Cinémathèque Leipzig - Archiv

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Das Archiv

zeigt alle Filme an, die seit 1998 im Programm der Cinémathèque Leipzig (vormals AG Kommunales Kino) zu sehen waren.

Möglich ist die Suche nach Film- oder Reihentitel.

Rechercheanfragen können uns gern auch per Email erreichen.

Wir bitten um Beachtung des Umstands, dass wir die gelisteten Filme nicht im Besitz haben und demzufolge auch nicht verleihen können.

 

 

Fernsehen macht schön (cinespacio) Fernsehen macht schön (cinespacio)
  • Sa 18.09. 22:00
    die naTo

Fernsehen macht schön (cinespacio)Léaud, un ensemble - Gast: Florian Göthner, Leipzig

2010, 100 min

Jean-Pierre Léaud - eine Ikone des französischen Films. Der Schauspieler stand für Regiegrößen wie Godard, Rivette, Pasolini, Bertolucci und Aki Kaurismäki vor der Kamera - vor allem aber gab er einigen der wichtigsten Filme von Truffaut ihr Gesicht. Die Hauptrolle in dessen "Sie küssten und sie schlugen ihn" (1959) machte den damals erst 14jährigen 1959 schlagartig bekannt. Mit vier weiteren Spielfilmen setzte Truffaut die Geschichte des Jugendlichen Antoine Doinel im Laufe der folgenden 20 Jahre fort: Léaud wurde zu einem der prägenden Charakterdarsteller der Nouvelle Vague. Auch nach dem Tod seines Mentors Tuffaut 1984 setzte sich seine Karriere fort - sein Oeuvre wuchs auf bislang 80 Spielfilme an.
Den Leipziger Künstler Florian Göthner inspirierte die einzigartige filmische Präsenz des Schauspielers zu einer eigenen künstlerischen Arbeit. Für sein Diplom an der Hochschule für Grafik und Buchkunst sichtete Göthner Filme aus Léauds gesamter Schaffenspanne, entdeckte Kontinuitäten und Divergenzen, löste tausende Einstellungen aus ihren ursprünglichen Abläufen und arrangierte sie unter eigenen thematischen Aspekten neu. Entstanden ist ein experimenteller Essay, der den Betrachter zu einer einzigartigen cineastischen Entdeckungsreise einlädt: die aus ihren Kontext gelösten Bilder wirken befreit vom Ballast narrativer Notwendigkeiten. Plötzlich stehen sie wieder für sich selbst, sind sie auf den Moment ihrer Entstehung, ihre Intention und Wirkung zurückgeworfen. Der junge Léaud mit dem sehnsuchtsvollen Blick scheint den älteren Herrn im Bildfenster neben ihn zu ignorieren. Oder verunsichert ihn die Präsenz des Mannes, der ihm so fremd erscheint und doch so ähnlich ist? Vergleichbare Bewegungsabläufe und Kameraeinstellungen sind simultan im Bild. Sie ermöglichen den Vergleich, die Assoziation, das Schmunzeln und Nachdenken. Dort wo die filmwissenschaftliche Betrachtung den Bezug zum Gegenstand ihrer Betrachtung verliert, wird Göthners Arbeit zum Gegenentwurf mit Mitteln der Kunst: einem cineastischen Kaleidoskop, einer Komposition magischer Momente, einer beeindruckend sinnlichen Filmtheorie.
Aufführung und Gespräch mit Florian Göthner.

Lief zuletzt im September 2010