Cinémathèque Leipzig - Archiv

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Das Archiv

zeigt alle Filme an, die seit 1998 im Programm der Cinémathèque Leipzig (vormals AG Kommunales Kino) zu sehen waren.

Möglich ist die Suche nach Film- oder Reihentitel.

Rechercheanfragen können uns gern auch per Email erreichen.

Wir bitten um Beachtung des Umstands, dass wir die gelisteten Filme nicht im Besitz haben und demzufolge auch nicht verleihen können.

 

 

Science of Horror Science of Horror
  • So 19.10. 20:00
    die naTo
  • Mo 20.10. 20:00
    die naTo
  • Fr 24.10. 22:00
    die naTo
  • So 26.10. 21:30
    die naTo

Science of HorrorWenn die Kettensäge zum Penis wird

Leipzig-Premiere

BRD 2008, OmU, 82 min, Regie: Katharina Klewinghaus
mit Wes Craven u.a.

"Body-Genres" nannte die feministische Akademikerin Linda Williams einmal die sogenannten "B-Genres" der Filmgeschichte: Melodram, Pornografie und Horrorfilm. "Weil diese Filme körperliche Reaktionen hervorrufen", so Katharina Klewinghaus. "Täten sie das nicht, würden sie als gescheitert gelten." Die Berliner Regisseurin und Filmwissenschaftlerin widmet sich in ihrer Dokumentation "Science Of Horror" speziell den Slasher-Movies. Horrorfilme sind pornographisch und erotisieren das Abscheuliche. Dennoch befreien sie, sind humorvoll und rütteln an kulturellen Tabus. "Science of Horror" dokumentiert zum ersten Mal den Horrorfilm aus der Sicht feministischer Filmkritik. So entdeckt Carol Clover in „Texas Chainsaw Massacre“ das "final girl", ein androgyner, dennoch eindeutig weiblicher Held. Damit liefert Clover eine grundlegende Formel des Genres und ein Fundament für weiterführende Thesen. Frauen sind des Horrors Lieblingsopfer, aber auch seine Helden. Der Phallus als sozialer Machtindikator wird im Horror zu einem flexiblen Objekt: Die Kettensäge in den Händen des "final girl" erlaubt einen anderen Blick auf die Normen westlicher Gesellschaften – heterosexuelle Zuschreibungen werden vom Genre unterwandert. Die filmtheoretischen Thesen werden mit Zitaten aus bekannten Horrorfilmen belegt und den Aussagen renommierter Filmemacher gegenübergestellt. Der Film schafft somit erstmalig Raum für einen Diskurs zwischen Filmtheorie und Filmpraxis. Wes Craven, John Carpenter und Tom Savini äußern sich zu ihren Filmen. Feministische Filmwissenschaftlerinnen wie Carol Clover, Leona Berenstein und Linda Williams ebenfalls. Sie treten auf als kluge Analytikerinnen - und teils gar als heimliche Fans.
Filmhistorische Dokumentationen sind nicht unproblematisch. Selten bieten sie mehr als oberflächliche Historisierungen von bekannten Tatsachen. Oder sie mystifizieren das längst Vergessene, damit Insider noch einmal Applaus spenden können. "Science Of Horror" von Katharina Klewinghaus ist dagegen eine Klasse für sich.

Am 19. 10. findet die Premierenveranstaltung in Anwesenheit der Regisseurin Katharina Klewinghaus statt.

Lief zuletzt im Oktober 2008