Cinémathèque Leipzig - Archiv

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Das Archiv

zeigt alle Filme an, die seit 1998 im Programm der Cinémathèque Leipzig (vormals AG Kommunales Kino) zu sehen waren.

Möglich ist die Suche nach Film- oder Reihentitel.

Rechercheanfragen können uns gern auch per Email erreichen.

Wir bitten um Beachtung des Umstands, dass wir die gelisteten Filme nicht im Besitz haben und demzufolge auch nicht verleihen können.

 

 

Herz aus Gold 1 Herz aus Gold 1
  • 16.05.2013
    die naTo

Herz aus Gold 1Arnulf Rainer / V2 - Puccini / Mothlight / Ghostyard Supernova / 24/7 (Into the Direction of Light) / Farewell / Friendly Fire

Grenzen des Films

International , Experimentalfilm, 60 min, Regie: Peter Kubelka, Christian Lebrat, Stan Brakhage, Tim Blue, Michael Aschauer (aka m.ash), Stefan Zeyen, Thorsten Fleisch

Grenzen des Films
filmische Hyperräume und Grenztopographien

Eine Reihe, als Expedition - nach Innen wie Außen – an die Ränder des Universums der Illusion konzipiert. Die Grenzen des Films sind vielfältig. Sie können räumlicher, materieller auch gedanklicher oder zeitlicher Art sein. Das Publikum erwartet ein Blick über die Bruchkante des Sichtbaren, ein in Frage stellen der Kapazität des Denkbaren.

Herz aus Gold 1
Die erste Grenze wird durch das Licht gezogen. Es versucht den Projektor, von diesem eben hervorgebracht, zu verlassen und wird dabei gezwungen ein Bild zu formen. Am vermeintlichen Ziel angekommen, stellt es fest, nur halbe Wahrheit zu sein, es muß zurück, von der Leinwand reflektiert, in Richtung seines Quells um auf diesem Weg von den hungrigen Augen des Publikums aufgesogen zu werden. Doch so einfach ist es nicht, es gibt Widerstände...

Im ersten von 3 Programmen spannen wir den Bogen vom filmischen Rein- und Urzustand Schwarz/Licht bis zur mythischen Überhöhung der Vernichtung des Films durch Licht. 7 Titel mit Laufzeiten von 3 bis 8 Minuten sind Projektionsfläche zum Grenzübertritt. Die Veranstaltung findet mit einer Einführung von Sven Wörner statt.

Arnulf Rainer
Peter Kubelka, Ö 1960
Ein Virtuoso der filmischen Reduktion, ein ausschließlich aus schwarzem und weißem Licht, aus weißem Rauschen (Ton) und Stille (Nicht-Ton) gemachter Actionfilm, der dem Betrachter -sachlich fast - die elementaren Bausteine des Films um die Ohren schlägt. (Stefan Grissemann)

V2 - Puccini
Christian Lebrat, I 2008
"Eine Musikerin spielt eine freie Interpretation einiger berühmter Melodien aus Puccinis „La Bohème“ auf dem Cello. Diese musikalische Performance wird von einer Kamera im extremen Close-Up gefilmt. In einer einzigen Einstellung aufgenommen geht es der Arbeit weniger darum, eine Geschichte zu erzählen, als vielmehr um das Einfangen jenes Augenblicks, in dem Musik und Bild entstehen." (C. Lebrat)

Mothlight

Stan Brakhage, USA 1963
Was eine Motte vielleicht zwischen Geburt und Tod sehen würde, wenn schwarz weiß und weiß schwarz wäre. (Stan Brakhage) Für Mothlight, seinen ersten komplett ohne Kamera hergestellten Film, plazierte Brakhage Mottenflügel, andere Insektenteile und Pflanzen auf durchsichtige Klebebandstreifen. Die Streifen hatten die selben Dimensionen wie 16mm Film und waren an den Rändern perforiert, so dass im Labor davon Abzüge gemacht werden konnten. Diese Filmcollage handelt zwangsläufig teilweise von Filmprojektion selbst, von der Weise, in der ein Projektor die Kontinuität der Natur zu distinkten Einzelbildern herunterbricht. Mothlight verweigert seinen Objekten die statische Stabilität einer Naturdokumentation und schreibt sie dadurch tiefer – und für jeden Zuschauer verschieden – ins Bewusstsein ein. (Fred Camper)

Ghostyard Supernova
Tim Blue, BRD 2007
Die unerfüllbare Hoffnung, mit einem toten Freund sprechen zu können: Videoaufnahmen von einem leeren Super 8 Projektor zu machen und spät in der Nacht mit Objekten zwischen der Kamera und dem Projektor zu spielen, fühlte sich an wie ein Trauerritual. Für mich ist die Tonebene der Versuch, mit Erinnerungen in Dialog zu treten, das Bild zusammen mit seinen Stroboskop-Effekten stellt das Glück der Freundschaft wieder her. (Tim Blue)

24/7 (Into the Direction of Light)

Michael Aschauer (aka m.ash), Ö 2008
Licht, Landschaft, Kamera — 24/7 scheint mit den puren Ingredienzen des Filmemachens hergestellt zu sein: Das anfängliche Schwarz des Bildes geht in immer heller werdende Blautöne über und gibt schließlich den Blick auf das Meer frei. Die Horizontlinie teilt das Bild in zwei Hälften: Wasser und Himmel, die sich im Zeitraffer permanent verändern und schließlich wieder in (nächtliches) Schwarz übergehen. Mit statischer Kamera an sieben Tagen 24 Stunden lang gefilmt, schreibt 24/7 jenen Zweig des Experimentalfilms mit digitalen Mitteln fort, der sich immer schon der Erforschung der Mechanismen der kinematografischen Repräsentation mit Hilfe der Landschaft und ihrer topografischen Gegebenheiten bzw. natürlicher Phänomene (Licht, Wetter) gewidmet hat.
Im konkreten Fall sind es Abbildfunktion und illusionistischer Raum, die neu verhandelt werden. 24/7 hat zwar noch einen realen Referenten, an den wir uns klammern können, aber mit dem Fortlauf des Videos fällt uns auf, dass die Bewegungsrichtung der Veränderung nicht eindeutig zuordenbar ist. Sie scheint entlang der horizontalen Bildachse von links nach rechts zu verlaufen, gleichzeitig jedoch auch vom Vorder- in den Hintergrund, und besonders in den Übergängen zwischen Tag und Nacht entwickelt sie einen Sog, der den Raum buchstäblich aufzufalten scheint.
Diese permanenten Verschiebungen und Unsicherheiten bezüglich des eigenen Standpunktes verweisen auf die Künstlichkeit des Abgebildeten. Denn dieser (Natur)Raum ist tatsächlich ein artifizieller, der durch die Manipulation der Aufnahmebedingungen des technischen (digitalen) Apparates — mit Hilfe des Slitscan-Verfahrens — zusammengesetzt wurde. So wird 24/7 zu einer subtilen Studie über unsere limitierten, perzeptiven Fähigkeiten: Letztendlich können wir nur sehen, was wir kennen.
(Claudia Slanar)

Farewell
Stefan Zeyen, BRD 2009
Niemand möchte alleine bleiben. Farewell ist der vergebliche Versuch, mithilfe kinematografischer Postproduktion einen Abschied zu verhindern. Das Filmbild einer im Auto entschwindenden Person wird gegenläufig und kontinuierlich so hochskaliert, dass die Bewegung neutralisiert wird und die Protagonistin Ihre Größe behält. Durch den Zoom ins Filmmaterial hinein nimmt die Schärfe ab, und das Filmkorn wächst so lang, bis sich das Bild komplett im Bildmaterial auflöst.

Friendly Fire
Thorsten Fleisch, BRD 2003Mit Feuer bearbeitetes Filmmaterial mittels einer optischen Bank zum Leben erweckt. Auf der Leinwand werden Details des Verbrennungsprozesses mythisch überhöht dargestellt. die Unbeweglichkeit der Anti-Stille schafft Raum für eine angemessene Betrachtung. Im Rhythmus der flackernden Flammen wird die Netzhaut optimal stimuliert.

Lief zuletzt im Mai 2013