Cinémathèque Leipzig - Archiv

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Das Archiv

zeigt alle Filme an, die seit 1998 im Programm der Cinémathèque Leipzig (vormals AG Kommunales Kino) zu sehen waren.

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Wir bitten um Beachtung des Umstands, dass wir die gelisteten Filme nicht im Besitz haben und demzufolge auch nicht verleihen können.

 

 

Dealing with Time / Goodbye, How Are You? Dealing with Time / Goodbye, How Are You?
  • Mi 28.10. 20:00
    die naTo

Dealing with Time / Goodbye, How Are You?

Im Festival DOK Leipzig 2009

112 min

DOK LEIPZIG 2009 // Internationales Programm Dok

Dealing with time
(Le temps presse)
R: Xavier Marquis, Frankreich 2008, 52 min, engl. UT
Die Sache mit der Zeit ist echt ein Dilemma. Halbwegs gerecht wird man ihr vielleicht mit einem Stoßgebet: "Oh Herr, gib mir Geduld. Aber bitte schnell!"
Seit Erfindung der mechanischen Zeitmessung hat der Mensch die Geschwindigkeit seines Lebens beständig gesteigert. In der Gegenwart des beginnenden 21. Jahrhunderts ist Zeit zu einer der knappsten Ressourcen überhaupt geworden. Indes: welches sind die ökonomischen Voraussetzungen, dass die Menschheit sich bemüßigt fühlt, einen dauernden Tanz um die goldene Zeit zu veranstalten? Welche mentalen Verwerfungen muss es gegeben haben, dass Zeit wie ein permanenter Mangel verwaltet wird. Hat nicht der Tag seit Menschen Gedenken die gleiche Anzahl von 24 Stunden und das Jahr 365 Tage, abgesehen von Schaltjahren – aber das ist eine andere Geschichte.
Mit listiger Verwunderung stellt "Le temps presse" eine essayistische Untersuchung über Geschichte, Gegenwart und Zukunft unseres Zeitverständnisses an. Der Diskurs endet mit der Erkenntnis des weisen Tuiavii aus Tiavea über des Unglücks Kern beim Papalagi (d.i. der industrialisierte Mensch): "Die Zeit entschlüpft ihm wie eine Schlange in nasser Hand, gerade weil er sie zu sehr fest hält. Wir müssen ihm seine kleine runde Zeitmaschine wegnehmen und ihm verkünden, dass von Sonnenaufgang bis -untergang viel mehr Zeit da ist, als ein Mensch gebrauchen kann."


Goodbye, How Are You? (Dovidjenja, kako ste?)
R: Boris Mitic, Serbien 2009, 60 min, engl. UT
Die hohen Künste der Misanthropie und des schwarzen Humors – in diesem satirisch dokumentarischen Märchen des serbischen Filmemachers Boris Mitic werden sie meisterlich vorgeführt. Der Ich-Erzähler verharrt den ganzen Film hindurch im Off. Seine Stimmlage ist ein sonorer Bass.
Nachkriegsbilder, prügelnde Polizisten und Taufszenen, dazu romantische Piano-Klänge und darüber der Erzähler, der sich in Anlehnung an Michail Lermontows autobiografischen Roman als ein Held unserer Zeit vorstellt. Wie dieser ist er ein junger Mann, dessen Fähigkeiten in der ihn umgebenden dumpfen gesellschaftlichen Atmosphäre nur verkümmern können. Er will die selbsternannten Leitfiguren seiner Epoche – den humanen Geschäftsmann, den ehrlichen Politiker, den geläuterten Kriegsverbrecher – zum Duell herausfordern. Doch er scheitert jedes Mal bereits im Vorfeld, weil sein Freund und Alter Ego, der Sekundant, den jeweiligen Wunschgegner stets schon mit einem desavouierenden Aphorismus abgeschossen hat: "Wir wissen in jedem Moment, was wir wollen. Wir wissen nur nicht, wann dieser Moment kommt."

Lief zuletzt im Oktober 2009