Cinémathèque Leipzig - Archiv

<< Dezember 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 heute morgen 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 >>
ABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZ

Das Archiv

zeigt alle Filme an, die seit 1998 im Programm der Cinémathèque Leipzig (vormals AG Kommunales Kino) zu sehen waren.

Möglich ist die Suche nach Film- oder Reihentitel.

Rechercheanfragen können uns gern auch per Email erreichen.

Wir bitten um Beachtung des Umstands, dass wir die gelisteten Filme nicht im Besitz haben und demzufolge auch nicht verleihen können.

 

 

Anton Corbijn Inside Out Anton Corbijn Inside Out
  • Do 26.04. 21:15
    die naTo
  • Fr 27.04. 20:00
    die naTo
  • Sa 28.04. 20:00
    die naTo
  • So 29.04. 20:00
    die naTo
  • Mo 30.04. 20:00
    die naTo
  • 1.05.2012
    die naTo
  • 2.05.2012
    die naTo
  • 3.05.2012
    die naTo
  • 4.05.2012
    die naTo
  • 5.05.2012
    die naTo
  • 7.05.2012
    die naTo
  • 8.05.2012
    die naTo
  • 9.05.2012
    die naTo

Anton Corbijn Inside Out

Leipzig-Premiere

Niederlande 2012, OmU, Dok, 80 min, Regie: Klaartje Quirijns

Der 1955 in der niederländischen Provinz Südholland geborene Anton Corbijn wurde als Fotograf weltberühmt. Seine Aufnahmen und Musikvideos von Joy Division, Depeche Mode, R.E.M, U2, Miles Davis oder Björk sind mittlerweile Ikonen des Genres. Viele kennen sie, aber nicht den Mann hinter der Kamera. Die Niederländerin Klaartje Quirijns ändert das mit ihrer intimen Dokumentation ANTON CORBIJN INSIDE OUT auf verblüffende Weise: Wir erleben den gefeierten Fotografen-Star mit Bono, Lou Reed oder Grönemeyer, die alle von ihm schwärmen. Auf Vernissagen sind die Königsfamilie und der Ministerpräsident anwesend. Doch der große, schlaksige Mann bleibt meist still, überlegt bei Interviewfragen lange und schwätzt nie. Und doch erfahren wir im Laufe des Films nicht nur von einer Kindheit als Sohn eines protestantischen Provinz-Priesters, der für seine vier Kinder nicht viel Liebe übrig hatte. Von der einsamen Jugend eines verschlossenen Jungen, der ganz für sich einen besonderen Blick auf die Welt entwickelte und von dem Vertrauen der Eltern, einen Berufsweg zuzulassen, den sie nie richtig verstanden haben. Die Regisseurin schafft es in ihren meist auf niederländisch sehr vertraut geführten Gesprächen sogar, sehr persönliche Bekenntnisse zu erlauschen. Von einem Corbijn, der sich selbst als verschlossen beschreibt und unfähig zu tieferen menschlichen Beziehungen. In einem besonders offenen Moment gesteht Corbijn, er glaubte immer, dass er als Mensch „nicht gut genug sei“, deshalb wollte er als Künstler gut sein.

Das Porträt als Künstler und Musikfan kommt dabei mit vielen Fotos und tollen Musikeinsätzen keineswegs zu kurz. Es fing an mit der niederländischen Rocklegende Herman Brood („Saturday Night“). Heute sehen wir Corbijn auf der Motivsuche mit U2 an einer Dubliner Mauer und am Strand. Mit Lou Reed und Motörhead für deren Lulu-Projekt vor einem rostigen Schiff und - tatsächlich noch nervös - bei der Auswahl der Bilder im Hotelzimmer. Und einfach als Konzertbesucher bei der jüngeren Band Arcade Fire. Diese Musiker beschreiben Corbijn treffend als „passionate in a soft spoken way“ - leidenschaftlich auf leise Art. Sehr reizvoll auch der „Making of...“-Teil zu THE AMERICAN mit einem Boule spielenden George Clooney. Der nach dem Joy Division-Porträt CONTROL zweite Spielfilm der vielfältigen Künstlers Corbijn wird bei der Suche nach Locations und beim Dreh einiger Szenen begleitet. Man erkennt Momente des fertigen Films wieder und erfährt, dass ein Gassenlabyrinth tatsächlich wegen des optischen Reizes für das Finale aufgenommen wurde.

Die 1967 geborene Klaartje Quirijns arbeitet für das Fernsehen und wurde vor allem mit zwei politischen Dokumentationen bekannt, „The Brooklyn Connection“ (2005) und „The Dictator Hunter“, der 2008 für den Europäischen Dokumentarfilmpreis „Prix ARTE“ nominiert wurde. Angesichts von ANTON CORBIJN INSIDE OUT muss man von einem unentdeckten Talent sprechen. Wobei das Subjekt trotz seiner Verschlossenheit ein dankbares ist. Unter den vielen bekannten Porträts - etwa Mick Jagger im Drag mit Perücke - finden wir auch etwas irritierend Janis Joplin oder John Lennon. Tatsächlich sind dies inszenierte Selbstporträts Corbijns, die er immer wieder macht. Da passt zur Aussage der „Kunden“, die sich nicht wirklich wiedererkennen, sondern etwas, was sie vielleicht gerne wären. Oder etwas, was Corbijn gerne wäre. Hier sucht sich der protestantische Junge die Ikonen, die diese Glaubensrichtung nicht bietet, in der Popkultur. Eine Schlüsselszene in dieser faszinierenden Dokumentation für Musik-, Foto- oder Film-Fans und auch für alle anderen. (Günter H. Jekubzik)

Leipzig-Premiere. In der Originalversion mit deutschen Untertiteln zeigt die Cinémathèque den Film in der naTo. Es handelt sich um eine digitale Projektion.

Lief zuletzt im Mai 2012