Cinémathèque Leipzig - Archiv

<< Dezember 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 heute morgen 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 >>
ABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZ

Das Archiv

zeigt alle Filme an, die seit 1998 im Programm der Cinémathèque Leipzig (vormals AG Kommunales Kino) zu sehen waren.

Möglich ist die Suche nach Film- oder Reihentitel.

Rechercheanfragen können uns gern auch per Email erreichen.

Wir bitten um Beachtung des Umstands, dass wir die gelisteten Filme nicht im Besitz haben und demzufolge auch nicht verleihen können.

 

 

Tabu Tabu
  • Sa 22.12. 20:00
    die naTo
  • So 23.12. 20:00
    die naTo
  • Mi 26.12. 20:00
    die naTo
  • Do 27.12. 22:00
    die naTo
  • Fr 28.12. 22:00
    die naTo
  • Sa 29.12. 22:00
    die naTo
  • So 30.12. 22:00
    die naTo
  • 2.01.2013
    die naTo

TabuEine Geschichte von Liebe und Schuld

Leipzig-Premiere

Brasilien/BRD/Frankreich/Portugal 2012, OmU, 110 min, Regie: Miguel Gomes
mit Teresa Madruga, Laura Soveral, Ana Moreira, Henrique Espírito Santo

Miguel Gomes erzählt in schwarz-weißen Bildern vom Paradies in Afrika und dem verlorenen Paradies der Gegenwart in Lissabon und teilt so TABU in zwei Hälften: das Alter und danach erst die (verlorene) Jugend. Im heutigen Lissabon begleiten wir die sozial engagierte Katholikin Pilar (Teresa Madruga). Sie wohnt neben Aurora (Ana Moreira), einer greisen, verarmten Dame, die ihr letztes Geld im Casino verspielt und mit eigenwilligem Stolz ihr Dasein fristet: Sie lebt neben und mit ihrer schwarzen Haushälterin fast wie in alten Kolonialzeiten. Als Aurora im Spital im Sterben liegt, schreibt sie einen Namen auf: Ventura.

Ventura kommt und wird in der Folge zum Erzähler des zweiten Teils, der im alten, kolonialen Afrika spielt und eine wilde Liebesgeschichte mit Aurora entblättert. Er, ein Abenteurer, lernte sie damals kennen und lieben, tragischerweise als Ehefrau eines Bekannten. Eine Dreiecksgeschichte am Fuße der Tabu-Berge. Ein Tabu vor allem, weil Aurora von ihrem Mann schwanger ist.

Gomes erzählt dies wie eine Geisterbeschwörung des alten Stummfilm-Kinos und erfindet es dabei – anders als THE ARTIST – neu. Der zweite Teil von TABU kommt vollends ohne Dialoge aus: nur der Erzähler, der spricht, Geräusche, die anklopfen, eine Band, die spielt, und karge eindrückliche Bilder. Gomes gelingt es virtuos, in Bildern umzusetzen, wie wir Menschen uns erinnern: kaum je an einzelne Sätze, viel mehr an Vogelstimmen, Bilder des Glücks, wie einen Esel mit Erektion oder Tränen des Unglücks beim Singen von "Be My Baby". TABU ist vieles: großer Popsong und kleine Sinfonie, Melodram und Abenteuerfilm, Politik und Poesie. Mit welch Leichtigkeit Gomes dabei Zeiten und Länder und Figuren wechselt, ist atemberaubend und zum Weinen schön.

Miguel Gomes, 1972 in Lissabon geboren, hat erst zwei Langfilme gedreht und bekommt trotzdem schon Gesamtwerk-Retrospektiven: in Wien, in Buenos Aires, oder in Berlin. Zu Recht gilt er als eines der größten Talente des portugiesischen Kinos.

Leipzig-Premiere. Die Cinémathèque zeigt den Film im portugiesischen Original mit deutschen Untertiteln. Es wird eine 35mm-Kopie projiziert.

Lief zuletzt im Januar 2013