Cinémathèque Leipzig - Archiv

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Das Archiv

zeigt alle Filme an, die seit 1998 im Programm der Cinémathèque Leipzig (vormals AG Kommunales Kino) zu sehen waren.

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Wir bitten um Beachtung des Umstands, dass wir die gelisteten Filme nicht im Besitz haben und demzufolge auch nicht verleihen können.

 

 

Vom Bild zum Bild Vom Bild zum Bild
  • 9.05.2011
    die naTo

Vom Bild zum BildFilme von Ulrich Polster

BRD 2002/2009, 90 min

Wir zeigen die Filme FROST, NOTTURNO (I) und MISH.

„Die Weide betrachtet umgekehrt das Bild des Reihers“ Dieses Haiku von Basho gibt eine Parabel auf das Konstrukt von Weltbild und unserer individuellen Verankerung darin. Auf einer Fahrt durch die Fremde zerfällt der Blick auf eine kulturelle Identität in seine Fragmente. Die Fragmente formen sich aus Bildern und Tönen: innere, mediale, geträumte, gespeist von Sehnsüchten, Projektionen und Oberflächen. Es entstehen Sequenzen, die eine komplexe Schichtung zulassen: das aufgenommene Bild ist das Bild vom Bild vom Bild, gefärbt, gestimmt, überlagert, getragen vom Sound. Die klischeehafte Oberfläche ist der Beginn einer Verstrickung in die Frage nach der Position des Schauens und Spürens Polster/Scherrer überführen das gewonnene Material in eine poetische Atmosphäre, die zugleich auf unseren medialen, ökonomischen und sozialen Kanon verweist und unsere Kulturtechniken hinterfragt. Es drängt sich die Einsicht auf, dass alle Beobachtung, alles Erleben ausschnitthaft, begrenzt und subjektiv ist. Es entsteht ein ruhiger Fluss, dessen Fülle und Bewegtheit zwar den Blick auf den Grund nicht frei gibt, aber er strömt entlang wesenhafter Landschaften, verewigter Industrien, artifizieller Apokalypsen, visionärer Zeit.

Zur Arbeit Ulrich Polsters
Ulrich Polsters künstlerische Praxis nimmt ihren Ausgangspunkt in der Leipziger und Berliner Experimentalfilmszene am Ende der 80er Jahre. Diese stellte im ostdeutschen Feld kultureller Produktion einen inoffiziellen Raum kritischer Distanzierung und Reflexion bereit, von dem aus mit Beginn der Neunziger vielfach eine Reformulierung künstlerischer und medialer Selbstverständnisse stattfand, für die Polsters Filme und Videoinstallationen der letzten 18 Jahre beispielhaft - und zugleich untypisch sind. Bereits die frühen Super-8-Filme argumentieren über die dramaturgische Fragmentarisierung von Körpern und Räumen, die Aufspaltung sozialer Handlungszusammenhänge und politisch-identitärer Symbolkonstruktionen. Charakteristisch für Polsters Arbeit ist, dass er unterschiedliche filmische Verfahren übereinander blendet; der dokumentarische wie zugleich auch theatrale Gebrauch der Kamera, die Bedeutung der plastischen Arbeit am filmischen Material (Übermalung, Schnitt, Kopie, Collage), die formalen und ikonographischen Anleihen an die Malerei, der choreographierte, „musikalische“ Schnitt.
Seit Mitte der 90er Jahre und nach Studien in Leipzig, London und New York, entstehen z.T. monumental dimensionierte Videoinstallationen. In ihnen setzt sich das thematische und formale Moment der Fragmentarisierung fort, das aber – aufgefasst als strukturelles Dispositiv jeglicher Form von zeitgenössischer (und meist urbaner) Intersubjektivität – zunehmend mit einem spiritualisierten Bildraum konfrontiert wird, den Polster v.a. aus osteuropäischen Bild- und Filmtraditionen zieht. (Quelle: Alexander Koch)
Ulrich Polster ist zur Vorstellung anwesend.

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Lief zuletzt im Mai 2011