Cinémathèque Leipzig - Archiv

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Das Archiv

zeigt alle Filme an, die seit 1998 im Programm der Cinémathèque Leipzig (vormals AG Kommunales Kino) zu sehen waren.

Möglich ist die Suche nach Film- oder Reihentitel.

Rechercheanfragen können uns gern auch per Email erreichen.

Wir bitten um Beachtung des Umstands, dass wir die gelisteten Filme nicht im Besitz haben und demzufolge auch nicht verleihen können.

 

 

Raskolnikow Raskolnikow
  • 16.04.2010
    die naTo

Raskolnikow

Solo für Licht 2010 – Augenklaviatur

D 1923, stumm, Spielfilm, 150 min, Regie: Robert Wiene
mit Elisaveta Skulskaja, Gregori Chmara, Marija Germanova, Marija Kryžanovskaja, Michail Taršanov

Der Jurastudent Raskolnikow erschlägt eine alte Pfandleiherin und, weil sie Zeugin geworden ist, die hinzukommende Schwester der Frau. Von seinem Gewissen geplagt, gesteht er die Morde Sonja, der Tochter seiner Vermieter, in die er verliebt ist. Sonja, deren Vater Alkoholiker ist und deren Mutter darüber verzweifelt, geht der Prostitution nach, um der Familie Geld zu verschaffen. Immer wieder gerät Raskolnikow auch gegenüber Petrowitsch, dem mit dem Mordfall beauftragten Untersuchungsrichter, an den Rand eines Schuldeingeständnisses. Immer wieder jedoch, scheint das Schicksal ein solches vereiteln zu wollen...
Schon die ersten Kritiken 1923 hoben die Meisterschaft hervor, mit der Robert Wiene, durch DAS CABINET DES DR. CALIGARI berühmt geworden, die "Seelenstimmungen" der Figuren umzusetzen verstand. Wiene blieb mit der Inszenierung nahe an der literarischen Vorlage. Der Roman konzentriert sich vollkommen auf die psychischen Zustände Raskolnikows, und auch für den Film werden diese zum Hauptmotiv. Der Romantitel „Schuld und Sühne" akzentuiert die Signifikanz des moralischen Dilemmas, das aus den Umständen von Raskolnikows Verbrechen erwächst. Indem Wiene Raskolnikow zum Titelhelden seines Films macht, verlagert er die Aufmerksamkeit der Rezipienten noch mehr auf die Psychologie des Protagonisten, ihn selbst interessiert vor allem das Problem einer verbogenen und gequälten Subjektivität. Neben den Dekorationen sind es zahlreiche Großaufnahmen von Raskolnikows gepeinigtem Gesicht (das in seiner Unregelmäßigkeit und Faltigkeit die Dekorationen zu Verlängern scheint), die das Hauptthema des Films unterstützen. In diesem Film, der oft als das letzte große Werk des deutschen Expressionismus bezeichnet wird, sind die Hauptrollen mit Schauspielern des Moskauer Künstlertheaters MChAT besetzt.

Eine spielbare und neu restaurierte Kopie gibt es derzeit nur vom Niederländischen Filmmuseum. Die deutsche Übersetzung der Zwischentitel wird live eingesprochen.

Musikalische Begleitung: Ensemble Marges (Weimar)
Sprecher: Lars Meyer (Leipzig)

Lief zuletzt im April 2010