Cinémathèque Leipzig - Archiv

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Das Archiv

zeigt alle Filme an, die seit 1998 im Programm der Cinémathèque Leipzig (vormals AG Kommunales Kino) zu sehen waren.

Möglich ist die Suche nach Film- oder Reihentitel.

Rechercheanfragen können uns gern auch per Email erreichen.

Wir bitten um Beachtung des Umstands, dass wir die gelisteten Filme nicht im Besitz haben und demzufolge auch nicht verleihen können.

 

 

El lugar más pequeño El lugar más pequeño
  • Di 23.10. 20:00
    die naTo
  • Mi 24.10. 20:00
    die naTo

El lugar más pequeñoThe Tiniest Place

Nachlese Dok Leipzig 2011

Mexico 2011, OmeU, Dok, 104 min, Regie: Tatiana Huezo

"Der Film nimmt das Publikum mit nach Cinquera, besser gesagt nach Nueva Cinquera, denn das alte Dorf wurde während des 1979 ausgebrochenen Bürgerkrieges völlig zerbombt, weil es als Guerilla-Hochburg galt. Viele der überlebenden Bewohner, die geflohenen waren, kehrten nach dem Kriegsende 1992 an den Ort ihrer Heimat zurück und bauten das Dorf wieder auf. Heute ist der Krieg zwar Vergangenheit, aber nicht vergessen. Davon künden die Stimmen der Dorfbewohner, die auf der Tonspur anheben, um nach und nach in fragmentarischen Erzählungen ein kollektives Gedächtnis zu orchestrieren, während sich die Bilder zu einem lebendigen Mosaik des Dorfalltags fügen. (...) Das Leben geht selbstverständlich weiter, während auf der Tonspur in den Worten die Schrecken des Krieges immer lebendiger werden. Die Regisseurin braucht kein Archivmaterial, um die Vergangenheit zu bebildern. Einzelne Geräusche wie Stiefeltritte oder Flugzeuglärm, dramaturgisch sensibel gesetzt, reichen völlig aus, und der Krieg erhält Einzug im Kopf des Zuschauers. Wenn sich dann in einer der durchweg atmosphärisch dichten und sensiblen Kamera-Einstellungen einige Frühnebel-Schwaden in den Wäldern verziehen, glaubt man fast, den Rauch der Bombenangriffe von damals zu sehen.

Die Tongestaltung des Films ist ungemein plastisch, vertraut ganz auf die Fülle der Geräusche und nimmt nur vereinzelt atmosphärische Musik zu Hilfe. Die Kamera ist ganz dicht dran an der Natur, durchkämmt den Wald, der damals Zufluchtsort war, erkundet die Pfade, die dieselben sind wie damals und stöbert unter dem Laub irgendwann tatsächlich verrottete Stiefel und Uniformen auf. Immer mehr durchdringen sich Vergangenheit und Gegenwart in Bild und Ton. (...) Die beklemmende Gegenwart der Vergangenheit ist in der Dunkelheit fast physisch spürbar und schwer zu ertragen." (Kirsten Kieninger)

Es ist es kaum zu glauben, dass dieser Film ein Debütfilm ist. El lugar más pequeño ist der erste abendfüllende Dokumentarfilm, den Tatiana Huezo Sánchez realisiert hat - und das mit einer derart beeindruckenden filmischen Handschrift, wie man sie nur selten sieht. Kein Wunder also, dass die Festival-Preise diesem Film nur so zufliegen. Außer der Goldenen Taube im Internationalen Wettbewerb auf der DOK Leipzig 2011 unter anderem auch der Spezialpreis der Jury des Abu Dhabi Film Festivals und der Große Preis der Visions de Réel in Nyon.

Die salvadorianische Regisseurin und Fotografin Tatiana Huezo Sánchez wurde 1972 in El Salvador geboren, wuchs aber in Mexiko auf. Sie verbrachte für den Film zwei Monate in Cinquera, dem Dorf ihrer Großmutter.

Die Cinémathèque zeigt den Film im spanischen Original mit englischen Untertiteln in der naTo. Es handelt sich um eine digitale Projektion.

Lief zuletzt im Oktober 2012