Cinémathèque Leipzig - Archiv

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Das Archiv

zeigt alle Filme an, die seit 1998 im Programm der Cinémathèque Leipzig (vormals AG Kommunales Kino) zu sehen waren.

Möglich ist die Suche nach Film- oder Reihentitel.

Rechercheanfragen können uns gern auch per Email erreichen.

Wir bitten um Beachtung des Umstands, dass wir die gelisteten Filme nicht im Besitz haben und demzufolge auch nicht verleihen können.

 

 

frontier / split-screen #4 "position / intimität" frontier / split-screen #4 "position / intimität"
  • 3.02.2009
    Skala

frontier / split-screen #4 "position / intimität"

2004-2006, 60 min

FRONTIER - eine Veranstaltungsreihe in Zusammenarbeit mit der Skala Leipzig
Konzeption: Sven Wörner

SPLIT-SCREEN ist ein ungefähr 14-tägiger, thematischer Filmabend als Teil der Reihe FRONTIER in der Skala, das versucht, in mehrfacher Hinsicht die Grenzen zwischen Film und Theater, Zuschauer und Akteur, Konsument und Produzent zu überschreiten. Wir rühren in der Ursuppe von Theater und Kino und haben hierzu als zentrale Koordinaten und Programmpunkte Sprache, Position, Zeit, Bühne, Fiktion, Schnitt sowie Objektiv gewählt.

FRONTIER, das ist die gemeinsame Grenze von Film und Theater, die durch die Bühnenkante, die Leinwand und die Position des Betrachters definiert wird. FRONTIER ist, als Veranstaltungsreihe, ein angebotenes Experimentierfeld für Besucher und Veranstalter, um die wechselseitigen Durchdringungen dieser Grenze zu erkunden.

"Intimität"
Jeder Blick - auf die Bühne oder auf die Leinwand gerichtet - ist zunächst in seinem Charakter und durch die Position der Betrachtenden bestimmt voyeuristisch, penetrierend. Durch die Spezifik des Verkörperns stellt sich jeder Schauspieler dieser Penetration und ist hierbei einem Blick schutzlos ausgesetzt, der (wie im Film die Kamera) den darstellenden Leib abtastet, schützende Distanz unterschreitet und im Extremfall instrumentieren kann.
Und doch ist es diese Situation der "Entblößung", die strukturell die Tendenz zur Innigkeit und Intimität in sich trägt. Der Blick wird "gespiegelt". Wir nähern uns in unserer Betrachtung über die Darstellung den Darstellenden an. Überwinden optisch die erzwungene Distanz. Das Primat des Optischen wird in Synästhesie aufgelöst. Unsere Rezeption ist nicht mehr in erster Linie kognitiv sondern vielmehr körperlich-sinnlich. Eine Sinnlichkeit, die bis zur Epidermis des Gegenüber "vorzudringen" vermag, eventuell sogar durch die Erzählung aufgefordert ist dies zu tun. Und schon verschiebt sich die Position der Betrachter, die Mechanik des Blicks - wir sind Beteiligte. Wir durchdringen die distanzierende Architektur der Aufführungssituation, sind ganz Auge, nicht mehr in sondern außer uns. Wir sind inter-est, dazwischen. Intim.

Body Echoes
Defasten, Kanada 2006, 4 min, entstanden in Zusammenarbeit von ILU, Defasten, Michel F. Cote
BODY ECHOES ist ein Film, der die Durchdringung von Mensch und urbaner Umwelt, die Aufhebung einer Grenze zwischen Beiden, in eine filmisch-technische Struktur zu übertragen versucht. Der Focus eines Blicks, Fragmente einer Bewegung, Momente der Versunkenheit und aufscheinendes Erkennen der eigenen Position oder erinnerte Reflexion und Selbstspiegelung in einer Fassade - ein ständiger Wechsel des Essentiellen und des Artifiziellen. Der Körper wird in den Raum hinaus erweitert, wohingegen dieser sich in Strukturen der Bewegung einer Person in ihm gliedert.
BODY ECHOES ist inspiriert durch die Perfomance 30x30 von Paul-André Fortier (www.fortier-danse.com).

Density 1
Defasten, Kanada 2004, 4 min, Soundtrack "Balkanize You" by Tim Hecker (Mirages, 2004. Alien8 Recordings, www.alien8recordings.com/aliencd47.php3)
DENSITIY 1 ist ein sehr sinnlicher Film über den Raum, Ablösung, Ersetzung; über Zeit und Ort. Er versucht, die Eigentümlichkeit von durch Bewegung oder Stillstand, von durch Blicken entstehenden temporären Raumsituationen - die oftmals nicht bemerkt werden - zu fassen.

Patrick Doan lebt in Montreal/ Kanada sowie Paris. Er studierte Design und Digitale Kunst an der Concordia Universität. In seinen Arbeiten entwirft er Texturen von Information, Raum und urbanen Landschaften im Schnittpunkt digitaler Medienpraktiken. Fragmentierung ist hierbei ein wichtiges Stichwort.

Haze
Shinya Tsukamoto, Japan 2005, 49 min, mit Shinya Tsukamoto, Kahori Fujii
Ohne Erinnerung erwacht ein Mann, gespielt vom Regisseur selbst, in einem beklemmenden Betonlabyrinth. Wo befindet er sich? Wie ist er hierher geraten? Wer steckt dahinter? Und wie kommt er aus diesen dunklen Katakomben wieder heraus? Zudem ist er verwundet und kann sich kaum aufrichten, die Decken und Wände lassen nur wenig Platz. Tastend bahnt er sich seinen Weg ins Ungewisse, trifft schließlich auf eine Leidensgenossin. Gemeinsam versuchen sie dieser Hölle zu entfliehen.
Mit seinem ersten digital gedrehten Film HAZE kehrt der japanischen Extremkünstler Shinya Tsukamoto visuell zu seinen Wurzeln zurück (TETSUO - THE IRONMAN) und verbindet diese brachiale Bildgewalt gekonnt mit den emotionalen Elementen, die seine jüngsten Werke wie VITAL kennzeichnen. Tsukamoto hat mit HAZE einen klaustrophobischen Experimentalschocker geschaffen, der beinahe physisch in die Empfindung des Zuschauers eindringt, eine Distanz nicht zuläßt.

Lief zuletzt im Februar 2009