Cinémathèque Leipzig - Archiv

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Das Archiv

zeigt alle Filme an, die seit 1998 im Programm der Cinémathèque Leipzig (vormals AG Kommunales Kino) zu sehen waren.

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Wir bitten um Beachtung des Umstands, dass wir die gelisteten Filme nicht im Besitz haben und demzufolge auch nicht verleihen können.

 

 

Kindergesichter Kindergesichter
  • 1.05.2011
    die naTo

KindergesichterVisages d'enfants

Musical Landscapes

Frankreich/Schweiz 1923, OmU, 117 min, Regie: Jacques Feyder
mit Victor Vina, Jean Forest, Rachel Devirys

In einem kleinen Dorf in den Schweizer Bergen wird die Mutter des zehnjährigen Jean beerdigt. Der sensible Junge vergräbt sich in seiner Trauer, während sein Vater Pierre schon bald neue Heiratspläne schmiedet. Jean wird auf eine Reise geschickt. Als er zurückkehrt, wohnen Pierres neue Frau Jeanne und deren Tochter Arlette schon im Haus des Vaters. Obwohl die warmherzige Jeanne sich um Jeans Zuneigung bemüht, verhält er sich schroff und ablehnend ihr gegenüber. Für seine Stiefschwester Arlette empfindet er tiefen Hass. Eines Nachts schickt er sie hinaus in den Schnee mit der Lüge, er habe ihre verlorene Puppe an der Brücke gesehen. Das Mädchen verirrt sich und kommt nicht zurück. Von Gewissensbissen geplagt, beichtet Jean dem Vater alles...
Visages d'enfants gilt als Meisterwerk des Stummfilms, das seiner Zeit weit voraus war. Jacques Feyder drehte 1923 an Originalschauplätzen im Schweizer Ober-Wallis, um größtmögliche Authentizität zu erzielen. Die Bewohner des Dorfes Grimentz waren bisher kaum mit dem Kino in Berührung gekommen, umso unbefangener agierten sie vor der Kamera. Widrige Witterungsbedingungen verzögerten die Dreharbeiten, was die Produktionskosten erheblich ansteigen ließ und ein erhöhtes Risiko für alle Mitwirkenden bedeutete. Filmästhetisch setzte Feyder nicht nur durch die grandiosen Naturschauplätze und die dynamische Kamera Akzente. Die Nachtszenen wurden tatsächlich nachts gedreht, was damals genauso wenig üblich war wie das "Shooting on Location". So trug Kameramann Léonce-Henri Burel durch technische Neuerungen und nicht zuletzt durch seine Risikobereitschaft wesentlich zum Renommee des Films bei. Burel hatte zuvor bei LA ROUE (1923) von Abel Gance die Kamera geführt. Von Abel Gance beeinflusst sind sicherlich die virtuos umgesetzten schnellen Schnittfolgen in einigen Sequenzen des Films, dessen Montage Feyder selbst übernahm. Auch das von Feyder verfasste Drehbuch bietet für seine Zeit einen wegweisenden Ansatz: der Film ist ganz aus der kindlichen Perspektive und Psychologie heraus erzählt.
Der gebürtige Belgier Jaques Feyder (1885-1948), der sich später in Frankreich einbürgern ließ, begann als Filmschauspieler und wandte sich dann der Regie zu. Schon in seinem Aufsehen erregenden Film L'ATLANTIDE (Lost Atlantis, 1920) drehte er an Originalschauplätzen in der Sahara. Bekannt wurde er mit der in Deutschland produzierten Zola-Verfilmung THÉRÈSE RAQUIN (Du sollst nicht ehebrechen, 1928), in Hollywood drehte er mit Greta Garbo den letzten Stummfilm DER KUSS (1929).
Nachdem von Visages d'enfants lange Zeit nur unvollständiges Material vorhanden und das Negativ verschwunden war, wurde 1993 unter Beteiligung des Niederländischen Filmmuseums, der Cinémathèque Royale de Belgique, der Cinématèque Française und des Gosfilmofond Moskau im Rahmen des Media-Programmes der EU eine restaurierte und kolorierte Fassung hergestellt.
Aufführung in Kooperation mit dem MDR.

Lief zuletzt im Mai 2011