Cinémathèque Leipzig - Archiv

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Das Archiv

zeigt alle Filme an, die seit 1998 im Programm der Cinémathèque Leipzig (vormals AG Kommunales Kino) zu sehen waren.

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Wir bitten um Beachtung des Umstands, dass wir die gelisteten Filme nicht im Besitz haben und demzufolge auch nicht verleihen können.

 

 

Bassidji Bassidji
  • Mo 28.09. 17:30
    die naTo
  • 8.02.2010
    die naTo

Bassidji

Musalsal – Dokumentarfilme aus Nahost

Frankreich/Iran/Schweiz 2009, OmeU, Dok, 114 min, Regie: Mehran Tamadon

Genügen die Fragen, die der Regisseur Mehran Tamadon im Laufe des Films stellt, um die Prinzipien eines totalitären Diskurses zu verstehen und verständlich zu machen? Wird der mittlerweile in Frankreich ansässige Iraner durch seine Fragen ein Land begreifen lernen, das sein eigenes ist, in dem er sich jedoch nicht mehr wieder erkennt?
Nur mit Kamera, Mikro und einem Haufen Fragen im Gepäck, hat sich Mehran Tamadon mit Mitgliedern der Bassidji getroffen – einer 1980 gegründeten Volksmiliz, die sich während Saddam Husseins Angriff auf den Iran der offiziellen Armee angeschlossen hat und deren Anhänger zum Grossteil im Krieg gefallen sind. Mittlerweile fungieren die Bassidiji als islamische Revolutionsgarde. Mit offenem Visier und ohne seine Absichten zu verbergen, hat er ihnen seine Fragen gestellt und sie mit seinen Überlegungen konfrontiert, die von einem Teil der zwei Jahre lang von dieser Regierungsmiliz unterdrückten iranischen Bevölkerung geteilt werden. Er ist ihnen zu den alten Schlachtfeldern gefolgt, auf denen sie zu hunderten ihre Kriegs-Märtyrer beweinen, die in dem Glauben gestorben sind, dadurch Gottes Wille zu folgen. Er hat an ihren Versammlungen teilgenommen, bei denen die BASSIDJI bei gelöschtem Licht und mit lautem Klagegeschrei ihre Märtyrer beweinen und darum beten, sich dereinst ebenso tapfer und opferbereit zu zeigen wie sie. Er ist einem der Gardisten, der über das Einhalten der Gebote und die Auslegung des Islam wachen soll, durch die Straßen Teherans gefolgt.
Motor des Films und Argument für seine Begegnungen sind auf der Straße geführte Interviews mit Iranern, die sich mittels des Aufnahmegerätes an die Führer der Bassidji wenden und ihre Vorbehalte und Zweifel äußern. Er versucht sie mit seinen Erfahrungen im Westen zu konfrontieren, wo er mit seiner Partnerin in Untreue und unverheiratet zusammenlebt, während sie es nicht einmal wagen, einer Frau in die Augen zu sehen.
(Quelle: Visions du Réel Nyon 2009)
Unermüdlich versucht Mehran Tamadon zu verstehen. Mit all seiner Diplomatie und seiner Redegewandtheit – der die seiner Gesprächspartner in nichts nachsteht – stürzt er sich mit seinen Argumenten und Überlegungen in Wortgefechte. Letztlich, fast am Ende seiner Kräfte, beißt er jedoch auf Granit. Ob er eine Frage zu viel gestellt hat?

Aufführung in der Reihe MUSALSAL in Kooperation mit eurient e.V., im Anschluss Filmgespräch mit Stefanie Brinkmann, Uni Leipzig.

Lief zuletzt im Februar 2010