Cinémathèque Leipzig - Archiv

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Das Archiv

zeigt alle Filme an, die seit 1998 im Programm der Cinémathèque Leipzig (vormals AG Kommunales Kino) zu sehen waren.

Möglich ist die Suche nach Film- oder Reihentitel.

Rechercheanfragen können uns gern auch per Email erreichen.

Wir bitten um Beachtung des Umstands, dass wir die gelisteten Filme nicht im Besitz haben und demzufolge auch nicht verleihen können.

 

 

  • Mo 23.02. 20:00
    Skala

frontier / split-screen #6 "Zeit (Teil 1)"Manchester Victora - Liverpool Lime Street

BRD 2003, OF, 49 min, Regie: Axel Töpfer

FRONTIER - eine Veranstaltungsreihe in Zusammenarbeit mit der Skala Leipzig
Konzeption: Sven Wörner

SPLIT-SCREEN ist ein ungefähr 14-tägiger, thematischer Filmabend als Teil der Reihe FRONTIER in der Skala, das versucht, in mehrfacher Hinsicht die Grenzen zwischen Film und Theater, Zuschauer und Akteur, Konsument und Produzent zu überschreiten. Wir rühren in der Ursuppe von Theater und Kino und haben hierzu als zentrale Koordinaten und Programmpunkte Sprache, Position, Zeit, Bühne, Fiktion, Schnitt sowie Objektiv gewählt.

FRONTIER, das ist die gemeinsame Grenze von Film und Theater, die durch die Bühnenkante, die Leinwand und die Position des Betrachters definiert wird. FRONTIER ist, als Veranstaltungsreihe, ein angebotenes Experimentierfeld für Besucher und Veranstalter, um die wechselseitigen Durchdringungen dieser Grenze zu erkunden.

ZEIT (Teil 1)

Das schmerzhaft langsame Verstreichen der Zeit, das Verfliegen einer Generation im Augenblick, warten, wirkliches warten und konfektionierte Leinwandlebenszeit mit technisch bedingter Wiederholungsgarantie eines möglichen identischen Ablaufs. Abgeschnittene (historische) Zeit durch Genozid, millionenfaches Lebensende, eine kulturelle Supernova. Die Bedeutung eines Augenblicks - 35 Sekunden. Entscheidungszeit.
Wenn Bühne und Leinwand eine gemeinsame Bürde haben, dann wohl diese: das Versprechen abverlangt zu bekommen, das, wie lang auch immer die Vorstellung dauern möge, die darauf folgende an die mit Vorstellungsbeginn unterbrochene Zeit verschiebungsfrei anknüpfen möge.
Zeit wird als relevanter Teil der Wahrnehmung in der Regel mißachtet. Dabei ist doch jedes Spiel Bildzeit in Echtzeit: somit spiegelbildliche Lebenszeit.

Manchester Victora — Liverpool Lime Street
Axel Töpfer, BRD 2003, 49 Minuten, ohne Dialog
MANCHESTER - LIVERPOOL zeigt bewegte Bewegungsbilder der Landschaft, die auf einer Zugfahrt von Manchester nach Liverpool an einem Zugfenster "vorbeigezogen" wird.
Auf dieser Strecke waren 1830 erstmalig linear "bewegte" Bilder (der Blick aus dem Zugfenster) zu schnell für die visuelle Wahrnehmung einer Öffentlichkeit. Der Film ist ein Versuch, mittels Prothesen der Erinnerung einen Eindruck zu geben, wie man bei geschrumpftem Raum mit beschleunigter Bewegung wahrnehmen müßte.
Während einer Zugfahrt wurde die Landschaft der Strecke visuell sequentiert, entsprechend den einzelnen Dauern in Langzeitbelichtungen fortlaufend fotografiert, als Video in Originalzeit zusammengesetzt und anschließend fließend überblendet. Der Fluß von Momenten aus Objekten wird zum Fluß von Ereignissen aus Strukturen. Ihre Bewegung vollzieht sich erst im medialen Abbild der aufgenommenen Bilder, auf einer senkrecht zur Leinwand verlaufenden Wahrnehmungs- / Zeitsachse. Damit ist die Bewegung vom Rahmen des medialen Bildes begrenzt und erzeugt nicht die Illusion eines Ausschnittes.
Die Dauer des Films entspricht der Zeit der Fahrt; unsere Wahrnehmung gerät in Konflikt mit unserer Erfahrung und das "Zeitliche" des Film-Seins läßt sich nicht als Gleichwertiges von der Seite des Bild-Seins verdrängen. Damit wird das Publikum unentrinnbar via Zeit - der einzig anderen tatsächlich grenzüberschreitenden Komponente neben dem Raum - mit dem Dargestellten verknüpft. Geschehen wird tatsächlich.

(ZEIT — Teil 2 folgt am 2.3. 18 Uhr mit: Eye Blink, USA 1966, Yoko Ono, 35 sec, ohne Dialog.
sowie: Shoa, Claude Lanzmann, USA 1985, 566 min OmU)

Lief zuletzt im Februar 2009