Cinémathèque Leipzig - Archiv

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Das Archiv

zeigt alle Filme an, die seit 1998 im Programm der Cinémathèque Leipzig (vormals AG Kommunales Kino) zu sehen waren.

Möglich ist die Suche nach Film- oder Reihentitel.

Rechercheanfragen können uns gern auch per Email erreichen.

Wir bitten um Beachtung des Umstands, dass wir die gelisteten Filme nicht im Besitz haben und demzufolge auch nicht verleihen können.

 

 

  • 2.10.2001
    die naTo

Addicted – The Drug Scare Spook Show

American Outlaw Cinema

USA 1910-70, OF, 90 min
mit Zusammengestellt und eingeleitet von Jack Stevenson

Drogen sind im Gebrauch seit die Menschen gelernt haben, Pflanzen zu essen und illegal wurden sie erst durch die Kampagnen amerikanischer Puritaner Anfang des letzten Jahrhunderts. Der Film Mystery of the Leaping Fish von 1916 (Drehbuch Tod Browning, der später Freaks drehte, und produziert von D.W. Griffith) konnte es sich noch leisten, eine richtig wilde Anarcho-Komödie über Drogen zu sein - obwohl der "Held" des Films, Detektiv "Coke Ennyday" (gespielt von Douglas Fairbanks!) bereits zur Drogenfahndung eingesetzt wird. Der Detektiv, schick im scharz-weiß-karo Anzug und unterwegs im schwarz-weiß-karo Auto, hat eine Uhr an der Wand, die seine 4 Tageszeiten angibt: "Essen, Trinken, Drogen, Schlafen". Aber so genau richtet er sich ja nicht danach: er ist stoned den ganzen Tag. Da kommt der Anruf von der Polizei - er soll helfen, eine Drogengang festzunehmen, die Opium mit den aufblasbaren Fischen des örtlichen Schwimmbades übers Meer transportiert. Coke nimmt eine Nase Coke und ist voll dabei. Sein aufblasbarer Fisch ist bei der Verfolgung der Gangster zu langsam - kein Problem: Coke haut ihm eine Spritze Dope rein und der Fisch geht ab wie eine Rakete...
Der Humor zum Thema Drogen ging den Amerikanern bald verloren - aber nicht das Interesse an den Drogen. Von den 1920ern bis in die frühen 1960er durften Drogen nur als das ultimativ Böse portraitiert werden. Und das wurde gern gemacht: wilde Drogenszenen mit halbnackten Mädels und erst in den letzten 5 Minuten folgt die Moralkeule. Siehe etwa den Trailer zu Dwain Espers' Marihuana: Weed with Roots in Hell in diesem Programm.
In den 1960ern waren Drogen plötzlich Popkultur und für jeden zu haben. Selbst die Navy hatte nun zu fürchten, daß ihre treuesten Kräfte mal schnell ein Acid oder zwei werfen während sie Kanonenwache haben. Verzeifelt wurde Abhilfe in Aufklärungsfilmen gesucht - etwa in LSD: Trip to Where (Navy, 1968) oder LSD Case Study (Lockheed Aircraft Company, 1968). Beide im Programm und mehr...
Das Programm basiert auf Stevenson's Buch "Addicted", ein Überblick über Drogenfilme von den 1910ern bis zu "Trainspotting", das letztes Jahr bei Creation Books in London erschien. Keine Exemplare im Angebot zur Vorstellung aber über amazon.com jederzeit bestellbar.
Johannes Schönherr

Lief zuletzt im Oktober 2001