Cinémathèque Leipzig - Archiv

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Das Archiv

zeigt alle Filme an, die seit 1998 im Programm der Cinémathèque Leipzig (vormals AG Kommunales Kino) zu sehen waren.

Möglich ist die Suche nach Film- oder Reihentitel.

Rechercheanfragen können uns gern auch per Email erreichen.

Wir bitten um Beachtung des Umstands, dass wir die gelisteten Filme nicht im Besitz haben und demzufolge auch nicht verleihen können.

 

 

Gangsterläufer Gangsterläufer
  • 7.02.2012
    die naTo
  • 8.02.2012
    die naTo
  • 9.02.2012
    die naTo
  • 12.02.2012
    die naTo
  • 13.02.2012
    die naTo

Gangsterläufer

Leipzig-Premiere

BRD 2010, Dok, 88 min, Regie: Christian Stahl

Ein Messer in der Tasche, Adrenalin im Blut und einen Traum im Kopf: Gangster sein, und zwar der größte überhaupt. Yehya war 15 und nah dran an seinem Traum, als der Filmemacher Christian Stahl ihn im Treppenhaus kennen lernte. Yehya war nicht nur der nette Nachbarsjunge, sondern auch „Boss von der Sonnenallee“ - einer der GANGSTERLÄUFER von Berlin-Neukölln. Was ein GANGSTERLÄUFER ist, erklärte Yeha wie folgt: “Bei uns hier in Neukölln gibt’s so ein Spiel, das spielen wir jedes Wochenende mit 30, 40 Jungs. Einer ist der Fänger und die anderen laufen weg. Und wenn er einen gefangen hat, darf er ihm 30 Sekunden lang Todesschläge geben und der darf sich nicht mal wehren. Danach ist er auch Fänger und darf seine Wut an den anderen auslassen. Einer bleibt am Ende übrig, der beste. Der, den sie nicht gekriegt haben. Und das ist dann der Gangsterläufer.”

Und Gangsterläufer wollen Gangsterkarrieren machen. In den Augen der Behörden ein „Intensivstraftäter“, in seinen eigenen „einer der ersten 10 von Neukölln. Ich hab 'nen eigenen Staatsanwalt!“. Yehya, Sohn palästinensischer Flüchtlinge aus dem Libanon, Rütli-Schüler mit lauter Einsen - und Häftling. Mit 17 wird Yehya nach einem Raubüberfall zu 3 Jahren ohne Bewährung verurteilt. Der Regisseur Christian Stahl begleitet Yehya durch die Jahre im Gefängnis und parallel dazu seine Familie in Neukölln. Der Zuschauer ist dabei, wenn Yehyas Welt- und Gangsterbild wackelt, er in der Knasthierarchie schnell wieder aufsteigt, sich dem Islam zuwendet und im Knast plötzlich selbst zum Opfer wird. Yehya analysiert sich und seine gesellschaftliche Realität messerscharf vor der Kamera, und kann doch nicht raus aus seiner Haut. „So bin ich aufgewachsen. Selbst wenn ich es falsch finden würde, ich würde mich gar nicht trauen, anders zu denken.“

GANGSTERLÄUFER zeichnet das eindrückliche Porträt eines „Intensivstraftäters“, dessen Charme, kriminelle Energie und Reflektionsvermögen verblüffen und schockieren. Zwischen muslimischer Tradition und Gangsterträumen, Macho-Image und Moschee, dem allgegenwärtigen Krieg in der fremden Heimat der Eltern und dem Überleben in Europa. Der Film nimmt den Zuschauer mit in die Welt, um die die Integrationsdebatte kreist, ohne sich auf diese Welt einzulassen. GANGSTERLÄUFER geht nah – und zeigt, was es auch heißen kann, der Beste sein zu wollen.

Leipzig-Premiere in der naTo, digitale Projektion. Am 7. Februar mit Regisseur und Gespräch!

Lief zuletzt im Februar 2012