteren keinerlei Nachbearbeitung erfahren zu haben. Ähnliches gilt für die Dramaturgie, die wie der auf das Cinéma Verité verweisende Stil des Films immer ein wenig rau und ungeschliffen erscheint und hinter deren Episodenhaftigkeit sich ein roter Faden nur mühsam erschließt. Kurzum: Es wäre ein leichtes, diesen Film abzutun als eher weniger gelungenes Beispiel eines US-Independentfilms, der mit wenig Geld, aber den besten Absichten, entstanden ist. Und dennoch wäre diese nur (maximal) die halbe Wahrheit, würde nur einen Bruchteil dieser Geschichte, dieses Films erzählen.

Der andere Teil der Geschichte erzählt nichts von der Kunst, aber umso mehr über das Leben. Im Falle von WELCOME TO PINE HILL ist es sogar das Leben des Regisseurs Keith Miller, um das es hier geht. Denn der erlebte genau so eine Szene, wie jene, mit der sein Film beginnt: Eines Nachts traf der Filmemacher per Zufall ganz in der Nähe seines Hauses auf einen Mann namens Shannon "Abu" Harper, der eben jenen Hund an der Leine spazieren führte, den Miller vor zwei Monaten verloren hatte. Natürlich kam es zwischen den beiden Männern zu einem Gespräch, das sich um den Hund drehte, und wenn man die entsprechende Szene in WELCOME TO PINE HILL sieht, spürt man förmlich, wie latent aggressiv es dabei zugegangen sein muss. Und man merkt, dass es bei dem Streit, der wider Erwarten glimpflich und ohne Eskalation ausgeht, auch noch neben dem Hund um etwas ganz anderes geht: Um die unterschiedlichen Lebensumstände der beiden Männer, der eine weiß, der andere afroamerikanischen Ursprungs, um Verbitterung aufgrund der Lebensumstände, über die wir zunächst nicht allzu viel wissen, um soziale Wirklichkeiten in den USA heutzutage, um system- und gesellschaftsimmanente Rassen- und Klassenunterschiede, die nach wie vor Bestand haben.

Auch wenn es anfangs schwer fällt, sich auf diesen Film einzulassen: Mit der Zeit entwickelt WELCOME TO PINE HILL einen Sog des Authentischen, den man so nur selten im Kino zu sehen bekommt. (Joachim Kurz)

Die Cinémathèque zeigt den Film ebenso wie I USED TO BE DARKER als besonderes Beispiel des zeitgenössichen, realistischen Films, der einen unverstellten Blick auf US-amerikanische Lebensverhältnisse wirft.

Weitere Informationen zu Welcome to Pine Hill

Lief zuletzt im Februar 2014