Cinémathèque Leipzig - Archiv

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Das Archiv

zeigt alle Filme an, die seit 1998 im Programm der Cinémathèque Leipzig (vormals AG Kommunales Kino) zu sehen waren.

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Wir bitten um Beachtung des Umstands, dass wir die gelisteten Filme nicht im Besitz haben und demzufolge auch nicht verleihen können.

 

 

Dance of Outlaws Dance of Outlaws
  • Di 20.11. 19:30
    die naTo

Dance of Outlaws

Musalsal - Dokfilme aus Nahost

Finnland/Norwegen 2012, OmeU, Dok, 83 min, Regie: Mohamed El Aboudi

Im März dieses Jahres schockierte eine Geschichte aus Marokko die ganze Welt: Eine 16-jährige Frau beging Selbstmord, weil sie ihren Vergewaltiger hätte heiraten müssen. Zwar wurde 2004 in Marokko ein neues Familiengesetz eingeführt, in dem mehr Rechte für die Frauen eingeschrieben sind, die marokkanischen Frauen spüren davon aber leider noch sehr wenig: Noch immer wird im Land jede zehnte Frau zwangsverheiratet, Jungfräulichkeit bei der Eheschließung ist für die Ehre der Brautfamilie absolute Pflicht.

Auch Hind, die im Zentrum des Films von Mohamed El Aboudi steht, teilt ein solches Schicksal: Mit 15 wurde sie vergewaltigt und als Folge davon schwanger. Von ihrer Familie wurde sie daraufhin mit dem Tod bedroht und verstoßen – ohne Ausweispapiere. Seither ist Hind zu einem Leben am Rande der Gesellschaft gezwungen, sie ist praktisch identitätslos, existiert für den marokkanischen Staat nicht. Ohne Identitätskarte kann sie keine Arbeit annehmen, kann keine Wohnung mieten, kann nicht heiraten. Um durchzukommen, arbeitet sie als Hochzeitstänzerin. Ein Beruf, der wenig respektiert und schlecht bezahlt ist, der aber zumindest nicht direkt in die Prostitution führt.

Eindrücklich dokumentiert Mohamed El Aboudi, wie Hind nie aufhört, für eine Verbesserung ihrer Lebensbedingungen zu kämpfen. Die Kamera begleitet sie auf der schwierigen Reise zu ihrer Familie. Eine Reise, vor der sie sich fürchtet: «Sie werden mich schlagen!», ruft die junge Frau immer wieder aus. Der Besuch bei der Familie führt exemplarisch vor, dass die Kamera in einem Dokumentarfilm nie nur unsichtbare Beobachterin ist, sondern immer auch Protagonistin, die das Geschehen mitbestimmt und manchmal sogar beeinflusst. In dieser Szene wird der Film, werden die Dreharbeiten plötzlich Teil der Geschichte. Im Angesicht des Filmteams empfängt die Familie die Ausgestoßene überraschend freundlich. Die Kamera verändert die Situation – sie wird zur Beschützerin der Protagonistin, die am Ende dieser Begegnung aber dennoch ohne Papiere weggehen muss.

Mohamel El Aboudi hat an der Bond Universität in Australien mit einem Master of Film and Television abgeschlossen. Er arbeitet als Filmregisseur in Finnland, wo er Dutzende von Kurzdokumentationen für den nationalen Fernsehsender Yle gedreht hat. Sein erster langer Dokumentarfilm Fight of Fate (2009) wurde 2010 in Berlin für den Prix Europa in nominiert.

Leipzig-Premiere. In Kooperation mit eurient e.V. zeigt die Cinémathèque den Film auf Arabisch und Finnisch mit englischen Untertiteln in der naTo. Es handelt sich um eine digitale Projektion. Der Eintritt kostet 4/3 €.

Weitere Informationen zu Dance of Outlaws

Lief zuletzt im November 2012