Cinémathèque Leipzig - Archiv

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Das Archiv

zeigt alle Filme an, die seit 1998 im Programm der Cinémathèque Leipzig (vormals AG Kommunales Kino) zu sehen waren.

Möglich ist die Suche nach Film- oder Reihentitel.

Rechercheanfragen können uns gern auch per Email erreichen.

Wir bitten um Beachtung des Umstands, dass wir die gelisteten Filme nicht im Besitz haben und demzufolge auch nicht verleihen können.

 

 

  • 1.06.2005
    die naTo

I did it my way - Facetten des filmischen Protests

Kurzfilme für Heimat Moderne

1966-04, 100 min
mit Moderiertes Filmprogramm mit Gästen

„I did it my way - Facetten des filmischen Protests"
Die Formen filmischen Protests sind so vielfältig wie unterschiedlich - sie reichen vom wackeligen Demomitschnitt über den formal innovativen Experimentalfilm bis zum ausgeklügelt inszenierten Spielfilm mit politischem Thema. Seine Hochzeit erlebte der (filmische) Protest in den 60er Jahren. Mitgerissen von der Aufbruchsstimmung der Studentenbewegung entstanden unzählige politische Filme - orientiert an den unterschiedlichsten Vorbildern. Während die selbsternannte politische Avantgarde in Lehrfilmen mit Brecht'scher Kargheit und pädagogischer Diktion den Imperialismus als die Wurzel alles Bösen entlarvte, orientierte sich die ästhetische Avantgarde eher an der Nouvelle Vague und dem surrealistischen Film der 20er Jahre und prangerte das Kino als Illusionsmaschine an. Bis heute bewegt sich der filmische Protest zwischen diesen beiden Polen - hin und hergerissen zwischen der Chance, das „große" Publikum mit einfachen Botschaften auf den richtigen (politischen) Weg zu bringen und dem Verlangen, filmische Formen zu entwickeln, die sich den einfachen Wahrheiten versagen.

„Nicht löschbares Feuer" (Experimentalfilm)
Harun Farocki (1969) 16mm, 25 min.
„Oskar Langenfeld (x12)" (Dokumentarfilm)
Holger Meins (1966) 16 mm, 13 min.
„Besonders wertvoll" (Experimentalfilm)
Hellmut Costard (1968) 16mm, 10 min.
„Little Flags" (Dokumentarfilm)
Cem Cohen (1992/2000) Super-8/Video, 6 min.
„Nichts ist mehr sicher" (Dokumentarfilm)
Irene Bude & Olaf Sobczak (2001) BetaSP, 6 min.
„Falling Grace" (Spielfilm)
Sebastian Winkels (2004) 35mm 15 min.
L'Axe du Mal (Musikvideo)
Pascal Lievre (2003) BetaSP, 5 min.

Zusatztexte zu den einzelnen Filmen:

„Nicht löschbares Feuer" (Experimentalfilm) Harun Farocki (1969) 16mm, 25 min.
„Nicht löschbares Feuer" war „der wichtigste Agitprop-Film der Vietnam-Bewegung. Ein
Traktat über Napalm-Produktion, Arbeitsteilung und fremdbestimmtes Bewusstsein... heute ein Dokument für den pädagogischen Rigorismus der 68er, aber auch für ihr Vermögen, komplizierte Zusammenhänge so zu erhellen, dass Kapieren und Agieren für viele der Generation zu einer selbstverständlichen Einheit wurden." (Klaus Kreimeier)

„Oskar Langenfeld (12x)" (Dokumentarfilm) Holger Meins (1966) 16 mm, 13 min.
Oskar Langenfeld (12x) ist weder betroffenheitsversessene Sozialreportage noch kämpferischer Agitprop. Meins verzichtet völlig auf die vom Dokumentarfilm so oft eingeforderte Exposition als Konzession an das allgegenwärtige Orientierungsbedürfnis. In zwölf knappen Bildern begibt sich der Film kommentarlos in die Gegenwart eines alten Mannes aus Berlin-Kreuzberg, der die kalte Jahreszeit in einem Männerheim verbringt. Die vielen Großaufnahmen vom Gesicht des Alten sind geprägt von einer zärtlichen, fast phänomenologischen Neugier, während sich die gebrummten Sätze im Rasseln des tuberkulösen Hustens verlieren.

„Besonders wertvoll" (Experimentalfilm) Hellmut Costard (1968) 16mm, 10 min.
Mit seinem bekanntesten Film löste Hellmut Costard 1968 bei den Kurzfilmtagen Oberhausen einen handfesten Skandal aus. Die Festivalleitung weigerte sich, einen Film, in dem sich ein sprechender Penis über das damals brandneue Filmförderungsgesetz mokierte, zu zeigen, obwohl der Auswahlausschuss den Film angenommen hatte. In einem Akt der Solidarität zogen daraufhin fast alle deutschen Regisseure ihre Filme zurück. Costard hatte so erreicht, was er wollte: eine Diskussion über Förderstrukturen und die Frage, wie politischer Protest am wirksamsten transportiert werden kann.

„Little Flags" (Dokumentarfilm) Cem Cohen (1992/2000) Super-8/Video, 6 min.
Der New Yorker Filmemacher Cem Cohen ist ein Sammler. Er versucht das Leben selbst zu beobachten und lässt sich gleichzeitig von ihm treiben. Dabei macht er auch vor den dunklen Ecken nicht halt, sondern filmt all die verstörenden und beunruhigenden Bilder, die die Kehrseite unserer aufgeräumten Wohlstandsgesellschaf kennzeichnen. In „Little Flags" flaniert Cohen mit seiner Kamera entlang einer bombastischen Parade, die zu Ehren der Rückkehrer aus dem Golfkrieg veranstaltet wurde. „Alles lieben Paraden, bis auf die Toten." (Cem Cohen)

„Nichts ist mehr sicher" (Dokumentarfilm) Irene Bude & Olaf Sobczak (2001) BetaSP, 6 min.
Der Film dokumentiert die ehrenamtliche Bürgerinitiative „Sicherheit Jetzt!", die am Hamburger Hauptbahnhof mit ihrem eigenen Sicherheitsdienst für mehr Ordnung und Sicherheit sorgen will. Der Sicherheitsdienst ist als MKE (Mobile Kamera Einheit) mit portablen Kameras ausgerüstet um Passanten und Touristen durch Gefahrenlagen am Hauptbahnhof zu eskortieren - bis der Sicherheitsdienst des Hauptbahnhofbetreibers
auftaucht und der Kampf um das Hausrecht beginnt …

„Falling Grace" (Spielfilm) Sebastian Winkels (2004) 35mm 15 min.
Sebastian Winkels beschreibt seinen neusten Film „Falling Grace" als fundamentalistisches Märchen, das auf einer wahren Geschichte basiert. Grace ist ein Engel, der verirrte Seelen rettet. Im Sommer 1986 wies sie versehentlich George W. Bush den rechten Weg. Jenes berühmte "Awakening" führte ihn schließlich direkt ins Weiße Haus. Ein verhängnisvolles Missgeschick! Heute besucht Grace George W. ein zweites Mal. Diesmal ist Ihr Auftrag existenziell und äußerst schwierig. Um ihren himmlischen Job zu behalten, muss Grace einen Weg finden, den tragischen Fehler von damals zu korrigieren...

L'Axe du Mal (Musikvideo) Pascal Lievre (2003) BetaSP, 5 min.
Pascal Lievre arbeitet mit der Kombination von unterschiedlichsten Ausgangsmaterialien. Für
'L'Axe du mal' verwendete er den berühmt berüchtigten Text von George W. Bush in dem dieser erstmals das Wort von der „Achse des Bösen" prägte und wandelte die Rede zum Song um. Gesungen werden diese Lyrics zur Melodie des Songs 'When the rain begins to fall' von Jermaine Jackson und Pia Zadora.

Lief zuletzt im Juni 2005