Cinémathèque Leipzig - Archiv

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Das Archiv

zeigt alle Filme an, die seit 1998 im Programm der Cinémathèque Leipzig (vormals AG Kommunales Kino) zu sehen waren.

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Wir bitten um Beachtung des Umstands, dass wir die gelisteten Filme nicht im Besitz haben und demzufolge auch nicht verleihen können.

 

 

Weekend / Vargtimmen / Data Fragments from a Rapid Decline / Bärbel erzählt einen Film / Urszene Weekend / Vargtimmen / Data Fragments from a Rapid Decline / Bärbel erzählt einen Film / Urszene
  • 4.04.2011
    die naTo

Weekend / Vargtimmen / Data Fragments from a Rapid Decline / Bärbel erzählt einen Film / Urszene

Solo für Licht – Close Your Eyes

ohne Dialog/dtF, 45 min, Regie: diverse

Walter Ruttmanns „Film“ WEEKEND (D 1930, 11 min) steht am Beginn eines völlig neuen Genres: des poetischen Film-Essays. Ruttmann, ein Pionier der filmischen Poesie begriff „die eigentliche Arbeit eines Filmemachers als das Schneiden“ und war somit in der Lage, völlig neue Zusammenhänge zu schaffen. Seine „filmische Assoziationskette erweiterte den Kern des einzelnen Bildes und flocht es ein in die Dynamik der Gesamtkomposition und konnte somit die Gestalt einer Zeit, einer Idee, einer Gesellschaft repräsentieren. […] 1930 beauftragte der Berliner Rundfunk Ruttmann mit einer Ton-Dokumentation. In fünfzehn Minuten beschwor Ruttmann die „Melodie“ des einfachen Berliner Lebens vom freitäglichen Feierabend bis zum Montag, wenn die Wecker die noch gähnenden Sonntagsausflügler zur täglichen Schinderei riefen, herauf. Allerdings zeichnete er dieses essai sonor nicht auf Platte, sondern auf Tonfilm auf. Dies ermöglichte ihm technisch die notwendige Freiheit in seiner Arbeit, denn er benötigte mikroskopisch feine Minuten-„cuts“. Eine Schallplatte ließ sich auf solche Weise nicht schneiden und das Magnetband war noch nicht verfügbar; nur der Ton-Film ermöglichte ihm diese Flexibilität. [...] WEEKEND ist unbestritten eine Ton-Montage. Aber auch wenn es kein Film im klassischen Sinn ist, so ist es doch ohne Zweifel die Arbeit eines Filmemachers. Auf BERLIN – SINFONIE EINER GROSSSTADT, einen Stummfilm, und MELODIE DER WELT, seinen ersten Tonfilm, folgend, läßt sich WEEKEND als logische Fortsetzung des ersten und Epilog des zweiten verstehen. [...]“ (1).

VARGTIMMEN (Georg Tiller, Österreich 2010, 6 min) ist die exakte und mit der originalen Tonspur versehene Rekonstruktion einer Sequenz aus Bergmans gleichnamigem Film aus dem Jahr 1968. Bild für Bild wurden die Einstellungen nachgedreht, mit dem Unterschied, daß es keine Schauspieler zu sehen gibt. In Folge dieser abwesenden Anwesenheit entsteht eine äußerst bedrohliche Situation.

DATA FRAGMENTS FROM A RAPID DECLINE (Tim Blu, D 2007, 17 min) ist die Repräsentation einer Repräsentation: naturkundliche Dioramen einer Umwelt, die es so nicht mehr gibt, die selbst gleichfalls nicht mehr existieren und in ihrem „Wiederaufleben" als filmischer Blick dennoch alles „wie echt" abbilden. Diese Aufzeichnung einer gefrorenen Zeit haben in ihrem Innehalten etwas bedrohlich Existenzielles.

BÄRBEL ERZÄHLT EINEN FILM (Karl Heil, D 2005, 2 min) – eine kleine Versuchsanordnung: Wir erfahren alles über eine Geschichte, die Erzählung ist im Prinzip vollständig, nur die Bilder scheinen keine solchen zu sein.

URSZENE von Christine Noll-Brinkmann (BRD 1981, 6 min) konfrontiert den freudschen Blick durchs Schlüsselloch mit seiner filmischen Verlängerung. Aus unserer jeweiligen Art die Bilder zu sehen, entstehen unverhoffte intime Details und wir ertappen uns zunehmend öfter bei der Verlagerung unserer Gedanken aus dem Film in den Alltag.

(1) Falkenberg, Paul: Sound Montage: A Propos de Ruttmann. In: Film Culture Nr. 22/23, New York, 1961

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Lief zuletzt im April 2011