Cinémathèque Leipzig - Archiv

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Das Archiv

zeigt alle Filme an, die seit 1998 im Programm der Cinémathèque Leipzig (vormals AG Kommunales Kino) zu sehen waren.

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Rechercheanfragen können uns gern auch per Email erreichen.

Wir bitten um Beachtung des Umstands, dass wir die gelisteten Filme nicht im Besitz haben und demzufolge auch nicht verleihen können.

 

 

Happy Jews / Amos Oz – The Nature of Dreams Happy Jews / Amos Oz – The Nature of Dreams
  • Sa 31.10. 14:00
    die naTo

Happy Jews / Amos Oz – The Nature of Dreams

Im Festival DOK Leipzig 2009

92 min

DOK LEIPZIG 2009 // Internationales Programm Dok

Happy Jews (Szczesliwi Zydzi)
R: Jonathan Rozenbaum, Katarzyna Wilk, Polen, Israel 2008, 6 min, engl. UT
Antisemitismus, immer wieder Antisemitismus. Ob Ost oder West, egal! Scheinbar unausrottbar in die kollektive Seele Europas eingepflanzt, vergleichbar dem Hass auf Roma. Im März 1968 werden im Zuge einer antisemitischen Kampagne der Kommunistischen Partei Polens Tausende Juden gezwungen, das Land zu verlassen. Unter ihnen der Vater von Jonathan Rozenbaum, dem Regisseur, der die Geschichte seiner Familie in diesem kurzen Film verarbeitet. Verarbeitet ist eigentlich nicht das ganz richtige Wort. In einer künstlerisch schrägen und verspielten Erinnerung an die damaligen Ereignisse begibt sich der Filmemacher in seine Kindheit zurück. Eine Zeitreise anhand von Amateur-Super-8-Material eines Treffens jüdisch-polnischer Emigranten, die aus der Sicht des damals kleinen Jungen als Versammlung einer kriminellen Großfamilie gedeutet wird. Denn irgendetwas müssen die Juden getan haben, sonst hätte man sie ja nicht aus Polen vertrieben. Oder? Ein bitterböser, politisch völlig unkorrekter Kommentar zu einem andauernden Skandal, in der Tradition des jüdischen Witzes als Waffe und mit dem Mut, trotz allem weiter zu leben.

Amos Oz - The Nature of Dreams
(Yashar el toch hashemash hakitzit)
R: Yonathan Zur, Masha Zur, Israel 2009, 86 min, engl. UT
Wenn es Amos Oz nicht gäbe, müsste man an der Spezies Mensch vollständig verzweifeln. Hierzulande sind seine regelmäßigen Kommentare zum Nahost-Konflikt eine einsame Stimme der Vernunft in einer gleichgeschalteten Medienlandschaft, in der man jede Kritik an Israel mit Antisemitismus und pro-israelische Gefolgschaft mit demokratischer Gesinnung gleichsetzt.
Mit solchem wie jeder Menge weiterem geharnischtem Schwachsinn über das Judentum, Israel und die Palästina-Frage räumt Amos Oz in Yonathan und Masha Zurs Film gründlich auf. Dabei gelingt den beiden Regisseuren weit mehr als "nur" ein einfühlsames Porträt des Schriftstellers, Publizisten und Allround-Intellektuellen. Sie begleiten ihn auf Reisen nach Amerika, Österreich und Deutschland, bei Vorträgen, auf Spaziergängen, im Gespräch mit Lesern, Künstlerkollegen und Politikern (darunter Salman Rushdie, Paul Auster, Nadine Gordimer und Shimon Peres) sowie bei der Arbeit an seinem Schreibtisch. In die beiläufigen Gedanken und Äußerungen mischen sich Auszüge aus seinen autobiografischen Büchern, behutsam unterlegt mit Archivbildern. Aus der Biografie eines im Israel der Gründerjahre aufgewachsenen Jungen, dessen Eltern aus einem osteuropäischen Shtetl stammten und im gelobten Land tragisch endeten, werden die Wurzeln nicht nur eines Künstlers, sondern eines Landes erahnbar: in seiner Zerrissenheit, seinem Zweifel und einer anhaltenden Ambivalenz gegenüber Europa. Ein Muss für alle, die nicht verzweifeln wollen.

Lief zuletzt im Oktober 2009