Cinémathèque Leipzig - Archiv

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Das Archiv

zeigt alle Filme an, die seit 1998 im Programm der Cinémathèque Leipzig (vormals AG Kommunales Kino) zu sehen waren.

Möglich ist die Suche nach Film- oder Reihentitel.

Rechercheanfragen können uns gern auch per Email erreichen.

Wir bitten um Beachtung des Umstands, dass wir die gelisteten Filme nicht im Besitz haben und demzufolge auch nicht verleihen können.

 

 

Artsutanov's Elevator... / Disco & Atomic War Artsutanov's Elevator... / Disco & Atomic War
  • Do 29.10. 17:00
    die naTo

Artsutanov's Elevator... / Disco & Atomic War

Im Festival DOK Leipzig 2009

92 min

DOK LEIPZIG 2009 // Internationales Programm Dok

Artsutanov’s Elevator: with a hand camera in pursuit of a genius
R: Daria Emelyanova, Russ. Föderation 2009, 14 min, engl. UT
Im März 2008 starb der weltberühmte Techno-Forscher und SciFi-Autor Arthur Clarke. Er war hauptverantwortlich für das Drehbuch zu Kubricks 2001: ODYSSEE IM WELTRAUM, und in seinem letzten Roman, "The Fountains of Paradise" (1979), schrieb er mit der Konstruktion eines "Orbital Lift" auch ein Stück Naturwissenschaftsgeschichte.
Juri Arzutanow lebt. Und wie. Impulsiv und voller Energie sprintet der Achtzigjährige auf Rolltreppen gegen die vorgegebene Richtung, flitzt über die schneebedeckten Straßen seiner Heimatstadt Sankt Petersburg und quatscht jeden an, auskunftsbereit, interessiert, mit einem Glanz in den Augen, der dem russischen Durchschnittsbürger längst abhanden gekommen ist. "Ein erwachsener Mensch", meint auch der Museumswärter, "und benimmt sich wie ein Kind." Es ist wohl diese Eigenschaft, die den Ingenieur bis heute frohen Mutes sein lässt. Denn den kosmischen Lift hat eigentlich er erfunden. Nur weiß das kaum jemand. Und "gebracht", im finanziellen Sinn, hat es dem vergessenen sowjetischen Pionier des ökonomischen (weil raketenfreien) Weltraumlifts auch nicht viel. 14 Rubel, 38 Kopeken zahlte die Redaktion der Komsomolskaja Prawda damals, im Juli 1960, für den Text "Mit der Elektrolokomotive ins Weltall". Arzutanow lebte stets in ärmlichen Verhältnissen. Aber er ist glücklich. Darüber, dass sich wenigstens der große Clarke für ihn interessiert hatte, damals. Fulminantes Handkamera-Debüt der Filmstudentin Darja Jemeljanowa!

Disco & Atomic War (Disko ja tuumasõda)
R: Jaak Kilmi, Estland, Finnland 2009, 78 min, engl. UT
Wie J.R. eine Kolchose zu Fall brachte, ein Fensehkoch zur Bedrohung des kommunistischen Weltsystems wurde und welche Auswirkung die Abschaltung des Westfernsehens auf eine Wanderniere im Krankenhaus "Karl Marx" hatte, schildert Jaak Kilmi in seiner Dok-Komödie.
Seine Kindheit im Tallinn der 70er- und 80er-Jahre versüßen die Segnungen der westlichen Popularkultur, die über den finnischen Meerbusen in estnische Wohnzimmer dringen. Das finnische Fernsehen wird mittels der "soft power" von Unterhaltung und Werbung zur Speerspitze des Imperialismus: Dallas, Disco-Rhythmen, Knight Rider und Star Trek erobern estnische Schulhöfe – während die sowjetische Staatsführung mit immer verzweifelteren Gegenmaßnahmen reagiert. Doch weder getürkte Untertitel noch Hüften schwingende Komsomolzen, Soziologenkommissionen oder Bürgermilizen zur Kontrolle des Fernsehkonsums können den feindlichen Radiowellen Einhalt gebieten. Der estnische Erfindungsgeist tut ein Übriges, und bald schon blühen illegale Geschäfte und ein Schwarzmarkt mit Konvertern, geschmuggelten Mikrochips und Antennen.
Mittels rasanter Montage von Archivmaterial, Interviews und Kaurismäki-artig nachinszenierten Geschichten dreier Kinder von damals gelingt das Kunststück, jenseits gängiger Klischees und platten Antikommunismus eine Geschichte vom Kalten Krieg zu erzählen. Als das, was er auch war: hochgradig absurd, urkomisch und einfach lächerlich.

Lief zuletzt im Oktober 2009